Rasseportrait Tornjak

 

Obwohl in der kynologischen Literatur 11 verschiedene Rassen der einheimischen Herdengebrauchshunde des ehemaligen Jugoslawiens beschrieben werden, sind nur einige über die Grenzen hinaus bekannt und nur einige von der FCI anerkannt worden. Neben dem Sarplaninac und dem Kraski Ovcar (beide FCI anerkannt) bekommt der Tornjak in letzter Zeit immer mehr Bedeutung, da man sich ebenfalls um seine Anerkennung bemüht. 

Tornjak

Dieser Name wurde von dem Begriff "Tor " abgeleitet, was soviel wie Schutzgatter oder Pferch bedeuten soll. Die Herden, die des Nachts in Pferche getrieben wurden, wurden von den um diese Pferche lagernden Hunden geschützt.

Ursprung der Rasse

Auf dem Gebiet Bosnien und der Herzegowina existierten bereits vor mehr als 1000 Jahren diese Hunde, die schon vor 9 Jahrhunderten als “Canis montanus” – Berghund registriert wurden

Sicher ist der  Ursprung des Tornjaks bei den Molossern zu suchen. Wahrscheinlich haben die Slawen ihn aus ihrer Urheimat mitgebracht, deren Heimat (Kroatien) im früheren Persien zu finden sein soll, jedenfalls wird dies von Bibelforschern und Ethnologen so angenommen.

Haltung und Bedingungen, aber auch der ständige Druck durch Raubtiere formten das Erscheinungsbild der Rasse. Die Aufgabe der Hunde war das Eigentum der Menschen gegen jeden Feind zu schützen, wobei die Hunde dennoch nicht aggressiv gegen Menschen sein durften.

Erscheinungsbild & Charakter

Das Erscheinungsbild des Tornjak zeigt einen starken Hirtenhund mit einem kräftigen Körperbau und starken Knochen, die allerdings nicht grob und schwer sein sollen. Ausgestattet mit einem langem Haarkleid, was sich bei Rüden am Hals zu einer Art Mähne bilden soll,  sind sie in der Lage jeglicher Witterung zu trotzen. Ihr Wesen zeigt sich ehr verschlossen als nervös, ehr gleichgültig als aggressiv. Fremden Personen und Tieren gegenüber sind sie meist zurückhaltend, können aber unter Umständen auch einen viel stärkeren Gegner angreifen.

Den vertrauten Personen gegenüber sind sie allerdings sehr emotional, wobei sie Kinder über alles lieben. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine gute Aufzucht und eine gute Sozialisation, kurz: ein verantwortungsvoller Züchter und Halter. So aufgezogen, weisen sie auch in größeren Hundegruppen lebend, ausgesprochen soziale Instinkte auf. Fremden gegenüber sind sie zurückhaltend, aber nicht aggressiv.

Die gewünschte Größe bei Rüden soll etwa 70 bis 73 cm sein, Hündinnen sind entsprechend kleiner.

Die Tornjaci sind in der Regel mehrfarbige, plattenförmig bunte Hunde. Es gibt auch dunkle Tiere mit weißen Abzeichen nur um den Hals, am Kopf und an den Läufen. Ebenso gibt es fast weiße Tiere mit ganz kleinen plattenförmigen Flecken, aber immer mit an den Läufen und am Kopf gestreuten Flecken, sowie dunkle Strähnen in langen weißen Haaren.

Alle Variationen von Farben und  Verzierungen werden als gleichwertig betrachtet. 

Standard

Kopf

Der Kopf ist lupoid, keilförmig und länglich. Bei besonders üppig behaarten Tieren wirkt er auf den ersten Blick klein. Die Kiefer sind kräftig und lang mit einem vollständigen Scherengebiß. Der Nasenrücken ist gerade mit einem sanften Stop. Der hintere Kopfteil ist länglich, aber nicht schmal und er ist vom Stirnbogen bis zum Hinterhaupt gerade. Das Hinterhauptbein ist nicht stark ausgeprägt aber bemerkbar. Die Augen sind mandelförmig mit fest anliegenden Lidern.

Hals

Der Hals ist lang, tief getragen und mit fester Muskulatur belegt. Er hat eine sehr üppige lange Haarpracht, auch Mähne genannt.

Rücken

Der Rücken ist verhältnismäßig kurz, fest, mäßig breit und gerade.

Kruppe

Die Kruppe ist von mittlerer Länge, nicht abfallend und die Rute ist mittelhoch angesetzt.

Rute

Die Rute ist ausgesprochen lang, kann säbelförmig, ringförmig oder hakenförmig gebogen getragen werden. Im Ruhestand wird sie hängend getragen, aber bei aufmerksamen oder erregten Hunden ist sie über dem Rückenniveau erhoben.

Brustkorb

Der Brustkorb ist sehr geräumig, kegelförmig, tief, breit und gut gewölbt, aber die Rippen sind nicht massiv.

Gangwerk

Das Gangwerk des Tornjak ist lebhaft, bei manchen Hunden von kurzem Schritt, aber immer ausgreifend, geschmeidig und fliessend.

Anmerkung

Der Tornjak ist noch nicht FCI anerkannt, worum sich derzeit sowohl Kroatien als auch Bosnien bemühen.

 

Ob die Ansprüche der verschiedenen Länder innerhalb des ehemaligen Jugoslawiens dazu beitragen die FCI Anerkennung zu förden, mag dahingestellt sein.

Wesentlich wichtiger scheint aber die Frage zu sein, inwieweit diese Aufteilung auf die verschiedenen Länder der Rasse dienlich ist. Dies wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

 

©  Ilona Hambitzer  

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