Bericht über den Besuch der spanischen Tierschutzvereine „ALBA“ und „LA CAMADA“ und einer Tötungsstation (Perrera)

Um 11.00 Uhr landeten wir in Madrid, wo wir von Jutta Grohall empfangen wurden. Jutta ist eine Deutsche, die seit 30 Jahren in Madrid wohnt, und uns in ihrer Tierschutzarbeit ein Vorbild ist. Sie leistet Erstaunliches, neben ihrer Arbeit für die „ALBA“, organisiert sie Deutschlandreisen für einige andere Tierschutzvereine.„ALBA“ liegt etwas außerhalb Madrids, umgeben von den Bergen inmitten weiter Landflächen. Wir wurden von den ALBA Mitarbeitern, die alle bis auf einem Festangestellten, der auf dem Gelände wohnt, ehrenamtlich tätig sind, herzlich empfangen. Wir wurden durch das Tierheim geführt und die ALBA Tierschützer können sehr stolz sein, auf das was sie mit einfachen Mitteln aus dem Nichts erschaffen haben. Es gibt dort neben dem kleinen Büro zwei separate Quarantänestationen, eine für Hunde und für Katzen. Das Katzenhaus steht den Katzenhäusern, die man aus deutschen Tierheimen kennt, in nichts nach. Wir lernten Anne Dart kennen, eine Amerikanerin, die sich dort jeden Samstag um „ihre“ Katzen kümmert. Sie reinigt die Katzenzimmer, zähmt wilde Katzen und spielt ihnen klassische Musik vor. In diesem Haupttrakt befindet sich auch der OP Raum, in dem täglich viele Hunde und Katzen kastriert werden. Denn dies ist der einzige Weg, um über die katastrophale Lage und Situation vor Ort Herr zu werden. Dann begaben wir uns zu den Hunden. Die „ALBA“ hat eine Kapazität für ca. 70 Hunde, und bei unserem Besuch befanden sich dort ca. 40 Hunde.Auch hier war alles vorbildlich. Die Hunde haben eine Höhle, die mit Stroh und Decken gepolstert ist. Diese Höhle dient ihnen als Rückzugsmöglichkeit und als Schlafstätte, wo sie vor Wind und Wetter geschützt sind. Jeder Zwinger verfügt über einen Auslauf, der riesig ist. Ich habe in deutschen Tierheimen schon bedeutend kleinere gesehen. (TH Essen zum Beispiel)Alle Hunde sprangen schwanzwedelnd an den Türen hoch und empfingen uns mit freudigem Gebell. Wir sahen kleine zottelige Mischlinge, riesige Mastins und zerbrechlich wirkende Galgos. Und das was uns am meisten beeindruckte, war die Tatsache, das wirklich keiner dieser Hunde in irgendeiner Weise aggressiv war.

In den beiden Tagen, die wir in Spanien waren haben wir ca. 350 Hunde in Tierheimen und in der Perrera gesehen und kein einziger Hund zeigte ein aggressives Verhalten. Wirklich jeder Hund war absolut menschenfreundlich, und das bei dem Leid, das ihnen die Menschen zugefügt haben. Man konnte sich in jeden Zwinger begeben, was wir auch taten. Ich befand mich Auge in Auge mit einem riesigen Mastin Espagnol Mischling, der wie ein kleines scheues Reh, mein Knuddeln und Streicheln genoß. Insbesondere die Anzahl der großen bis riesigen Hunde ist uns aufgefallen, denn für die Kleineren, gibt es auch in Spanien eine Vermittlungschance. Nachdem wir mit allen Mitarbeitern auf dem TH Gelände Paella gegessen hatten, von Jose dem 2.Vorsitzenden der ALBA selbst zubereitet, hieß es schon wieder Abschied nehmen. Doch bevor wir gingen wurden wir Zeuge wie eine spanische Familie eine kleine Mischlingshündin adoptierte, die Leishmaniose 

hatte. Jutta fuhr uns zu einem städtischen Tierheim, das von Beatrix geleitet wird. Neben diesem kleineren TH leitet sie zwei weitere. Eigentlich als Tötungsstationen gedacht, sind hier die Zwinger und Ausläufe sehr klein. Doch Beatrix tötet nicht. Die 31 jährige, zierliche Frau, die fast wie ein zerbrechlicher Teenager wirkt, hat bei den örtlichen Politikern erwirkt, ein Adoptionsprogramm durchführen zu können. Zwar ist dieses seitens der Politiker beschränkt, da sie verpflichtet ist, wenn sie mehr als 20 Hunde aufnimmt, die übrigen einschläfern zu lassen. Sie wird ständig kontrolliert. Aber sie gibt den Kampf nicht auf, denn wenn mehr dort als 20 Hunde sind, versteckt sie die restlichen, bei sich, bei Freunden, ja sogar in ihrem Auto vor dem TH, bis die Inspektoren wieder gegangen sind. Beatrix ist wirklich eine tolle und engagierte Frau, die uns gezeigt hat, das insbesondere die jungen Spanier im Tierschutz sehr engagiert sind. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück begaben wir uns mit Ana Cano, einer Pilotin der Iberia, die für den Tierschutzverein „LA CAMADA“ in Guadalajara arbeitet, zu der einzigen Tötungsstation die sonntags geöffnet war. Ana, die aufgrund ihres stressigen Berufes schon sehr eingespannt ist, opfert ihre gesamte Freizeit um den Tieren zu helfen. Es kommt des öfteren vor, das sie in ihrem großen Haus bis zu 20 Hunde beherbergt und gesund pflegt, bis sie nach Deutschland vermittelt werden können. Der Wärter der für die Perrera zuständig ist, saß in seinem Wärterhäuschen und öffnete uns grimmig die Pforte. Wir spürten, wie er uns musterte und nach Kameras und Fotoapparate Ausschau hielt, doch diese hatten wir gut versteckt .Ana Cano war ihm bekannt, da sie regelmäßig aus dieser Tötungsstation Hunde freikauft. Wir durften hinein und obwohl wir auf diesem Augenblick gut vorbereitet waren, stockte uns der Atem. Zunächst schlug uns ein bestialischer Gestank entgegen und dann sahen wir die Hunde. Einige begrüßten uns freundlich, doch der Großteil lag völlig apathisch und abgemagert im eigenen Kot in einer Ecke auf dem kalten Fußboden. Nach all den positiven Eindrücken des Vortages, empfanden wir bei diesem Anblick nur noch Wut, Trauer und Ekel. WIE KÖNNEN MENSCHEN TIEREN SO ETWAS ANTUN?! Der Hund, der beste Freund des Menschen! Weggeworfen, eingepfercht, dazu verdammt die letzten Tage seines sowieso erbärmlichen Lebens ohne Wasser und Futter mit seinen Artgenossen, die wimmernd im Nachbarzwinger liegen auszuharren. Die Seele der meisten Hunde war gebrochen, auch unsere Versuche ihnen zu beweisen, das nicht alle Menschen grausam sind schlugen fehl. Wir hätten so gerne gewollt, das wenn diese wunderschönen Tiere schon sterben müssen, dieses mit dem Bewußtsein tun, das sie ein Mensch in ihren letzten Stunden geliebt hat. Unsere Tränen konnten wir nicht mehr zurückhalten, und dem Wärter schienen sie eine Genugtuung zu sein. Die Ohnmacht die wir empfanden, ist sehr schwer in Worte zu fassen, und zu wissen das wahrscheinlich irgendwo in Deutschland ein Mensch nach genau so einen Hund sucht, der hier auf seinen Tod wartet, einfach unbeschreiblich.

Wir nutzten unsere Chance als der Wärter hinausging um zu filmen und zu photographieren und hoffen damit das Herz der Menschen zu berühren, so wie unseres berührt wurde. Wir besuchten an diesem Tag noch ein weiteres privates TH mit fast 100 Hunden, und auch hier waren die sanften Riesen wieder in der Überzahl. Wir haben durch unseren kurzen Aufenthalt gelernt, das wir nicht alle Hunde retten können und das die Unterstützung der Tierschutzarbeit vor Ort, insbesondere die Kastrationsprogramme, absolute Priorität haben.

Wir wollen dieses mit all unserer Kraft und finanziellen Mitteln unterstützten und hoffen auf die Unterstützung und Mitarbeit von engagierten Tierschützern. 

Tierschutz kennt keine Grenzen ! Helfen Sie helfen. Auch wenn immer wieder Stimmen laut werden, die Hilfe zuerst im eigenen Land anzusetzen. Das Leben eines Hundes sollte überall auf der Welt einen wertfreien Stellenwert besitzen. Ein toter Hund in Spanien sollte selbiges Mitleid erregen, wie ein toter Hund in Deutschland.

Christiane Babic 

zonas@gmx.de

   www.spanische-hunde-in-not.de

 0201-344006

Die Urheberrechte liegen bei Christiane Babic

 Die Veröffentlichung erfolgte mit Genehmigung von Spanische Hunde in Not e.V. in Gründung

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