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Vom
Gebrauchshund zum Modeartikel Am
22. April 1999 feierte der Deutsche Schäferhund seinen 100. Geburtstag.
Ein Tag zur Freude, aber auch zur nüchternen Betrachtung der Realität.
Denn durch Überzüchtung ist das Genpotential vieler Hunde dieser Rasse
bereits stark geschädigt. Rittmeister von Stephanitz Der junge Adjutant der schweren Reiter aus Köln-Deutz, Max-Emil von Stephanitz, langweilte sich beim Manöver. Seine Blicke schweiften ab und er sah einen Hirten, der seine Schafherde mittels zweier Hunde perfekt dirigierte. Ein Schauspiel, das den preußischen Militär von Stephanitz faszinierte. Von nun beseelte ihn die Idee, den perfekten Gebrauchshund zu finden: gehorsam, intelligent und leistungsfähig sollte er sein. Die Suche blieb erfolglos. Zu unterschiedlich verhielten sich Hunde selbst rasseintern. So beschloß von Stephanitz - mittlerweile aus dem Militärdienst ausgeschieden - selbst eine Hunderasse zu schaffen. Horand von Grafrath
Mißbrauch im Krieg Im
ersten Weltkrieg mußte der DSH für vielfältige Dienste herhalten. Er
diente als Minen,- Melde- oder Sanitätshund. Zigtausende der Tiere fanden
dabei den Tod. Im zweiten Weltkrieg wiederholte sich das Drama. 200.000
wurden auf deutscher Seite für das Schlachtfeld rekrutiert. Auch Hitler
selbst besaß mit "Wolf" und "Blondie" zwei DSH. Der
Hunderasse haftet so bis dato unverdient das Stigma des deutschen
Nationalismus und Faschismus an. Vom Gebrauchshund zum Statussymbol Ab
den 50er-Jahren begann der weltweite Siegeszug des DSH. Als Allrounder
eignet er sich zum Aufspüren von Erzen ebenso wie zur Bewachung von Öl-Pipelines.
DSH versehen Dienst bei Polizei, Grenzschutz, Zoll, als Rettungs- oder
Blindenhunde. Nach Auskunft des SV befinden sich aber in Deutschland 90 %
der rund 500.000 DSH in Privatbesitz. Und auch in Österreich führt der
DSH die Beliebtheitsskala aller Hunde weit voran an. Diese Popularität
trug nicht zur Gesundheit der Tiere bei. Die rege Nachfrage und
vermenschlichte Schönheitsideale im Rassestandard trugen zur Schädigung
des Genpools bei. Bei vielen DSH kann von Überzüchtung gesprochen
werden. So klagen immer mehr Diensthundeführer über körperliche Leiden
und "Triebschwäche" ihrer Schützlinge; seien es Krankheiten im
Bewegungsapparat, Apathie oder Hypernervosität. Aus Sicht des
Tierschutzes gibt es da nur einen Ausweg aus der Misere: die Zuchtbasis
erhöhen, dafür aber weniger züchten...und vor allem nur mit gesunden
Tieren ! Überzüchtung und Erbkrankheiten Von
Überzüchtung spricht man, wenn das Erbgut des Tieres durch züchterische
Maßnahmen nachteilig verändert wird. Diese Veränderungen manifestieren
sich in genetisch bedingten Krankheiten, Krankheitsanfälligkeiten oder
Wesensschwächen. Beim
Deutschen Schäferhund führte z.B. der inzwischen geänderte
Rassestandard, der ein um 23% abfallendes Hinterteil vorschrieb, zu
krankhaften Veränderungen des Bewegungsapparates, wie etwa: · Hüftgelenksdysplasie (kurz HD): Fehlstellung des Hüftgelenks, bei
welcher der Kopf des Oberschenkelknochens aus der Gelenkspfanne tritt
(=Luxation). Dies führt zu chronischen Entzündungen und je nach Grad der
HD zu argen Schmerzen bei Bewegungen. · Cauda Equina Syndrom (CES): Einengung von Nervenkanälen am Ende
des Rückenmarks. Kann zur Lähmung der Hinterhand führen. · Spondylose: krankhafte Knochenbildungen entlang der Wirbelsäule. Führt
ebenfalls zur Lahmheit Daneben
gibt es eine Hornhautentzündung (Keratitis superficialis chronica), die
bisher nur beim DSH beobachtet werden konnte.
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