Bericht von Daniela und Karl Trautwein

Juni 2000:

Ein Sommerurlaub in der Türkei, was stellt man sich Schöneres vor. Sonne, Strand, Meer, blauer Himmel, eine wunderschöne Ferienanlage und eigentlich alles, was das Herz begehrt. Da wir schon immer ein sehr großes Herz für Tiere hatten und auch in unserem Zuhause sehr viele vierbeinige Mitbewohner leben, war es für uns von Interesse, auch einmal ein türkisches Tierheim zu begehen. Wir hatten durch Bekannte einen Zeitungsartikel über ein neu errichtetes staatliches Tierheim in der Ortschaft Ortaca gelesen und uns entsprechend für eine Fahrt dorthin interessiert.

Die Übersetzung des Zeitungsartikels:

"Bravo für die Stadtverwaltung Ortaca"
26. Oktober 1999

Um die Streuner unter Kontrolle zu haben, hat die Stadtverwaltung Ortaca ein Heim für Hunde eröffnet. Obwohl viele Menschen die Lösung für Straßenhunde einfach darin sehen, sie wegscheuchen, hat die  Stadtverwaltung Ortaca durch ihre Hilfe großes Ansehen gewonnen.
Das Heim für Hunde ist nun bewohnbar, so Bürgermeister Asim Günes: "Das Heim (Hundehäuser) kann im Moment in einer Kapazität von ca. 200 Hunden genutzt werden und besteht aus drei Aufteilungen oder auch Abgrenzungen (räumlich gesehen). Diese sind aufgeteilt nach Männchen, Weibchen sowie für Weibchen mit Neugeborenen In kürzester Zeit wird es auch für kastrierte Hunde erweitert. Der umzäunte Platz ist aus Sand, damit die Hunde weich und nicht auf steinigen Plätzen spielen können. Um die Hunde vor Regen und Sonnenbestrahlungen zu schützen, werden auch Hundehütten aufgestellt, wo sie sich geborgen fühlen.
Somit haben die Hunde, die einst hungrig, naß und mit zu viel Sonneneinstrahlung auf der Straße waren, jetzt ein neues Zuhause.
Die Lebensversorgung der Hunde werde durch Restaurants und dergleichen aufrecht erhalten. Die Behälter, die von der Stadtverwaltung ausgeteilt worden sind, werden jeden Tag von Stadtarbeitern abgeholt und zum Heim gebracht, so ist auch die Versorgung geregelt.
Die ärztliche Versorgung wird von der Stadt getätigt. Auf jeden Fall werden die von der Straße geholten Hunde hier gut versorgt.
So, und als Mitbürger haben wir jetzt nur die Aufgabe der Stadt jeden Hund zu melden, der kein Zuhause hat."

 

So fuhren wir gleich am zweiten Tag nach unserem Kurzurlaub in Dalyan nach Ortaca, um uns dort einmal umzusehen. Nach vielerlei Fragerei nach dem neuen Tierheim im Ort selbst - niemand wußte davon -, haben wir uns endlich einen Weg auf einen einsamen Hügel weit außerhalb des Ortes gebahnt und dort geglaubt, unseren Augen nicht trauen zu können. Was wir hier als Mülldeponie der schlimmsten Sorte bezeichnen würden, wird in Ortaca ein Tierheim genannt.

Wir fanden zirka 70 Hunde  (etwa 60 Hündinnen und 10 Rüden) vor, die eingepfercht auf einer Stein- und Schmutzhalde, zwischen Müllsäcken, Kot und Kalk, ohne Futter und Wasser in der prallen Sonne vor sich hinvegetierten. Viele der Tiere waren von Räude und Staupe befallen, hatten schlimm entzündete Wunden und gebrochene Gliedmaßen, es lagen sogar verendete Tiere zwischen den Lebenden und der ganze Ort glich alles andere als einem "Heim". So hatte an dieser Stelle unser Urlaub ein Ende gefunden und wir fingen mit der Arbeit an:

Zuerst wurde von uns der gröbste Müll beseitigt und mit unserem Mietwagen ein 200-Liter-Tank Wasser angefahren. Wir haben jedem einzelnen Hund Wasser gegeben und ihn auf Verletzungen, Parasiten etc. untersucht. Das Ergebnis der Untersuchung war mehr als erschreckend. Wir waren fast den ganzen Tag damit beschäftigt, Wunden zu versorgen, die Tiere gegen Parasiten und gegen den Wurmbefall zu behandeln.

Gegen Mittag haben wir Futter besorgt, ein sehr großes Tuch, um Schattenplätze zu schaffen und uns sogleich mit einer 77-jährigen Tierschützerin vor Ort getroffen und mit ihr beratschlagt, wie man das Problem angehen könne, da auch der Bürgermeister sofort eingeschaltet werden sollte. Am Abend ging es wiederum zurück ins Tierheim zur Fütterung der Hunde. Dieses Futter bestand aus notdürftig zusammengesammeltem Brot und aus Milch. Es ist fast 

unvorstellbar, wie die Tiere sich auf diese Art Futter gestürzt haben. Alsdann haben wir weitere Hunde notdürftig mit den vorhandenen Mitteln behandelt und sämtliche Tiere mit einer 7-fach-Impfung geimpft.

Diese Tätigkeiten zogen sich den Rest des Urlaubes in die Länge: Unterredungen mit dem Bürgermeister standen auf der Tagesordnung. Dieser tat während der Gespräche alle möglichen Zusicherungen, von denen leider die wenigsten gehalten wurden. Die angebliche Aufsichtsperson des Tierheimes, die auch vor Ort wohnt, meinte wörtlich, sie brauche das Wasser für den Garten und könne die Tiere unmöglich in Zukunft derartig versorgen! Hat man da noch Worte?

 

Unser "Urlaub" nahm schließlich ein Ende und wir kehrten schweren Herzens nach Deutschland zurück. Da wir jedoch zwischenzeitlich viele Menschen in Ortaca kennen gelernt haben, die ein ebenso großes Herz für Tiere beweisen, wie wir - unter anderem auch eine deutsche Tierschützerin, die vor Ort lebt -  besteht die Möglichkeit, von hieraus tätig zu werden, was wir zwischenzeitlich bereits erfolgreich tun. Unser nächster "Urlaub" im Dezember 2000 geht wieder nach Ortaca und es wird auch dann wieder viel Arbeit erledigt werden müssen!

Jedoch ist Ihre Hilfe gefragt, denn alleine schaffen wir es nicht!

Und wenn wir vielleicht auch nur die Haltungsbedingungen vor Ort verbessern, oder einigen der Tiere hier in Deutschland ein neues Zuhause vermitteln und damit einige wenige Leben retten können, so ist unsere Arbeit nicht umsonst gewesen!!!

Lesen Sie bitte HIER, wie es weiter ging

 

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