CANIS an :

Dr. Bernhard GÖRG (ÖVP); beantwortet i.A. von Gemeinderat Mag. Franz KARL

an Mag. Alexandra BOLENA (LIF)

Dr. Helene PARTIK-PABLÉ (FPÖ)

 

Frage 1: Im Entwurf der Novelle zum Wr. Tierhalte- und Tierschutzgesetz findet sich in § 13 Abs 3 die Formulierung, daß alle Hunde ab einer Größe von 30 cm und einem Gewicht von 10 kg in öffentlichen Orten Maulkorb tragen müssen. Würden Sie diesem Vorschlag zustimmen; und wenn ja, warum?

ÖVP: Dies halte ich nicht für sinnvoll. Allerdings bekenne ich mich zum Maulkorbzwang für gefährliche Hunde.

LIF: Ich halte die geplante Novelle für inakzeptabel. Bevor man  tierfeindliche Verschärfung plant, sollte man dafür Sorge tragen, daß bestehende gesetzliche Bestimmungen – eben Leine oder Beißkorb – eingehalten werden.

FPÖ: Das Anknüpfen an die Schulterhöhe bzw. Gewicht erscheint mir richtig, allerdings sollte Maulkorb- oder Leinenzwang bestehen.


Frage 2: Wie stehen Sie zur Meinung, daß die bereits bestehende Regelung Leinen- ODER Maulkorbpflicht ausreichend ist?

ÖVP: Nicht für gefährliche Hunde; dieser Begriff ist zu definieren.

LIF: Als Hundebesitzerin, die von der geplanten Maßnahme betroffen wäre (ich habe einen ausgesprochen gutmütigen, aber großen Golden Retriever), kann ich nur auf Antwort 1 verweisen.

FPÖ: Die Bestimmung ist ausreichend, müsste nur kontrolliert werden.


Frage 3: § 16a Abs 1 selbigen obig genannten Entwurfs definiert die Gefährlichkeit von Hunden u.a. „auf Grund rassespezifischer Merkmale von einer über das natürliche Maß hinausgehenden Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe...“ Stimmen Sie dem zu, wonach manche Rassen von Natur aus „Kampfhunde“ sind?

ÖVP: Ich bin überzeugt, daß es „gefährliche“ und „weniger gefährliche“ Hunde gibt. Den Begriff „Kampfhunde“ lehne ich ab.

LIF: Es gibt keine Kampfhunde a priori – jeder Hund, unabhängig von seiner Rasse kann „scharf“ und aggressiv gemacht werden.

FPÖ: Ich halte keine Rasse für besonders aggressiv, es liegt immer am Hundehalter, wie sich ein Hund entwickelt.


Frage 4: Werden Sie für ein Verbot bestimmter Hunderassen plädieren? Wie würden Sie die Listung bestimmter Rassen auf einem solchen Index objektiv begründen?

ÖVP: Nein, vor allem aus der Erfahrung der Aufhebung der steirischen Verordnung durch den Verfassungsgerichtshof.

LIF: Es ist dumm und sinnlos, bestimmte Hunderassen zu verbieten!

FPÖ: Nein.


Frage 5: Wenn ja, welche Hunderassen erachten Sie a priori als „gefährlich“?

ÖVP: Sicher sind Dobermann und Rottweiler gefährlicher als Dackel oder Pinscher.

LIF : -----------------------------------

FPÖ: Erübrigt sich in Hinblick auf Punkte 3 und 4


Frage 6: Wie beurteilen Sie die Aussage namhafter Experten (Dr. Irene Stur, Veterinärmedizinische Universität Wien oder Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Universität Kiel), wonach die Gefährlichkeit eines Hundes INDIVIDUELL, nicht rassisch zu bemessen wäre?

ÖVP: Natürlich hängt die Gefährlichkeit von der Haltung ab, also wahrscheinlich kann man jeden Hund gefährlich machen, den einen leichter, den anderen schwerer.

LIF: Ich stimme diesen Aussagen voillinhaltlich zu!

FPÖ: Ich stimme dem zu.


Frage 7: Wußten Sie, daß angeblich a priori gefährliche American Staffordshire Terrier in Deutschland bis vor kurzem sogar im Rettungsdienst Einsatz fanden?; daß es in den USA funktionierende Projekte zwischen behinderten Menschen und Tieren sogenannter „Kampfhunderassen“ gibt?

ÖVP: Nein, halte ich aber für keinen Gegenbeweis.

LIF: Nein, wenn ich ehrlich bin, wusste ich das nicht, aber ich glaube es aufs Wort!

FPÖ: Ich kenne diese Versuche nicht, halte sie aber für möglich.


Frage 8: Was halten Sie vom Vorschlag, die jährlich eingehobene Hundesteuer zweckdienlich zu verwenden anstatt in einen allgemeinen Pool fließen zu lassen?

ÖVP: Viel! Hundeabgabe an die Wiener Bezirke (Dezentralisierung).

LIF: Sehr viel – Auszug aus unserem Programm: „Die Hundesteuer darf nicht im Stadtbudget verschwinden. Wir wollen sie für die Verbesserung im Bereich der Hundehaltung einsetzen. Dazu gehören der Ausbau von Hundefreilaufzonen und die flächendeckende Aufstellung von Sammelbehältern für Hundekot. Gleichzeitig sollen alle Hundebesitzer an freiwilligen Kursen teilnehmen können – für alle, die so zur Problemlösung beigetragen haben, werden wir die Hundesteuer abschaffen.“

FPÖ: Die Zahlung der Hundesteuer kann den Hundehalter von seiner Verpflichtung, öffentliche Flächen sauber zu halten nicht befreien.


Frage 9: Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, daß Tierschutzvereine mit ausgewählten Hunden in Schulen gehen, um die Kinder im richtigen Verhalten zu Hunden bzw. Tieren im Allgemeinen mit Informationen zu versorgen?

ÖVP: Positiv, allerdings erwarte ich mir auch eine Sauberkeitskampagne.

LIF: Eine gute Idee – alles, was dazu beiträgt, das Sozialverhalten zu fördern und lebensnahe Information zu bieten, gehört gerade an Schulen intensiviert.

FPÖ: Ich begrüße diese Vorgangsweise außerordentlich.


Frage 10: Wie stehen Sie zur Idee, Tierschutz im weiteren Sinne bereits in der Volksschule als Wahlfach anzubieten?

ÖVP: Ablehnend; diese Sache kann in den Unterricht allgemein und später in Biologie- und Religionsunterricht integriert werden.

LIF: Ob ein eigenes Wahlfach der Weisheit letzter Schluss ist, weiß ich nicht – vielmehr wäre es prinzipiell notwendig, Tierschutz verstärkt in den Unterricht mit einzubeziehen.

FPÖ: Das wäre eine Überlastung des Schulbetriebes, allerdings soll im sachkundigen Unterricht der Tierschutz seinen Stellenwert haben.


Frage 11: Würden Sie in den Gremien Ihrer Parteien bundesweit den Vorschlag unterstützen, daß Zivildiener in Hinkunft auch die Möglichkeit hätten, in Tierheimen Praxis zu leisten?

ÖVP: Grundsätzlich ja, Details müssten aber gut überlegt werden.

LIF: Nach Maßgabe der Möglichkeiten – warum nicht!

FPÖ: Zivildiener werden dringend bei der Betreuung Behinderter gebraucht, eine Ausweitung halte ich da für nicht möglich.


Frage 12: Würden Sie Projekte unterstützen, die vorsehen, Menschen in Altersheimen verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen – etwa durch Besuche mit Haustieren?

ÖVP: Ja!

LIF: Ja!

FPÖ: Ja.


Frage 13: Was halten Sie von einer durch die Stadt Wien unterstützten Aufklärungskampagne in Bildungseinrichtungen, mit dem Ziel zukünftigen Generationen verstärkt vegetarische Ernährung als Alternative anzubieten?

ÖVP: Nicht viel! Es gibt viele andere Dinge, wo Aufklärungskampagnen wichtiger wären.

LIF: Eine Information über ausgewogene Ernährung ist wichtig – Bestandteil einer solchen Informationskampagne soll auch der Aspekt „vegetarische Ernährung“ sein.

FPÖ: Ich bin generell für eine Aufklärung in Hinblick auf gesundes Essen.


Frage 14: Würden Sie parteiintern auch auf Bundesebene für eine staatliche Förderung alternativer Landwirtschaftsformen wie bioveganen Landbau o.ä. votieren?

ÖVP: Weiß nicht!

LIF: Weder bin ich Landwirtschaftsexpertin, noch Ernährungs- oder Umweltexpertin. Es wäre unredlich, die Frage mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten – ich bitte um Verständnis!

FPÖ: Grundsätzlich ja, aber durch den Beitritt zur EU sind uns hier die Gestaltungsmöglichkeiten weitgehend genommen worden. Die FPÖ hat im Zusammenhang mit der EU-Volksabstimmung auch auf die negativen Folgen für die Landwirtschaft hingewiesen und vor der industriellen Tierproduktion gewarnt. Die BSE-Krise und der sogenannte Schweinemastskandal haben mich einmal mehr von der Richtigkeit der seinerzeitigen Position überzeugt.


Frage 15: Was halten Sie von der Forderung, daß Wildtierhaltung in Zirkussen als Anachronismus untersagt werden sollte, da Kultur sich nicht über Qual anderer Lebewesen definieren darf?

ÖVP: Stehe ich positiv gegenüber! Allerdings sind Übergangsbestimmungen notwendig!

LIF: Viel! Es gibt phantastische Formen des Zirkus, die gänzlich ohne Tiere auskommen...

FPÖ: Ich stimme mit dieser Forderung überein.


Frage 16: Nach wie vor ist es Usus, Hunde und Katzen in Tierfachhandlungen erwerben zu können. Oft stammen diese Tiere aus „Tierfabriken“ angrenzender Staaten. Gesetzlich unterliegt dies dem Bund, und zwar dem Wirtschaftsministerium. Würden Sie in Wien erste politische Schritte begrüßen, die diesem Mißstand bundesweit Abhilfe schaffen?

ÖVP: Ja!

LIF: Ja, selbstverständlich!

FPÖ: Ja.


Frage 17: Unterstützen Sie unsere Forderung, wonach Tierfachhandlungen, die freiwillig keine „Billigimporttiere“ anbieten, mit einem Positivsiegel „belohnt“ werden?

ÖVP: Ja!

LIF: Qualitätssicherung ist eines unserer Hauptanliegen. In diesem Sinn halten wir ein „Positivsiegel“ für einen grundvernünftigen Vorschlag!

FPÖ: Ja.


Frage 18: Unterstützen Sie unsere Forderung, wonach Hundezüchter - wie andere Gewerbetreibende auch - eine Befähigung für Ihren (Neben-)Beruf vorweisen müssen?

ÖVP: Ja!

LIF: Als Vertreterin einer Partei, die die Gewerbeordnung für überholt hält, tu ich mir bei dieser Frage schwer. Was jedenfalls notwendig ist, ist eine veterinärmedizinische Überprüfung der Umstände und Methoden, unter denen gezüchtet wird.

FPÖ: Ich halte einen derartigen Befähigungsnachweis für sehr erforderlich.  

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