Ihr Ruf sind die Pits*

Akt Nummer eins unter dem Buchstaben „s“ – wie „schwer zu glauben“: Vor hundert Jahren war der beliebteste Familienhund in diesem Land der American Pitbull Terrier. Richtig, der Pitbull. Was für einen Unterschied ein Jahrhundert [doch] macht. Denn heute gilt der Pitbull als Amerikas umstrittenste Hunderasse; vielfach als zähnefletschendes Monster betrachtet. Und die Menschen haben keine Skrupel, den Pitbull [weiter] zu dämonisieren. 

Die Angst vor diesen Hunden ist so weit verbreitet, daß in den meisten Tierheimen des Landes Pits nicht einmal zur Vermittlung aufgenommen, sondern unverzüglich euthanasiert werden.

Warum besitzen dann so viele Berühmtheiten einen Pitbull als Haustier? „Es gibt da eine falsche Vorstellung über Pits, nämlich die, daß sie bösartige Hunde wären“, sagt der Baseballer der New York Mets Mo Vaughn – selbst Besitzer zweier Englischer Bulldoggen –, der  sich darauf freut, einen neuen Pitbull in seinen Haushalt aufzunehmen, nachdem sein geliebter „Black“ letztes Jahr gestorben war. „Ein natürlicher, vollblütiger Pitbull ist das netteste Tier der Welt.“

Die Schauspielerin Bernadette Peters sagt, sie vergöttere „Stella“, eine Pithündin, die sie in Manhattan aus dem Center for Animal Care & Control (CACC) adoptiert hat. „Pits sind etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Sie sind sehr zutrauliche, wunderbare Hunde. Mehr als andere Hunde wollen sie immer nur knuddeln und neben einem sein; Haut an Haut. Ich werde immer einen Pit haben!“.

Vaughn und Peters sind [mit ihrer Meinung] nicht alleine. Unter den vielen hochkarätigen Fans dieser Rasse befinden sich auch der Autor James Ellroy, die TV-Persönlichkeit Jon Stewart, Mel „Der Produzent“ Brooks samt Anne Bancroft, Rocker Stephan Jenkins von „Third Blind Eye“ sowie der Maler Julian Schnabel, dessen hübscher weißer Pit „Zeus“ es im vergangenen Jahr auf das Cover des Magazins „Town & Country“ brachte.

Pitbulls sind die am innigsten loyalen Hunde“, hebt Bill Berloni von der New Yorker Humane Society hervor, die selbst mehrere bewundernswerte Pits zur Vergabe hat. „Und sie verdienen sich extrem liebevolle Besitzer, die dieser Treu würdig sind.“

Ironischerweise ist es gerade dieser Sinn für Treue, der verantwortlich war, den Ruf der Rasse zu unterwandern. Denn wenn sie von Kriminellen als Kampfhunde abgerichtet und mißbraucht werden, können Pitbulls in der Tat gefährlich werden – genauso wie jeder andere große, dominante Hund. Ihre Größe und Kraft kann sie zur Bedrohung machen. Aber die große Mehrzahl von ihnen sind Schmusekatzen.

Im frühen 20.Jahrhundert war der Ruf der Rasse ein ganz anderer. Damals wurde der Pit als großartiger Begleiter, vor allem für Kinder, geschätzt (Petey“ aus „Three Little Rascals“ war z.B. ein Pit). Abgebildet auf einem berühmten Propagandaposter des Ersten Weltkriegs, galt er sogar als Symbol von Heldenmut und amerikanischer Tugenden. Umgeben von anderen Hunden, welche die Helme der Staaten trugen, die sie repräsentierten (Der Dackel stand für Deutschland, die Französische Bulldogge für Frankreich), erschien unser Freund – mit „Old Glory“ um die Schultern drapiert [Anm. CANIS: „Old Glory“ ist ein Euphemismus für die Flagge der USA, das Sternenbanner] über dem Schriftzug: „Ich bin neutral, fürchte aber keinen von diesen!“

Heutzutage – aufgrund des gegenwärtigen kulturellen Vorurteils – kann der Besitz eines solchen Hundes die Treue seines Halters [zu ihm] auf eine [harte] Probe stellen. Ich persönlich habe fünf gerettete Pits aufgenommen, und viele Fußgänger machen einen weiten Bogen um mich, wenn ich nur mit einem von ihnen die Straße entlanggehe. Ein Passant sagte sogar: „Kommen Sie mir mit diesem häßlichen Hund ja nicht zu nahe!“

Traurigerweise muß die CACC Tausende mehr Pits aufnehmen als sie vermitteln kann. In New York City müssen daher jährlich an die 10.000 Pitbulls eingeschläfert werden. Die guten Neuigkeiten sind die, daß diesen Samstag [Anm.: 13.07.02] Peters gemeinsam mit Mary Tyler Moore den Adoptionsmarathon für Hund und Katze „Broadway Barks“ in Shubert Alley moderieren wird. Eine der 21 präsentierten Tierrettungsgruppen wird „Stray From the Heart“ [„Streuner vom Herzen“] sein, deren Gründerin Beth Silberg angibt, daß 60% der von ihr zu vermittelnden Hunde Pitbulls oder Pit-Mischlinge sind. Der letzte Findling von „Stray From The Heart“ ist „Stevie Wonder“, ein 7jähriger blinder Hund, der in Brooklyn aufgelesen worden war.

Wie die Mehrheit des mißbrauchten Stadt-Pitbulls, lebte „Stevie“ auf einer Geröllhalde, wo er Hundekämpfern in die Hände fiel, die es einem anderen Hund erlaubten, ihn beinahe tödlich zu verletzen. Aber – gemäß seiner Rasse – ist „Stevie“ ein „liebes Häschen, das Kinder liebt“, sagt Silberg. Nun braucht er ein fürsorgliches Zuhause. „Pits verfügen über so viel Persönlichkeit“, führt Silberg zu Ende. „Alles, was sie machen, machen sie intensiv: sie spielen fest und lieben fest. So viele von ihnen werden schrecklich mißhandelt, aber sie heilen schnell, denn alles, was sie wollen ist lieben und geliebt werden.“

*“Pits“ steht in diesem Fall nicht für „Pitbulls“, sondern für die „Kampfgruben“, in denen die Hunde einst gezwungen waren, zu kämpfen.

Q: Julia Szabo in „New York Post“, 7.Juli 2002; www.nypost.com/pets/51861.htm

Dt. Übersetzung: A. Willer, CANIS

 

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