Mutterkornvergiftung beim Hund

 

Der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) befällt überwiegend die Ähren des Roggen, wo er sich während der Gras- und Getreideblüte festsetzt und sich dort zu einem 4cm langen und etwa 3mm breiten, dunklen, kornähnlichen Gebilde entwickelt. Eine weitere Infektionsquelle bieten Futter- und Wildgräser, seltener findet man ihn an Weizen, Dinkel und Gerste. Für eine ausgedehnte Verbreitung müssen bestimmte Witterungsverhältnisse gegeben sein : ein sehr 

feuchtes Frühjahr und ein anschließend windiger, heißer Sommer.

Vergiftungserscheinungen:

Starkes Unwohlsein, Krämpfe, häufiges Erbrechen und Gebärmutterkontraktionen. Hinzu kommen Gefühllosigkeit in den Gliedmaßen, die später unter starken Schmerzen absterben. Die *brandigen* Pfoten oder Läufe können ohne jegliche Blutung vom Körper abfallen. Der Hund wird von Durchfällen und einem übermäßigen Durstgefühl geplagt, ebenso sind die Pupillen erweitert. Da die Giftstoffe auf das Muskelgewebe wirken, stellen sich bald Lähmungen und Nervenstörungen ein, die nicht selten in Wahnsinnsanfällen gipfeln.

Die im Mutterkorn enthaltenden Alkaloide werden in der Humanmedizin als Wehenmittel und nachgeburtlich zum Blutstillen eingesetzt. Ferner finden sie in der Behandlung von Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen und Migräne Verwendung. Dr. Albert Hofmann entwickelte im Jahre 1943 aus dem Mutterkorn das LSD.

Verbreitung: 

Dort wo keine moderne Mühltechnologie vorhanden ist, die das Getreide gründlich reinigt, treten immer wieder regelrechte Massenvergiftungen auf. Oft wird in Ländern mit hoher Streunerpopulation aus der Not heraus mit Getreide oder Backwaren gefüttert, die die zulässigen Höchstgrenzen von 0,05% in Konsumgetreide, sowie 0,1% in Futtergetreide bei weitem überschreitet. Fehlende Medikamente und medizinische Hilfe verschlechtern die Situation für das erkrankte Tier zudem erheblich.

 

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