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Essen: Fahrlässigkeit sorgt für Beißvorfall und neuen HundehaßEssen Montag, 10.12.2001, gegen 17 Uhr, Unterdorfstraße, Stadtteil Altendorf: Die 24jährige Simone ONeill öffnet die Heckklappe ihres Autos. Drei Hunde springen heraus. Die beiden zweijährigen Staffordshire-Terrier-Mischlingsweibchen laufen zum Hauseingang, der zehn Monate alte Rüde Tyson verbeißt sich aber währenddessen im Gesicht eines dreijährigen Mädchens. Frau ONeill gelang es, ihren Hund durch Gewalt von der kleinen Vivian zu trennen, doch der Schaden war bereits angerichtet. Vivian trug schwere Bißwunden überm Auge davon, und eine ohnehin schon dämonisierte Hunderasse gelangt erneut in die Schlagzeilen der sensationsgeilen Boulevardpresse. Bestie zerfleischt ihr Gesicht, titelt etwa der berühmt-berüchtigte Express. Wiederum stellt sich die Frage nach der Schuld. Letztendlich werden das die Richter zu klären haben, wobei aber ein vorurteilsfreier Prozeß bei der durch Hundehaß und Rasselisten aufgeheizten Situation in ganz Deutschland eher Wunschdenken ist. Für die Hunde gab es schon jetzt Konsequenzen. Kurz nach dem Vorfall wurden alle drei Tiere, also nicht nur Tyson, vom Ordnungsamt abgeholt. Eine Euthanasie ist sehr wahrscheinlich, zumal es ja politischer Wille von Bundesinnenminister Schily und anderen bleibt, daß Kampfhunderassen, zu denen der Staffordshire-Terrier offiziell gerechnet wird, in den nächsten Jahren von den deutschen Straßen verschwinden sollen. Fest steht, daß Frau ONeill gegen Maulkorb- und Leinenzwang verstoßen hat. Ihr droht eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung und Bruch der Landeshundeverordnung; zwei Jahre Haft könnte sie ausfassen. So tragisch auch das persönliche Unglück dieser Dame ist, um so tragischer ist das des entstellten Kindes und das der dem Tode geweihten Hunde. Frau ONeills ungewissenhafter Umgang mit den Hunden erscheint noch unverständlicher, zumal das Erlaubnisverfahren für die Haltung der Staffordshire-Terrier noch nicht mal abgeschlossen war. Außerdem waren die Hunde nicht versichert. Nordrhein-Westfalens zuständige Ministerin Bärbel Höhn (Grüne) hatte bereits Tage vor dem Vorfall in Essen angekündigt, die Strafen für fahrlässige Hundehalter zu verschärfen.
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