Vegetarismus


 

Der nachfolgende Artikel ist eine von uns gemachte Übersetzung des Textes eines führenden US-Fleisch-Lobbyisten zum Thema Vegetarismus/Veganismus. Nachdem in der ersten Hälfte des Propagandaberichtes scheinbar alles im Lot für die Fleischindustrie scheint, werden im zweiten Teil spürbar Ängste über Einbußen deutlich. Eigentlich ein schöner Erfolg, dies aus der Hand des Gegners lesen zu dürfen.

Schleichender Vegetarismus

Dom Castaldo, stellvertretender Herausgeber von „Meat Processing“ [„Fleischverarbeitung“], wirft die Frage auf, ob dadurch, daß immer mehr junge Menschen sich vom vegetarischen Lebensstil angesprochen fühlen, eine ernsthafte Bedrohung für die Fleischindustrie erwächst oder ob diese Jugendlichen Fleisch schnell „wiederentdecken“.

Als meine Tochter Louise in den höheren Klassen der High School war, erklärte sie, sie habe die Absicht, Vegetarierin zu werden. Ich sagte ihr, daß ich ihr zu ihrer Entscheidung und Überzeugung applaudiere, daß wir aber nun mit dem Geld, das ich und meine Frau für ihre College-Ausbildung zur Seite gelegt hatten, uns ein Boot kaufen und vielleicht auf Kreuzfahrt gehen würden. Sie erklärte daraufhin, sie hätte ein Recht auf ihre Meinung. Ich konterte, daß sie dieses Recht in der Tat hätte, allerdings hätte ich dasselbe Recht darauf, keinen vegetarischen Lebensstil zu unterstützen, zumal dieser dagegen läuft zu dem wie ich mein Einkommen verdiene. Diesen Herbst, während ich geschäftlich in Denver zu tun hatte, wo meine Tochter das College besucht, trafen wir uns zum Dinner. Sie führte mich in ihr Lieblings-Steakhouse (...). Dort genossen wir beide Porterhouse-Steaks, perfekt medium zubereitet.

Ich bin sicher, daß die meisten Eltern sehr ähnliche Unterhaltungen mit ihren Kindern geführt haben, wobei ich aber nicht sicher bin, wie diese schließlich endeten. Ich vermute mal, nicht genauso wie jene zwischen Louise und mir, die ihre vegetarischen Aspirationen zugunsten eines bequemeren College-Lebens aufgegeben hatte. Nach einer jüngst von Teenage Research Unlimited  durchgeführten Studie, finden 20% aller 12- bis 19-jährigen Vegetarismus „in“. Bei Mädchen war die pro-Vegetarismus-Rate mit 28% beträchtlich höher. Das bedeutet aber noch nicht, daß alle Teens, die sagten, Vegetarismus wäre „in“, auch tatsächlich vegetarisch bis über das nächste Wochenende hinaus lebten. (Die meisten von uns kennen Geschichten von Leuten, die stolz ihren veganen Lebensstil proklamieren und dann einen Teller Hühnersuppe bestellen; mit der Begründung: „Wieso nicht, das Huhn lebte doch vegetarisch?“). Es entspricht der Natur junger Menschen, speziell der von Teenagern, neue Erfahrungen zu suchen. Innerhalb gewisser Grenzen lernen sie am besten durch Versuch und Fehlversuch. Eine Minute Vegetarier, die andere strikter Carnivore. In den meisten Fällen ist das Probieren des Vegetarismus harmlos, wenn es nicht extrem betrieben wird und damit die Gesundheit des Teens gefährdet. Nach Angaben des Regierungsreports über Ernährung, ernähren sich Teenager, vor allem weibliche (Vegetarierinnen wie Nicht-Vegetarierinnen), nicht ausreichend ausgewogen. Schätzungsweise 60% erhalten nicht genug Eisen, 50% nehmen zuwenig Zink auf, 30% haben nicht genug Vitamin B12; alles Nährstoffe, die in einer Standardmahlzeit Fleisch in ausreichendem Maß vorkommen.

Warum werden Kids vegan? Ich fragte die Freunde meiner Tochter diesbezüglich und fand heraus, daß Teenager dazu neigen, das zu glauben, was sie hören oder lesen – ein weiteres unglückliches Charakteristikum der Jugend. Sie beteten Vers und Kapitel über all die ermüdenden Argumente herunter (...), wie grausam die Praktiken in „Tierfabriken“ wären, wie Fleischfirmen ihre Arbeiter ausbeuten oder wie das Fleischessen Krebs und Herzkrankheiten hervorrufen kann. Gewöhnlich antworte ich darauf: „Warst du jemals in einer „Tierfabrik“?“ Meist lautet die Antwort „Nein“. „Bist du dir bewußt, wie viele gute Jobs die Fleischindustrie anbietet?“ Wieder lautet die Antwort „Nein“. „Weißt du, daß viele dieser Studien tendenziös sind, weil sie Rauchen oder regelmäßigen Sport außer acht lassen?“ Reaktion: verwundertes Starren.

Was treibt nun Teens dazu zu glauben, daß der Beginn eines vegetarischen Lebensstils die Message ist, um das Richtige zu tun? Promis kehren in jedem Interview – egal ob mit Tinte oder auf Zelluloid – ihren veganen Status hervor (Obwohl ich nicht allzu viele Sportler kenne, die tatsächlich Vegetarier sind). Außerdem neigen Jugendliche dazu, sich gegenseitig vom „Broccoli-Pfad“ zu überzeugen. So hatte es auch bei Louise begonnen: ein Freund empfand es als cool und alle anderen taten es ihm nach. Einige pro-vegetarische Websites sind durchtrieben und sprechen vor allem Teens und Kinder an. Speziell eine Seite, vegsource.com, ist gespickt mit Fotos gesunder Kinder und Ratschlagkolumnen von seriös wirkenden Erwachsenen mit „Dr.“ vor ihren Namen. Es gibt auch chat rooms, wo Teens einander Ratschläge geben, z.B., wie man den veganen Lebensstil verteidigt. Eine Sektion der Site diskutiert sogar Vegetarismus während der Schwangerschaft bzw. das Aufziehen vegetarisch ernährter Kinder.

Die National Cattlemen’s Beef Association (NCBA) hat viel getan, um den Rindfleischverzehr bei Teenagern, besonders weiblichen, zu bewerben. Ihre „Its Cool 2-B-Real“-Website bietet Computerspiele, Selbstwerttests, Nachrichtenforen oder Rezepte für eine gesunde Ernährung mit Rindfleisch an. Außerdem arbeitet NCBA direkt mit Jugendgruppen, um Rindfleisch zu promoten. Dennoch muß sowohl in den oberen wie in den unteren Etagen noch mehr getan werden. Jeder, der in die Industrie involviert ist – vom Geschäftsführer bis zum Lagerarbeiter – muß hinausgehen und sich den Kids stellen, die vorhaben vegan zu werden. Wir alle müssen uns die Zeit nehmen bzw. die Möglichkeiten suchen, um den Teens die Gesundheitsvorteile des Fleischkonsums wie auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Fleischindustrie klarzumachen. Manchmal genügt schon eine kurze Unterhaltung, um sie zu überzeugen, daß Fleisch nicht Mord ist.

Das war bei Louise und vielen ihrer Freunden der Fall. Ich führte mit ihnen rationale Diskussionen, ließ sie ihre Meinung kundtun und argumentierte dann mit den Fakten. Soviel ich weiß, ist keiner von ihnen heute Vegetarier – obwohl sie großteils nicht sehr gesunde Eßgewohnheiten haben: zuviel Fast-food und zu viele Mahlzeiten im Laufen.

Ich glaube nicht, daß Vegetarier für die Fleischindustrie eine ernsthafte Gefahr darstellen. Viele Teenager versuchen den Vegetarismus für eine kurze Zeit und wenden sich dann wieder dem Fleischessen zu. Nachdem, was ich gelesen habe, sind weniger als 5% der US-Bevölkerung echte Veganer. Dennoch, mit allem dem Überschuss an Rind-, Schweine- und Truthahnfleisch um uns herum, brauchen wir jeden Fleischesser, den wir kriegen können.

Q: www.meatnews.com/index.cfm?fuseacti...cle&artNum=5175

Dt. Übersetzung: Mag. A. Willer/TRV CANIS, 27.04.03

 

 

 

 

 

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