| Veganismus/Tierrechte
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VEGANISMUS UND SEIN MIßVERGNÜGENEin
Blick auf Menschen, die nur Grünfutter essen (Matthew
Cooper)
Honig ist süß und ein Löffel voll davon kann helfen, die [bittere] Medizin des Lebens runterzuschlucken. Das gilt aber nicht für Veganer, jene radikalen Vegetarier, die alle tierischen Produkte meiden sogar wenn es sich bei dem Tier zufällig um ein Insekt handelt, das sticht. Sie finden Drücktuben, die wie Bären geformt sind, überhaupt nicht herzig. [Anm. CANIS: Offenbar ist dabei die Rede von Honig aus der Tube!] Honig steht für Versklavung, die Unterdrückung der Arbeiterbienen. Man braucht nur People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) zu fragen, jene Leute, die uns die Anti-Pelz-Kampagne bescherten. Auf ihrer Website denunzieren sie kommerzielle Imker: [es reicht] von der künstlichen Befruchtung der Bienenköniginnen (Sie bezeichnen diese Prozedur rape rack: Vergewaltigungsfolterbank) bis zum Diebstahl des Honigs, den die Bienen zum Überleben während des Winters benötigen (und den die Imker durch Zuckerwasser ersetzen, das den Bienen weniger gut schmeckt) Freilich ist nicht jeder Vegetarier ein Veganer. Wenn man den Vegetarismus als Religion mit vielen Sekten betrachtet reichend von orthodoxen Fanatikern, die nur rohe Früchte und rohes Gemüse essen bis zu liberalen Deisten, die zwar Steak auslassen, aber Fisch und Geflügel mögen dann repräsentieren Veganer die Fundamentalisten. Sie sehen die Sünde überall: in der Seidenkrawatte (Arbeiterraupen), in Jell-O (Gelatine aus Tierprodukten) oder in einer Scheibe Cheddar (Keine Milchprodukte, danke!). Obwohl Veganer ziemlich hitzig werden können wie z.B. der vegane Tierrechtsaktivist, der im Zusammenhang mit der Erschießung eines holländischen Politikers in diesem Mai verhaftet worden ist tendieren sie dazu, wenn es um Nahrungspräferenzen geht, eher sanfte Evangelisten als Taliban-ähnliche Erzwinger zu sein. Sie betrachten Milchprodukte konsumierende Vegetarier als irregeführte Seelen und sind willig, die heiligen Schriften zur Seite zu legen, wenn sie Lichter der Erkenntnis sehen können. Sogar PETA, die jahrelang mit der Fast-Food-Industrie gekämpft hat, überhäuft nun Burger Kings neuen Veggie Burger mit Lob; obwohl er (welch Horror!) mit Magerfett-Majonnaise serviert wird. Wir wollen nicht, daß sich irgendjemand wirklich schlecht fühlt, sagt Pamela Rice, jene freundliche Seele, welche die Viva Veggie Society in New York City leitet und die sich in ein Penelo [?] Erbsenschotenkostüm kleidet, während sie pro-vegan Flugzettel verteilt. Klar, manche Leute wollen das; wir nicht. Was bewegt jemanden dazu, vegan zu werden? Gesundheitsgründe sind ein großer Motivator: das gilt für drei von vier Vegetariern. Das ist es auch, was den aus Ohio stammenden Abgeordneten zum Repräsentantenhaus Dennis Kucinich (ein Demokrat wenig überraschend!), den einzigen Veganer im ganzen Kongress dazu bewegte. Nachdem er sich durch die Kost der in Cleveland berühmten pierogies [Anm. CANIS: eine amerikanische Abart von Ravioli, die mit Füllung versehen oder mit Cheddar, Ei o.ä. überzogen sind] aufgebläht gefühlt hatte, versuchte er es auf Geheiß seiner Freundin mit Veganismus. Er gab das Steak zum Frühstück auf und betont, daß er den Tag viel besser mit Miso-Suppe, braunem Reis und Hafergrütze beginnen kann. Aber mehr noch als andere Vegetarier sind Veganer durch höhere Anliegen motiviert: religiöse Glaubensinhalte, Tierliebe oder eine leidenschaftliche Geringschätzung von Gewalt. Wenn sie das Leben in den Farmen betrachten auch das nach biologischer [Ausrichtung] dann sehen sie nur Grausamkeit. Sie schlachten Tiere, sagt Bruce Friedrich, der Koordinator von PETAs Vegan-Kampagne. Sogar bei kleinen Biobauernhöfen rauben sie die Babies ihren Müttern und erlauben ihnen nicht zu säugen. Es ist nicht einfach wie ein Mönch in einer Fleisch-und-Kartoffel-Gesellschaft zu leben. Es bedarf konstanter Wachsamkeit und einer dicken Haut. Auch Kucinich, erhält sein Fett wenig überraschend ab; vor allem von der Rindfleisch-Delegation aus Texas. Obwohl ein Leben ohne Milch und Honig für den Rest von uns unmöglich asketisch erscheint, sagen Veganer, daß sie sich nicht eingeschränkt fühlen. Sie behaupten, daß jenseits von Tofu-Hot Dog und Weizengluten eine weite Welt guter Speisen liegt speziell bei den thailändischen, chinesischen oder malaysischen Delikatessen, welche ein Großteil der Welt schätzt. In ihrem angeräumten Büro in Manhattan in einem Viertel, das aufgrund seines Überflusses an indischen Restaurants Curry Hill genant wird sagt Pamela Rice, daß sie weder Eiscreme noch gegrillte Käse-Sandwiches vermisst; wohl aber räumt sie ein, daß Plastikschuhe weniger bequem als solche aus Leder sind. Es ist [gerade] der Geburtstag ihres Mannes, der auch Veganer ist, und sie plant wirklich zu feiern. Cool, meint ein Besucher: Was werdet ihr essen? Gemüse!, antwortet sie. Q:
TIME,
7.Juli 2002; www.time.com/time/covers/1101020715/vegan.html
Dt. Übersetzung : A. Willer, CANIS Anm. CANIS: TIME ist neben Newsweek das bedeutendste US-amerikanische Nachrichtenmagazin. Umso enttäuschender daher der zynische Inhalt des Artikels.
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