| Veganismus/Tierrechte
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Englische Tierrechts-Impressionen (I)
England: Mutterland der Tierrechtsidee Von vielen Tierrechtlerinnen und Tierrechtlern wird England als Ursprung ihrer Idee gesehen. Die ideologischen Wurzeln reichen bis ins späte 18. Jahrhundert zurück.
Fast zeitgleich entstand 1824 mit der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA) der älteste Tierschutzverein. 1847 erfolgte die Gründung der ersten Vegetarian Society. 1903 kam es nach dem Tod eines Terriers durch die Hände von Vivisektoren im Londoner Stadtteil Battersea sogar zu gewaltsamen Unruhen eine Empörung, ausgelöst durch den Tod eines Tieres, die anderswo undenkbar gewesen wäre. Und auch der Vater des modernen Veganismus, der ethischen Weiterentwicklung des Vegetarismus, stammt von der Britischen Insel: Donald Watson kreierte das Wort vegan 1944. Wenig wunder, dass 1976 mit der Animal Liberation Front (A.L.F.) auch die erste Tierbefreiungsbewegung auf englischem Boden entstanden ist. Viel Licht, viel Schatten Bekanntlich befindet sich dort, wo viel Licht ist auch viel Schatten. Großbritannien ist Standort einer der weltweit größten Tierversuchsindustrien mit Auswüchsen wie der Anlage von Huntingdon Life Sciences (HLS) in Cambridgeshire. Es war das Land, wo nach dem Ausbruch der Rinderseuche BSE Massenkeulungen stattfanden und die meisten Tierscheiterhaufen brannten. Neben einigen US-Staaten und Irland hält das United Kingdom immer noch an einer Hunderenntradition fest, mit der eine ganze Wettspielbranche verknüpft ist. Greyhounds werden in großem Stil nur zu einem Zweck gezüchtet: zum Laufen. Spielt ihr ausgemergelter Körper nicht mehr mit, folgt meist die letale Entsorgung. Und England ist jene Nation, in der vor allem unter der ländlichen Bevölkerung das Unwesen der Jagd als Kulturgut hochgehalten wird. Füchse mit Hundemeuten zu Tode hetzen gilt immer noch als Sport und königliches Vergnügen trotz gesetzlichen Verbots. CANIS möchte im Folgenden Impressionen in Sachen Tierrechte aus England liefern:
Die Affäre um den Brown Dog
Südlich der Themse liegt der Stadtteil Battersea. Hier ist London weit weniger konservativ und auf Tourismus fixiert. Battersea hat eine jahrzehntelange rebellische Tradition. Im Battersea Park steht, an einer kleinen Weggabelung, von Bäumen und Sträuchern umgeben, das Denkmal des Brown Dog. Er war einer von vielen Hunden, die am University College im Dienste der Medizin von Vivisektoren gequält worden waren. Im Februar 1903 starb er nach mehr als zwei Monaten Versuchstortur. Stephen Coleridge von der Anti-Tierversuchsliga beschuldigte daraufhin Dr. William Bayliss vom University College London des Gesetzesbruchs. Bayliss ging vor Gericht und behielt recht. Coleridge wurde zu einer Geldstrafe von 2.000 Pfund verurteilt (eine sechsstellige Summe an die Gegenwart wertgerechnet). Coleridge wandte sich an die Zeitung Daily News, welche einen Spendenaufruf zugunsten der Tierversuchsgegner startete und in nur vier Monaten hatte Coleridges Team 5.735 Pfund beisammen, fast das Dreifache der vom Gericht verhängten Strafzahlung. Mit einem Teil des Geldes wurde 1906 im Battersea Park stellvertretend für alle in Labors getöteten Hunde ein Denkmal für den Brown Dog, einen kleinen Terrier, errichtet. Es bestand aus einer Bronzestatue sowie einem Wasserspender, der Mensch und Hund gleichermaßen erfrischen sollte.
They had no choice Kriegerdenkmal für Tiere
Im November 2004 wurde beim Brook Gate, an der Peripherie des Londoner Hyde Parks, ein monumentales Denkmal für all jene Tiere errichtet, die im britischen Commonwealth ihr Leben im Krieg lassen mussten. An einer Steinwand sind Reliefs von Elefanten, Kamelen, Tauben und anderen Tieren zu sehen. Eine Gravur besagt: They had no choice, Sie hatten keine Wahl. Die Steinwand hat in der Mitte einen Durchgang. Auf der Vorderseite sind ein Pferd (acht Millionen Pferde kamen allein im I. Weltkrieg ums Leben) und ein Hund aus Bronzeguss zu sehen, an der Hinterseite zwei mit Kriegszeug beladene Maultiere. Sogar der Glühwürmchen, die in den Schützengräben als Beleuchtung gehalten worden waren, wird gedacht. Das Denkmal hat 1,5 Mio. Pfund gekostet, wobei ein Drittel der Kosten noch nicht bezahlt ist. Privatleute wie Vereine und Firmen trugen die Errichtung durch Spenden. Als Künstler zeichnet David Backhouse verantwortlich, einer der renommiertesten Bildhauer Großbritanniens. Der Eröffnungszeremonie wohnte ein ganz besonderer Veteran bei: Buster, 7-jähriger Springerspaniel, der im Irak als Waffenspürhund eingesetzt worden war und die Dickin Medal, eine Art Ehrenabzeichen für Tiere, erhalten hatte.
Natürlich steckt hinter der Errichtung dieses Denkmals nicht primär der Respekt vor Tieren sonst würden sie erst gar nicht in den Krieg geschickt werden , aber immerhin wird ihnen ein gewisser Eigenwert als Lebewesen zugesprochen, was in einer speziesistischen Gesellschaft wohl als kleines Aufbruchssignal in eine antispeziesistische Gegenrichtung gewertet werden darf. Text:
http://www.canis.info
, 27.03.05 Fotos Brown Dog bzw. Animal War Memorial: (c) CANIS
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