| Veganismus/Tierrechte
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Eid-ul-Azha:
Schächten aus Tierrechtsperspektive betrachtet Jedes
Jahr feiern Millionen Muslime rund um den Erdball das Fest Eid-ul-Azha,
ein Brauch, bei dem auch Millionen Tiere ihr Leben lassen müssen
geschächtet, damit das Fleisch als halal, sprich rein
verzehrt werden kann. Ursprünglich diente Eid-ul-Azha dazu, die unteren
Gesellschaftsschichten zu beschwichtigen. Es war der Tag im Jahr, an dem
auch die Armen Fleisch essen sollten. Die Häute und Felle der
geschlachteten Tiere waren Privileg der Unterschicht meist für
Kleidung. Noch heute unterhält die Regierung Saudi Arabiens spezielle
Flugarrangements, um notleidende Muslime mit den Tierhäuten zu
beschenken; so gehen etwa Flüge nach Afghanistan. Bei zwei Millionen
Pilgern, die alleine dieses Jahr ihre Hadj (Pilgerfahrt) nach Mekka
unternehmen, fallen natürlich Opfertiere in großer Menge an. Nach
der Vorschrift des Propheten Mohammed soll ein Schaf oder eine Ziege von
einem Mann getötet werden; ein Stier oder ein Kamel von sieben Männern
gemeinsam. Das Opferfleisch wird in drei gleichen Teilen zugewiesen. Ein
Drittel darf behalten werden, das zweite geht an Verwandte und das dritte
an die Armen. Soweit zur religiösen Tradition. Aus
Sicht der Tierrechte ist das rituelle Töten von Tieren natürlich ebenso
inakzeptabel wie jegliche andere Form des Tiermordes. Einhergehend ist das
Schächten, also der Kehlschnitt mit langsamem Ausblutenlassen der mit dem
Kopf nach unten aufgehängten Tiere, zu verurteilen. Dennoch muss das
Thema mit viel Fingerspitzengefühl angegangen werden, damit
TierrechtlerInnen nicht nolens volens vor den Karren fremdenfeindlicher Kräfte
gespannt werden. Aus Erfahrung geht hervor, daß viele so genannte
Tierschützer auf Anti-Schächt-Demos den Anlass für ihre eigene
Xenophobie instrumentalisieren. Rechtslastiges Gedankengut ist mit den
Zielen einer weltoffenen und antirassistischen Tierrechtsbewegung
unvereinbar. Zudem gleicht es einer Verhöhnung der getöteten Tiere, wenn
in Leder gewandete DemonstrantInnen sich über die Barbarei des Schächtens
mokieren, gleichzeitig den Verzehr von Wiener Schnitzel und Frankfurter
als harmlos und alltäglich betrachten. Hier kommt die speziesistische
Grundeinstellung dann ungeschönt zutage. Ansatzpunkte,
um zu einem Schächtverbot zu gelangen gibt es mehrere. Einer davon läuft
auf der Ebene des politischen Lobbyings, ein anderer im Dialog mit
muslimen oder jüdischen Vertretern. Denn weder in der Thora noch im Koran
wird das Schächten explizit gefordert. Demnach ist es religiöse
Auslegungssache. Der in einem laizistischen Staat probateste Weg ist natürlich
eine Verankerung des Tierschutzes im Verfassungsrang, als Staatsgrundziel,
wie das in Deutschland schon geschehen ist; in Österreich noch nicht.
Dann nämlich ist Tierschutz zumindest de jure legistisch der
Religionsfreiheit gleichgestellt; und die Höchstgerichte müssten im
Konfliktfall bemüht werden, wobei zu bedenken ist, daß auch die
Verfassung einer hierarchischen Struktur unterliegt und im Zweifel
Religionsfreiheit ( = Menschenrecht) bei den meisten RichterInnen wohl über
Tierschutz gestellt werden wird. Aber das ist ein anderes Thema, nämlich
Speziesismus an sich. Rekapitulierend
die Conclusio: Das Thema Schächten ist ein sehr sensibles, da es von
rechtsgerichteten SpeziesistInnen gerne als Mittel des Antisemitismus und
der Fremdenfeindlichkeit vorgeschoben wird. Jede Kampagne gegen das Schächten
muss daher mit strikter öffentlicher Abgrenzung zum Rechtspopulismus
erfolgen; stillschweigende Schulterschlüsse sind unerwünscht und
kontraproduktiv. Konsequenterweise kann aus Perspektive der
TierrechtlerInnen eine Anti-Schächt-Einstellung nur in eine umfassende
Veganismusgesinnung eingebettet sein. Denn das Gräuel heimischer
Schlachthöfe ist weder kulturell noch ethisch zu beschönigen. ©
Text: Mag. Alexander Willer, www.canis.info
, 06.02.04 Infos
zum Eid-ul-Azha-Fest aus: http://www.paknews.com/flash.php?id=10&date1=2004-02-02
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