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Tierseuchen |
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Guam:
Hirnkrankheit durch Fledermausfleisch? Über einen langen Zeitraum versuchten Wissenschafter auf die Spur einer geheimnisvollen Gehirnkrankheit zu kommen, die vor wenigen Jahrzehnten den Pazifikinselstaat Guam heimgesucht hatte. Nun wurde dazu im Magazin Neurology vom 25.März 2002 eine interessante Theorie veröffentlicht, nach der der Verzehr von Fledermäusen ursächlich für das Leiden sein könnte. In Guam galt das Essen von Fledermäusen lange Zeit als traditionelle, vor allem von Männern gepflegte Zeremonie. Und besonders viele Männer befanden sich unter den Infizierten. Die Krankheit Guam oder Chamorro Disease genannt erreichte nach dem Ende des II. Weltkriegs ihren Gipfel. 1956 gab es eine Rate von 308 Erkrankten unter 100.000 Einwohnern, 1985 waren es aber nur mehr 22 unter 100.000. Der Ethnobotaniker Paul Alan Cox und sein Kollege Oliver Sacks, Neurologe am New Yorker Albert Einstein College für Medizin, haben dafür eine Erklärung parat. In den 1950ern gelangten viele Waffen nach Guam. Ebenso stiegen die finanziellen Investitionen im Bereich der kommerziellen Jagd. Anfänglich fiel dadurch viel Fledermausfleisch an; die Zahl der Erkrankungen schnellte parallel dazu nach oben. Nachdem die Fledermäuse im Laufe der nächsten Jahrzehnte an den Rand der Ausrottung getrieben waren, bzw. manche Arten ganz verschwanden, sank auch die Zahl der Infektionen . In ihren Symptomen stellt die Guam Disease eine verheerende Kombination aus ALS, Parkinson und Alzheimer dar. Zuerst nahm die Wissenschaft an, verseuchtes Wasser, Nährstoffmangel oder ein bestimmtes Gen hätten die Infektion der Chamorro-Insulaner ausgelöst. Nachdem dies ausgeschlossen war, kam man auf die Zykade als Erreger, eine Pflanze, deren Samen giftig sind. Die Chamorro glaubten durch Waschen der Samen, die sie anschließend zerrieben und dem Mehl beimengten, die Giftigkeit zu entfernen. Der Toxikologe Peter Spencer von der Oregon Health and Science University, meint aber, daß Waschen zum Entgiften nicht genüge und die Konzentration der durch das Mehl aufgenommenen Giftstoffe auf Dauer gesehen sehr hoch wird. Laut P. A. Cox widerlegten aber Tierstudien, daß das Mehl als Ursache für die Chamorro Disease ausreiche. Seine Antwort lautet Biomagnifikation: vielleicht erkrankten die Insulaner durch den Verzehr von Fledermäusen, die ihrerseits das Zykadentoxin zu sich genommen und im Fettgewebe gespeichert hatten. Die biologische Wirkung des Giftes würde so verstärkt. Als wichtiges Indiz seiner Theorie nennt er folgenden Sachverhalt: Nach der fast vollständigen Ausrottung der Fledermäuse auf Guam waren die Inselbewohner darauf angewiesen, das Fleisch der Flugsäuger zu importieren und zwar aus Samoa. Von diesem Fleisch erkrankte niemand. Die Erklärung mag darin zu suchen sein, daß es auf Samoa keine Zykaden gibt und damit auch keine giftigen Samen dieser Pflanzen, die mitkonsumiert wurden. Freilich sind sich die Wissenschafter uneins. Peter Spencer verfechtet weiter die Mehltheorie als Auslöser der Guam-Krankheit, da er es für unwahrscheinlich hält, daß der seltene Verzehr von Fledermausfleisch mehr impact haben soll als die tägliche Zusichnahme von Mehl. Außerdem würden auch manche Bewohner Japans und Neuguineas von einer ähnlichen Gehirnkrankheit befallen, ohne Fledermausfleisch zu essen. Sehr wohl verwenden sie aber Zykadensubstanzen als Tee oder zur Wundbehandlung. Weitere Infos: http://www.canoe.ca/CNEWSScience0203/25_bat-ap.html
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