Veganismus/Tierrechte

 

„AKTIONSPLAN TIERSCHUTZ“ der EU-Kommission

muss mehr als „reine Lyrik“ sein!

Mit dem vorliegenden Aktionsplan der Gemeinschaft für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren kommt die Kommission ihrer gegenüber EU-Bürgern, Interessensgruppen, Europäischem Parlament und Rat eingegangenen Verpflichtung nach, ihre Tierschutzinitiativen für die kommenden Jahre klar und umfassend darzulegen. Der Aktionsplan wird auch den Grundsätzen gerecht, die im Protokoll zum EG-Vertrag (Vertrag von Amsterdam) über den Tierschutz und das Wohlergehen der Tiere festgeschrieben sind.“ Mit diesen Worten leitet die Europäische Kommission den am 23. Januar erlassenen „Aktionsplan Tierschutz“ ein, der einen Ausblick auf EU-Tierschutzvorhaben im Zeitraum 2006 bis 2010 gibt.

Ein erster wichtiger Schritt zur Hebung des Tierschutzgedankens innerhalb der angestrebten europäischen Wertegemeinschaft, obwohl jedoch von „klar und umfassend“ nicht die Rede sein kann. Und auch im erwähnten Vertrag von Amsterdam (in Kraft seit 1.5.1999) gibt es nur eine sehr allgemein gehaltene Formulierung, die da lautet, „dass der Tierschutz verbessert und das Wohlergehen der Tiere als fühlende Wesen berücksichtigt“ wird.

 

Fünf Hauptaktionsbereiche

Im „Aktionsplan“ wurden fünf Hauptbereiche festgelegt. 

1) 

Verbesserung bestehender Mindestnormen für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren

2) 

Prioritäre Förderung einer politisch orientierten Zukunftsforschung auf dem Gebiet des Schutzes und Wohlbefindens von Tieren und der Anwendung des 3R-Prinzips.“ Das 3R-Prinzip bezieht sich auf Tierversuche. Es steht nicht für die gänzliche Abschaffung dieser unethischen Experimente, sondern nur für deren Reduktion, Verfeinerung und eventuelle Ersetzung (reduction, refinement, replacement).

3) 

Einführung einheitlicher Tierschutzindikatoren“: Unter diesem Gesichtspunkt werden die Möglichkeiten für eine EU-weit geltende Etikettierungsregelung erforscht.

4) 

Sicherstellung, dass Tierhalter/Tierbetreuer sowie die allgemeine Öffentlichkeit stärker miteinbezogen und besser über die geltenden Tierschutznormen informiert werden und sich ihrer Rolle bei der Förderung des Schutzes und des Wohlbefindens von Tieren voll bewusst sind

5) 

Weitere Unterstützung internationaler Initiativen zur Sensibilisierung für die Konsensfindung über den Tierschutz und Lancierung neuer Initiativen.“ Im Klartext heißt das, die EU soll zu so genannten „Entwicklungsländern“ Kontakte aufnehmen, um Handelssysteme zu erforschen, die an „tierschutzfreundliche Produktionssysteme gebunden sind“. Innerhalb der EU sollen grenzüberschreitende Tierschutzprobleme „identifiziert“ sowie „effektiv und konsequent“ gelöst werden.

 

Ausgewählter Überblick bis 2010

2006

Zusammenarbeit zwischen EU-Kommission und Industrie zur Förderung von Alternativen zum Tierversuch; Vorlage eines Berichts an den EU-Rat und das Europäische Parlament über die Entwicklung, Validierung und rechtliche Anerkennung alternativen Methoden zu Tierversuchen im Bereich Kosmetika; Stellungnahme, ob der Handel mit Hunde- und Katzenfellen samt deren Folgeprodukten eingeschränkt wird

2007

Vorschlag zur Einführung eines Satelliten-Navigationsystems zur besseren Überwachung von Tiertransporten; Vorschlag zur Überarbeitung der Gemeinschaftsvorschriften zum Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Schlachtung

2008

Vorlage eines Berichts über den Schutz von Kälbern in landwirtschaftlichen Tierhaltungen

2009

Vorlage eines Berichts über den Schutz von Schweinen in landwirtschaftlichen Tierhaltungen

2010

„Schaffung eines Rechtsinstruments zur Validierung von Haltungssystemen, die höhere als geltende Tierschutzmaßstäbe ansetzen.“

 

Zu wenig, zu unkonkret!

Zu recht kritisiert SPÖ-Europaabgeordneter Jörg Leichtfried: „Der begrüßenswerte Vorstoß der Kommission, einen Aktionsplan zu erstellen, wird durch nichtssagende und oberflächliche Formulierungen zunichte gemacht" Und weiter: „Wo konkrete Ziele und Vorgaben fehlen, kann auch keine konkrete Politik umgesetzt werden. Vage Formulierungen helfen dem Tierschutz nicht weiter.“ 

Noch pointierter drückt es die Grüne deutsche Europaparlamentarierin Hiltrud Breyer aus: „Damit der Tierschutz in Europa wirklich vorankommt braucht es mehr als reine Lyrik.

 

Text: www.canis.info , 22.03.06

 

 

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