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Wenn
ein Traum zum Albtraum wird
Günther
und Karin Bloch
Wölfe
in freier Wildbahn beobachten zu können ist immer unser großer
Traum gewesen. In den letzten elf Jahren haben wir im kanadischen
Banff National Park mehrere Wolfsfamilien intensiv observiert und
dabei viele neue Erkenntnisse gewonnen. In den letzten drei Jahren
waren wir sogar in der Lage, nahe bei den Wölfen zu sein, ihr
Vertrauen zu gewinnen und so das Verhaltensrepertoire jedes
Wolfsindividuums genau beschreiben zu können. Wir haben
Verhaltensethogramme und Soziogramme angelegt und so das
Familienleben von Wölfen in freier Wildbahn sehr präzise
dokumentiert. Die Forschungsergebnisse haben wir in zahlreichen
Artikeln und in unserem Buch "Timberwolf Yukon & Co veröffentlicht.
Nun kann der Erhalt der Spezies Wolf im Banff Nationalpark nicht
mehr garantiert werden.
Verhaltensforscher
werden während ihrer Arbeit immer wieder mit dem Tod des einen oder
anderen "Studienobjektes" konfrontiert. Davon blieben auch
wir nicht verschont. So haben wir im Verlaufe der letzten Dekade
viele Wölfe sterben sehen, sei es, weil sie auf natürliche Art und
Weise leise und still dahin schieden, wie z.B. die Leitwölfinnen
Betty (11 Jahre) und Aster (10 1/2 Jahre), Leitrüde Stoney (9 1/2
Jahre), sei es, weil sie in der hiesigen Infrastruktur des Banff
Nationalparks auf der Autobahn beziehungsweise auf der
Eisenbahnschiene umkamen, wie z.B. Betarüde Timber (10 Jahre),
Betarüde Aspen (4 Jahre), Jungwölfin Christine (1 Jahr) und viele
andere. Auch wenn der Verlust eines jeden Wolfsindividuums stets
schwer zu verkraften ist, man auch als Feldforscher emotional
betroffen ist, weil man ein bestimmtes Tier gut kennt, muss man
trotzdem die natürlichen Regeln von Selektion und biologischen Abläufen
akzeptieren.
Das haben wir auch immer getan.
NICHT
AKZEPTIEREN KANN MAN allerdings nach unserer Meinung, wenn Tiere,
und hier besonders Wölfe auf bestialische Weise durch Menschen
ermordet werden, die sich einen Dreck um biologische Zusammenhänge
scheren, nur ihrem egoistischen Kalkül folgen, Wölfe als wandelnde
"Pelzware" ansehen und auf ethisch nicht vertretbare Weise
umbringen. Kurz vor Weihnachten wurden der Leitrüde des Bowtal -
Rudels "STORM" und der Betarüde "Yukon", sowie
die Leitwölfin des Kootenay - Rudels "Kali" durch
Schlingen getötet. Bei dieser unmenschlichen Methode wird in
unmittelbarer Nähe zu einer Nationalparkgrenze zunächst Fleisch
ausgelegt, das Wölfe anlockt und dann zwischen Büschen etliche
Schlingen aufgestellt, die völlig neutral riechen und außerdem Wölfe,
die in Nationalparks leben, nicht kennen. Ein Wolf
läuft dann in die Richtung einer wohlriechenden Nahrungsquelle,
Kopf voran in eine Schlinge, die sich immer weiter zu zieht und das
Tier letztlich erwürgt. Je mehr sich ein Wolf gegen die Schlinge um
seinen Hals wehrt, desto fester zieht sie sich zu und der Wolf
stirbt langsam aber sicher auf grausame Art und Weise. Jeder der uns
kennt, kann nachvollziehen, in welcher Verfassung wir uns im
Augenblick befinden. Auch wenn die beschriebene Tötungsmethode
ganze Wolfsfamilien ausrotten kann, ist sie in den kanadischen
Provinzen Britisch Kolumbien und Alberta absolut legal und soll
sogar noch ausgeweitet werden, damit Jäger mehr Hirsche schießen können.
Der Nationalparkverwaltung von Banff ist dieser Umstand seit Jahren
bekannt, konkrete Maßnahmen fehlen bis zum heutigen Tag. Schlimmer
noch, nach dem Tod von "STORM" und "YUKON" sind
die Fallensteller immer noch aktiv, legen weiter Schlingen aus und
hoffen auf die Ausrottung des Wolfes in den Rocky Mountains.
Was
die Bowtal - Wolfsfamilie angelangt, bleibt derzeit eine erst 2 1/2
Jahre alte, relativ unerfahrene Wolfsmutter namens "Hope"
und ihr erst 8 1/2 Monate alter Sohn "Nanuk" im Bowtal zurück.
Beide Wölfe kämpfen uns Überleben, können kaum Nahrung finden,
verhungern vielleicht schon sehr bald, wenn nicht etwas
entscheidendes passiert. Storm und Yukon mussten u.a. deshalb ihr
Leben lassen, weil sie in ihrem heimischen Territorium durch
Missmanagement in ungefähr 50% der Fälle durch Präsenz des
Menschen, besonders aber durch massiven Autoverkehr in ihrem
Jagdverhalten unterbrochen wurden.
AUFRUF
ZUM MASSIVEN PROTEST!!
Die
ständigen Störungen durch den Menschen veranlassten die Wölfe,
auf der Suche nach Nahrung große Wanderungen zu unternehmen und die
Grenzen des Banff Nationalparks zu überschreiten. Das gleiche
Schicksal kann nun auch "Hope" und "Nanuk"
ereilen. Nur eine sofortige Protestwelle kann unsere Wölfe noch
retten. Nicht nur Wolfsfreunde, sondern jeder, der sich dem
Naturschutz verpflichtet fühlt müsste sich betroffen fühlen und
bereit sein zu protestieren.
Wir
wenden uns deshalb an alle Menschen, die wir kennen, an alle
Menschen, die uns unterstützen wollen und an alle Menschen, die in
der Vergangenheit von unseren Forschungsergebnissen profitiert
haben. Jede Stimme zählt. Bitte bleiben Sie nicht passiv, sondern
werden AKTIV! Drohen Sie mit einem Fellkaufboykott, einem
Urlaubsboykott, einem Kaufboykott kanadischer Waren und machen Sie
klar, dass der Tod der "IKONEN" Storm und Yukon ernsthafte
Konsequenzen für die Touristik - Industrie des Banff Nationalparks
haben wird, weil durch deren Tod "traditionelles und
kulturelles" Verhalten unwiederbringlich zerstört wurde und
die Zukunft des Wolfes besonders im Banff Nationalpark miserabel
aussieht.
Fordern
Sie:
*
Eine kurzfristige Ernährung von Hope und Nanuk durch regelmäßiges
Auslegen von Beutetierkadavern im Bowtal.
*
Die Einrichtung einer geschützten "Pufferzone" um die
Nationalparks der Rocky Mountains.
*
Die Schließung der Parkstraße (1A) für Publikumsverkehr zwischen
Abenddämmerung und Sonnenaufgang, damit die Wölfe wieder - vom
Menschen ungestört - jagen können.
Bitte
übernehmen Sie jetzt erst recht eine Wolfspatenschaft für
"Hope" oder Nanuk", damit wir vor Ort weiter präsent
sein können, als Augenzeuge die weitere Entwicklung dokumentieren können
und etwas verändern können, das den Fortbestand der Spezies Wolf
im Bowtal des Banff Nationalparks sichert. Wir hoffen, auf Ihre
Hilfe zählen zu können. Wir hoffen außerdem, dass Sie als
Multiplikator fungieren, andere ihnen bekannte Organisationen oder
Menschen informieren und somit eine große Protestwelle entsteht. Es
ändert sich hier nur etwas, wenn die Tourismusbranche finanzielle
Einbußen befürchten beziehungsweise sogar konkret hinnehmen muss.
"Geld regiert die Welt". Wir hoffen, dass Storm, Yukon und
Kali nicht umsonst sterben
mussten!!! Werden Sie aktiv, zeigen Sie Engagement!!
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung.
Günther
und Karin Bloch
(Bow Valley Wolf Behavior Study)
YUKON
STORM
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