YELLOWSTONE: DAS COMEBACK DER WÖLFE

Am Rande zur Ausrottung

 

Eröffnet wurde der Yellowstone National Park 1872; er ist damit der älteste Nationalpark der Welt. Damals galt der Wolf als Schädling. Die US-Regierung hatte ihm einen Vernichtungskampf angesagt, bei dem über eine Million Wölfe ihr Leben ließen. Auch innerhalb des Nationalparks wurde er von Rangern gnadenlos gejagt. 1926 starb das letzte Exemplar im Park, 1943 im Großraum Yellowstone. Dreißig Jahre danach nahm langsam eine Zeit des

Umdenkens ihren Anfang. Die Spezies Wolf – außerhalb von Alaska – in allen US-Staaten bis auf geringe Bestände entlang einiger Grenzgebiete zu Kanada ausgerottet, wird 1973 durch den Endangered Species Act (ESA)* unter Schutz gestellt. Canis lupus – in Nordamerika trotz unterschiedlicher Färbung allgemein als Gray Wolf bezeichnet – hatte ab nun den Status einer „gefährdeten Art“ inne.

Wiederansiedelung

Seit Anfang der 90er-Jahre gab es Überlegungen über eine Wiederansiedelung des Wolfes in den nördlichen Präriestaaten der USA, der Wolf Recovery Plan entstand. Schließlich wurden Territorien ausgesucht, die im Vorfeld zwingend folgende beiden Kriterien erfüllen mußten:

 1) ausreichendes Beutevorkommen von Wild, damit die Wölfe nicht auf Farmtiere ausweichen sowie

 2) Gegenden, wo ein geringes Konfliktpotential zum Menschen wahrscheinlich ist, sprich entlegene, wirtschaftlich nicht einträgliche Zonen. Als Wolfsland wurden schließlich Nordwest-Montana, Zentral-Idaho und das Großgebiet Yellowstone ausgewählt. Auch der Nationalpark selbst sollte Canis lupus als neue Heimat dienen.

Nach wütendem Protest der Farmer- und Jägerschaft sowie nach über 130 gerichtlichen Hearings war es 1995 soweit. 29 wildlebende Wölfe aus Kanada (rund um Hinton, nordöstliches Alberta) kamen per Transport in die USA, wovon 15 Tiere unmittelbar nach Ankunft in Idaho freigesetzt wurden. Die anderen 14 Grauwölfe blieben über einen Zeitraum vorerst in großen Freigehegen (acclimatation pens) des Nationalparks. Nach über fünfzig Jahren betrat mit dem Wolf namens „Male Number Ten“, der später einem schießwütigen Jäger zum Opfer fiel, der erste Lupus die alte Heimat. 1996 flogen die Amerikaner aus der kanadischen Provinz British Columbia 17 weitere Timberwölfe ein, womit im Yellowstone Nationalpark innerhalb von zwei Jahren 31 Exemplare wiedereingebürgert worden waren.

Status des Wolfs

Im Park selbst genießen die Wölfe absoluten Schutz. Außerhalb gelten folgende Regelungen. 1) Auf Privatland dürfen sie verfolgt oder getötet werden, wenn sie Vieh attackieren oder reißen; 2) Auf öffentlichem Land muß ein Abschuß durch das U.S. Fishery & Wildlife Service (USFWS) genehmigt werden; meist werden die Wölfe aber gefangen und umgesiedelt, ehe sie eine Gefahr für Vieh darstellen können. Auf beiden Landarten ist der Wolf abschußfrei, wenn durch ihn Menschen bedroht oder getötet werden. Die Tierschutzvereinigung Defenders of Wildlife entwickelte zudem ein probates Modell, bei dem Grundbesitzern ein Betrag von 5000,- US $ bezahlt wird, sofern sie auf ihrem Boden Wolfsnachwuchs zulassen. Weiters wurde ein Pool von 100.000,- US $ errichtet, um Rancher für eventuellen Viehriß entschädigen zu können – als Gegenleistung dafür dürfen die Wölfe mit dem Leben davonkommen.

Gegenwärtiger Stand

Die Wiederansiedelung kostete einmalig an die sechs Millionen US-Dollars, die jährlichen Tourismus-Zusatzeinnahmen, die der Park durch die Anwesenheit der Wölfe erhält, betragen etwa sieben Millionen Dollars. In Summe brachte Canis lupus somit auch finanzielle Gewinne. Dennoch ist sein Überleben mit Amtsantritt der konservativen, umweltfeindlichen Bush-Administration rund um Yellowstone gefährdet. Im Park selbst macht die Population stolze 160 Wölfe in 16 Rudeln aus. Gesamt ließ der Wolf Recovery Plan die Zahl der Wölfe in Montana, Idaho und Wyoming auf etwa 350 steigen. Eine viel zu große Zahl, geht es nach den Vorstellungen der einflußreichen Landwirtschaftsvereinigung American Farm Bureau Federation (AFBF). Demnach sollten die Rancher ab sofort wieder die Erlaubnis haben, Wölfe selbst zu erlegen, ohne einen Jäger des USFWS anfordern zu müssen. Die Beseitigung der „Problemwölfe“ durch die Regierung greife nach Ansicht der Cowboys zu wenig. Es steht zu befürchten, daß die zuständige Innenministerin Gale Norton dem Einwand der AFBF zumindest teilweise Gehör schenken wird. Das heißt in Zukunft muß der internationale Druck noch intensiviert werden, um einer neuen Lynchjustiz gegen den Wolf vorzubeugen.

 

* Der ESA gilt in 48 US-Staaten, in zwei Staaten nicht. Das sind Hawaii, wo es nie Wölfe gab, bzw. in Alaska, wo Canis lupus aufgrund der noch hohen Population nicht als „gefährdet“ klassifiziert ist.

 

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