|
|
|||||||
Schweiz: Streit um den Wolf
finanziell abgegolten wird. Militanten Wolfsgegnern ist das bei weitem zu wenig. Sie lehnen eine Akzeptanz des Isegrims kategorisch ab und fordern den Abschuß der Tiere, sofern sie nicht ohnehin selbst zur Flinte greifen. Im Christlichdemokraten Theo Maissen, Ständerat aus Graubünden, fand diese schußbereite Lobby einen willigen Fürsprecher. Anfang Dezember 2001 unterbreiteten Maissen und 14 Mitunterzeichner dem Bundesrat in Bern eine Motion, die fordert, das Konzept Schweiz Wolf nicht umzusetzen. Außerdem, so der Antrag, seien die Gesetze derart zu ändern, daß der Wolf von der Liste der geschützten Arten gestrichen werden kann (Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel, JSG, 1986). Auch internationale Vertragsverpflichtungen, nach denen die Schweiz den Canis lupus als schützenswertes Tier anerkennt, sollen aufgelöst werden. So z.B. die Berner Konvention von 1972, die seit dem 1.Juli 1982 in der Schweiz in Kraft ist. Theo Maissen zweifelt an, daß die schweizerischen Schutzvorschriften zur Arterhaltung des Canis lupus nötig wären. Seiner krausen Logik zufolge reiche es, daß in Rumänien rund 2.500, in Rußland etwa 30.000 und in der Mongolei 25.000 Wölfe leben. Der artenschützerische Beitrag der Schweiz wäre demnach vernachlässigbar. Den rationalen Hintergrund für seine Erkenntnis blieb er freilich schuldig. Maissen, der Bock als Gärtner, sieht auch einen Widerspruch zum Tierschutzgesetz, da er auf die Qualen von Haustieren hinweist, die von Wölfen gerissen werden könnten. Ebenso wären Kinder und Wanderer in Gefahr. Grimms Märchen dürfte der Herr Ständerat tief verinnerlicht haben, von biologischen Kreisläufen und der Natur als dynamischem System versteht er hingegen reichlich wenig. Seine Unterstützer hat Maissen vor allem im ländlichen, alpinen Raum. Schon vereinzelte Unfälle mit Wölfen, wird befürchtet, zögen katastrophale Auswirkungen auf den Tourismus und die lokale Wirtschaft mit sich. Maissen und Anhänger sehen im Projekt Wolf Schweiz lediglich ein Experimentierfeld für wenige Spezialisten und Beamte. Für den Ständerat steht fest, daß die schweizerischen Alpen zu dicht besiedelt wären, um Raum für Wölfe zu bieten. Naturschutzorganisationen betrachten dies allerdings konträr. Für sie gilt es vor allem der unbewachten Schafalpung den Kampf anzusagen, da dadurch die Grasnarbe beschädigt wird, was zu Bodenerosionen führen kann. Sie fordern eine Streichung der Subventionen für Schafhalter, die sich nicht an Hütekonzepten beteiligen. Außerdem wäre es ihrer Ansicht nach gar nicht zu verhindern, daß Wölfe immer wieder von Italien überwechseln. Die Sichtungen im Wallis und Tessin gestützt durch Untersuchungen der Universität Lausanne - belegen dies. Die Fronten scheinen klar und festgefahren.
Vor mehr als 100 Jahren wurde der Canis lupus in der Eidgenossenschaft ausgerottet, nun kehrt er langsam, aber sicher zurück. Vielerorts funktionieren vorbeugende Begleitmaßnahmen noch nicht. Da über die Jahre viel Sachkenntnis in Vergessenheit geraten ist, gab es u.a. auch Probleme bei der Gewöhnung junger Schutzhunde an Schafe. In Zukunft wird vor allem eines vonnöten sein: Geduld und Augenmaß. Kurzsichtiger Populismus á la Maissen leistet sowohl Mensch wie Tier einen Bärendienst. So gesehen, ist die Ablehnung der Maissenschen Motion durch den Bundesrat als Schritt in die richtige Richtung zu werten.
|
|||||||
| Zurück | |||||||