Idaho: Wolfspopulation im Steigen begriffen

Idaho ist einer jener nordwestlichen Präriestaaten der USA, die lange Zeit Wolfsterritorium waren. Das änderte sich rasch als weiße Siedler und Soldaten im 19. Jahrhundert nicht nur die indigene Bevölkerung dezimierten und an den Rand der Ausrottung trieben, sondern das Gleiche auch mit Canis lupus machten. Erst in den 1990ern, im Zuge der Wiederansiedelung des Wolfes im Yellowstone National Park, der zu einem Teil auch in Idaho liegt, begann sich das Bewusstsein langsam in Richtung mehr Verständnis für Wölfe zu verschieben; allerdings sehr schleppend und unter großem Widerstand der Rancher und Jäger, die um die Bestände von Rind, Schaf und Hirsch fürchten; Tierarten, die sie zum Verzehr schlachten oder aus Lust abschießen. Die Fronten zwischen Fürsprechern und Gegnern des Wolfes sind festgefahren. Ökologische Argumentation scheitert meist an hartnäckig gehegten Ängsten und Vorurteilen.

 

Besonderer Wolfsschutz in der SNRA

In der 756.000 Acker großen Sawtooth National Recreation Area (SNRA) genießt Canis lupus einen besonderen Schutz. Nicht nur, daß seine Art durch den USA-weiten Endangered Species Act als „threatened“ eingestuft und daher vom Abschuss gefeit ist, verlängerte im April 2003 der Distriktsrichter B. Lynn Winmill eine Verordnung aus dem Vorjahr, nach der Wölfe in der SNRA auch dann nicht erschossen werden dürfen, wenn sie „Vieh“ bedrohen; eine Regelung, die von Wolfsschützern euphorisch begrüßt, von Jägern und Ranchern massiv bekämpft wird. Einen Teilerfolg konnten letztere leider verbuchen. Für etwa 4.500 Schafe und 2.500 Rinder wurde als Kompromiss die Auflage erteilt, daß sie in der Nähe bekannter Wolfshöhlen grasen dürfen. Eine Genehmigung, bei der Probleme schier programmiert scheinen.

 

Neue Rudel in den White Cloud Mountains

Trotz aller Schutzmaßnahmen gab es im Gebiet der White Cloud Mountains, die zur SNRA zählen, seit einem Jahr keine Wolfsrudel mehr. Das Wildhorse Pack hatte sich aufgelöst, und das Whitehawk Pack war von Bundesbeamten wegen angeblicher Angriffe auf „Vieh“ getötet worden, noch ehe der richterliche Schutzerlass ausgestellt worden war. Jetzt wurde dieses Vakuum durch zwei neue Rudel aufgefüllt.  In den westlichen Ausläufern der White Clouds, nahe des Champion Creek, streift das Galena Pack mit zwei adulten Tieren und fünf im Frühjahr geborenen Welpen. Nordöstlich davon liegt das Gebiet des Castle Peak Pack, das vier Welpen und zwei erwachsene Wölfe zählt, wobei der Rüde ehemaliger Alpha des Wildhorse Packs ist. Carter Niemeyer, Koordinator des Wolf Recovery Project des U.S. Fish and Wildlife Service (USFWS), sagt, daß mit den beiden neuen Rudeln die Zahl der wolf packs mit Nachwuchs in ganz Idaho auf 20 gestiegen sei. Zusätzlich sollen weitere 20 Rudel ohne „breeding pairs“ umherstreifen. Niemeyer zufolge habe das USFWS auch „ausreichend Beweise“, daß im Gebiet der Bench Lakes ein weiteres Pack lebt. Das Gebiet der White Clouds ist wegen seiner Weite und dem reichlichen Angebot an Beutetieren ideales Wolfshabitat. Knapp außerhalb des SNRA, südlich von Clayton, residierte das Buffalo Ridge Pack. Wegen der nicht abreißenden Diskussionen um den Abschuss der Tiere, wurden sie eingefangen und weiter entfernt in den Squaw Creek Mountains „relocated“.

Bisher hatte die Wolfswiederansiedelung im Gebiet der SNRA Erfolg. Elektrozäune erwiesen sich als probate Mittel gegen „Viehriss“. Zusätzlich wird die Politik verfolgt, keine kalbführenden Rinder in der Nähe von Wolfsstreifgebieten grasen zu lassen. Laut Angaben von Carter Niemeyer sollten mindestens 15 Rudel in ganz Idaho Standardbestand sein, um die Gesamtpopulation der Wölfe zu gewährleisten.

© Tierrechtsverein CANIS, www.canis.info , 26.08.03; Zitate übernommen aus: „Idaho Mountain Express“, 13.08.03

Anm. CANIS: Speziesistische Begriffe wie „Vieh“ sind bewusst unter Anführungszeichen gesetzt.

 

 

 

 

Home

Zurück