CANIS-Anfrage über den Verbleib der Wölfe von Tripsdrill

 

Anfrage vom 22.12.2005

 

Sehr geehrte Frau Dirrler,

anbei würde ich gerne auf einzelne Passagen in Ihrer Stellungnahme vertiefend eingehen.

Es lag uns fern, Ihnen ein reges Geschäft mit Abgabetieren zu unterstellen, dennoch möchte ich darauf hinweisen, daß es nicht relevant ist, ob Tierabgaben häufig oder selten vorgenommen werden. Letztendlich sehen wir in Herrn Jobst als Tierhändler den gemeinsamen Nenner, der uns dazu veranlasste Ihnen den Link zu senden. Somit ergibt sich zwingend eine identische Sachlage mit Zoos oder anderen Wildparks.

Es stellt leider keine Rechtfertigung dar, zu erwähnen, daß man über keinerlei Erfahrung in puncto Auslandsvergabe verfügte. Gerade in diesem Fall wäre eine gründliche Recherche zwingend gewesen und so stellen wir uns die Frage, warum es einfacher war auf Herrn Jobst zurückzugreifen, als sich bei diversen Wolfsschutz-Vereinen zu erkundigen ?

Wohin genau brachte Herr Jobst die Wölfe ?

Gibt es Möglichkeiten sich auf bestimmte Passagen in dem Abgabevertrag zu stützen, die eine Weiterverfolgung des Abschusses gewährleisten ?

Wie verfahren Sie in diesem Fall ?

Wir befinden und hier in einer ethisch-moralischen Schieflage, da

a) die Bestückung mit Wolfswelpen steigende Besucherzahlen garantieren

b) diese Jungwölfe selbstverständlich ausrangiert werden müssen

c) wie im Fall der Spanien-Wölfe mit dem Tode enden.

Der ahnungslose Besucher erfreut sich niedlicher Jungtiere, die letztendlich entsorgt werden, um der nächsten Generation in Gefangenschaft Platz zu machen.

Diese Kette des Mißstandes gilt es zu durchbrechen, da es definitiv nicht genügend Verbringungsmöglichkeiten gibt, die auch nur ansatzweise als artnah zu bezeichnen wären.

Statt ein Wolfsgehege in Ihr Freizeitprogramm aufzunehmen, wäre es viel innovativer und selbstverständlich auch im Sinne des Tierschutzes, Förderprogramme zu entwickeln, die ein Überleben der streng geschützten Wölfe in freier Wildbahn ermöglichen.

Errichten Sie einen Ort der Aufklärung dort, wo jetzt Ihr Wolfsgehege steht und setzen sie als erster Freizeitpark ein Zeichen.

Helfen Sie helfen - und beenden Sie das Leid der Gehegetiere.

Anbei sei uns die Frage erlaubt, woher Sie Ihren Grundbesatz an Wölfen bezogen haben und wie oft sie bereits Jungwölfe abgegeben haben. Wohin gingen bisher die überschüssigen Tiere ?

 

Herzliche Grüße,

Marion Schönborn

 

Antwort vom 23.12.2005
 

 

Sehr geehrte Frau Schönborn,

von den Unterstellungen, die Sie uns in Ihrer Mail zuschreiben, wollen wir uns hier ganz klar distanzieren. Wir betreiben immer eine offene Informationspolitik und haben Sie jederzeit mit Informationen zu Ihren Fragen unterstützt. Wir haben Ihnen sachlich die Vorgehensweise bei der Abgabe unserer Wölfe geschildert.

Selbstverständlich beantworten wir Ihre Fragen nochmals und nehmen erneut Stellung zu Ihren Vorwürfen. Wir haben den Link über Herrn Jobst, den Sie uns zusandten, selbstverständlich studiert. Wir berichteten Ihnen über unsere mangelnde Erfahrung bei der Abgabe von Tieren, um zu beleuchten, warum wir uns von Herrn Jobst täuschen ließen. Wir haben diesem Mann und seiner Aussage einfach vertraut. Natürlich ist das - im Nachhinein betrachtet - naiv gewesen, dass wir ihm die Wölfe übergeben haben. Aber wir haben aus unseren Erfahrungen gelernt. Die diesjährigen Wölfe wurden von uns direkt vermittelt, in den Wild- und Freizeitpark Klotten in der Eifel. Hier hat sich, wie bereits in unserer letzten Antwort geschildert, die Geschäftsführung vorab von den Gehege- und Haltungsbedingungen ein Bild gemacht.

Wohin der Tierhändler unsere Wölfe brachte, wissen wir nach wie vor nicht. Deswegen können wir Ihnen hierzu auch keine Informationen zur Verfügung stellen. Wir prüfen derzeit sämtliche rechtliche Schritte, um gegen Herrn Jobst vorzugehen.

 

Die ersten Wölfe zogen 1992 ins Wildparadies Tripsdrill ein. 2002 kamen fünf junge Wölfe aus Chemnitz bzw. aus dem bayerischen Lohberg hinzu. Wie wir bereits in unserer Stellungnahme mitteilten, gab es im Jahr 2004 erstmals Nachwuchs bei den Wölfen in Tripsdrill. Diese Tiere wurden an Herrn Jobst abgegeben. Die Jungtiere aus diesem Jahr leben nun im Wild- und Freizeitpark Klotten in der Eifel.

Dass Sie uns unterstellen, wir würden mit den Wolfswelpen steigende Besucherzahlen erreichen, finden wir wirklich unpassend. Denn selbstverständlich machen wir uns Gedanken, was mit dem Nachwuchs passiert. Dabei spielt auch der Gedanke der Geburtenkontrolle eine Rolle. Sie wissen sicherlich genauso wie wir, dass der Wolf ein artgeschütztes Tier ist. Für eine Kastration oder Sterilisation bedarf es hier gewisser Auflagen. Wir befassen uns schon seit längerem mit diesem Thema und stehen in Kontakt mit den zuständigen Behörden. An dieser Stelle möchten wir auch nochmals betonen, dass nach wie vor offen ist, ob es sich bei den Wölfen in Spanien um die Tiere aus dem Wildparadies handelt.

Das Wildparadies Tripsdrill besteht nunmehr seit 1972. Damals traten die Behörden und Gemeinden an die Betreiberfamilie heran, mit der Bitte, einen Wildpark zu gestalten und zu betreiben. Seitdem entwickelt Familie Fischer das Konzept von Tiererlebnis und Waldpädagogik weiter. Wald-Erlebnispfad, Barfuß-Pfad, Freigehege mit direktem Kontakt zu den Tieren, eine Wildfütterung mit aktiver Aufklärungsarbeit und ein Abenteuerspielplatz finden bei den Besuchern regen Zuspruch. In der Tierpolitik wird seit jeher auf die großzügige Anlage der Gehege und die artgerechte Haltung geachtet. Die Tierpflege liegt uns besonders am Herzen - die Aufnahme der drei älteren Bären aus dem Zirkus ist nur ein Beispiel dafür.

Desweiten haben wir bereits Kontakt zur Tierschutzorganisation Peta aufgenommen und werden diesen Dialog im Januar fortsetzten. Peta hat daraufhin folgende Pressemitteilung versendet:

Gerlingen -- Wie die internationale Tierrechtsorganisation PETA-Deutschland e.V. (People for the Ethical Treatment of Animals) mitteilt, hat sich die Geschäftsleitung des Tripsdriller Erlebnisparkes mit PETA-Deutschland e.V. in Verbindung gesetzt, um evtl. eine gemeinsame Vorgehensweise in dieser misslichen Arten- und Tierrechtsproblematik zu finden. Für den Januar 2006 ist eine Gesprächsrunde in Tripsdrill vereinbart. Es soll auch darum gehen, eine stringentere Geburtenkontrolle bei den streng geschützten Tierarten durchzuführen.

PETA-Deutschland e.V., der Wildtierparks zwecks Zurschaustellung von Tieren grundsätzlich ablehnt, ihnen eine Daseinsberechtigung höchstens als Aufnahme- bzw. Auffangstationen von gequälten Tieren z.B. aus Zirkussen zugesteht, gibt sich dennoch gesprächsbereit, um weitergehende Verbesserungen in tierschutzrechtlicher Hinsicht in dieser Naherholungs-Institution zu erreichen. PETA-Deutschland e.V. erkennt durchaus die Bemühungen der Geschäftsführung an, auch Zirkustiere aus ihren qualvollen Verhältnissen aufzunehmen (z.B. Bären) und die Wild-Gehege weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus auszulegen.

Wir wünschen Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2006.

 

Herzliche Grüße
 
Britta Dirrler

(Public Relations)

Erlebnispark Tripsdrill

74389 Cleebronn

Tel. 07135 / 999 105

Fax: 07135 / 999 666

 

 

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