WIKINGER GEGEN WÖLFE

 

In der alten nordischen Sagenwelt ist dem Wolf stets Ehrfurcht entgegengebracht worden. Göttervater Wotan war begleitet von den Wölfen Geri und Freki. Anderen Isegrims wie Fimbul oder Fenris sprach man sogar mehr Macht als den Göttern selbst zu. Das Skandinavien der Neuzeit brachte dem Wolf selten Ehrfurcht entgegen. Während in Schweden seine Akzeptanz 

zunehmend steigt, setzte ihn die norwegische Regierung jetzt in Østerdalen, Provinz Hedmark, wieder auf die Abschußliste. Neun Wölfe der ohnehin dünnen Population sollen erlegt werden.

Die Vorgeschichte

Norwegens gegenwärtige Wolfspopulation stammt höchstwahrscheinlich aus Schweden. Dort war die Spezies Canis lupus zwar schon am 6.12.1965 unter Schutz gestellt worden, was Jäger, Bauern und Rentierzüchter freilich nicht gehindert hatte, den Wolf bis auf ein einziges Exemplar (!) im Winter 1979/80 zu dezimieren. 1982 tauchte in der Provinz Värmland ein neues Wolfspärchen auf – wahrscheinlich über Finnland aus Rußland kommend. Biologen nehmen an, daß die gesamte heutige schwedische und norwegische Wolfspopulation von diesen beiden abstammt. Als am 1.März 1990 der Schutzstatus für den „Varg“ in Schweden erhöht wurde, konnte sich eine einigermaßen stabile Wolfsdichte von wenigen Rudeln ausbreiten. Um Inzuchtschäden zu vermeiden bedürfen diese Wölfe aber ständig Zuwanderer aus Rußland. Jeder Abschuß mindert daher den Genpool.

Schafzüchter fordern Abschuß

Am 5.2.2001 gaben die norwegischen Behörden grünes Licht für den Abschuß von Wölfen im Südosten des Landes, an der Grenze zu Schweden. Vorerst sollten in Østerdalen, Provinz Hedmark, etwa zwanzig Exemplare erlegt werden. Vor allem durch den massiven Druck seitens der Schweden, allen voran Umweltminister Kjell Larsson, darf nun nur ein Rudel von neuen Tieren zwischen Korn und Kimme genommen werden. Immer noch schlimm genug. Grund für die Jagd: Schafzüchter forderten vom Staat immer mehr Kompensationszahlungen für gerissene Schafe. Die Schäfer dieser Region halten ihre Herden nämlich nach der Schneeschmelze unbewacht in freier Wildbahn. Trotzdem kehren von den 2,4 Millionen Schafen 94 % unversehrt im Herbst zurück in ihre Ställe. Von den Tieren, die verloren gehen, stürzen die meisten ab, ertrinken in Sümpfen oder Seen oder vergiften sich an Liliengewächsen. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ (7/01) greift sich der Wolf jährlich nur an die 800 Schafe. Die hohen Subventionen, die Norwegens Regierung den Schafhaltern zahlt, machen die Tiere ohnehin zu den teuersten Schafen weltweit.

Recht ist nicht Gerechtigkeit

Am 10.Februar rückten 23 Jäger mit großkalibriger Munition, Helikopter und Schneescooter aus, um die neun freigegebenen Wölfe abzuschießen. Umwelt- und Tierschutzaktivisten gelang es vorerst ihre Pläne zu vereiteln, indem sie mit Langlaufskiern im Jagdgebiet liefen. Gleichzeitig wurde von der norwegischen Gruppe FVR ein Antrag bei Gericht eingebracht, die Jagd zu verbieten. Am 16.Februar kam der Gerichtsentscheid, der den Abschuß als legitim bestätigte und den Jagdsaboteuren die Prozesskosten von 100.000 Kronen (rund 150.000 Schilling/ 22.000 DM) aufbrummte. Die Umweltaktivisten brachen ihre Camps in der Jagdzone daraufhin ab. Starker Schneefall verhinderte am darauffolgenden Wochenende die Jagd erneut. Doch allzu viel Zeit bleibt den Wölfen sicher nicht mehr. Ihre Lebenszeit scheint abzulaufen.

Wikingermentalität

Norwegen ist stolz auf seine in vielen Staaten als anachronistisch betrachteten Jagdtraditionen, nach denen nicht nur das Internationale Walfangmoratorium ignoriert wird, sondern jetzt auch die von Norwegen 1982 selbst unterstützte Berner Konvention, die den Wolf grundsätzlich unter Schutz stellt. Selbst Ministerpräsident Jens Stoltenberg beharrt auf die eigenwilligen Jagdprogramme. Das angesehene Osloer Blatt „Aftenposten“ zeigt sich hingegen besorgt wegen des weltweiten Rufs Norwegens als barbarisches Wikingerland. Nach Ansicht schwedischer Experten könne die grenzübergreifende Region zu Norwegen ruhig 200 Wölfe, beide Länder zusammengenommen sogar 500 Wölfe vertragen. Die gegenwärtige geringe Dichte durch Abschuß auszudünnen gefährde allerdings die gesamte Wolfspopulation, die ein breites Genreservoir benötigt.

Herdenschutzhunde als Lösung

Der Tierschutzverein CANIS sieht in der Anschaffung spezieller Hunderassen wie Sarplaninac, Owtscharka oder Maremmano die Lösung des Problems. Diese Hunde betrachten Nutztierherden als ihresgleichen und haben in Südost- und Osteuropa eine Jahrtausende alte Tradition als Herdenschutzhunde, die Wolf, Bär oder andere Beutegreifer effektiv vom Viehriß abbringen. Auch im US-Bundesstaat Utah brachten Projekte mit ihnen einen Rückgang des Viehverlustes durch Raubtiere um 90%. Zusätzlich sollten Elektrozäune montiert werden, die in Schweden sich erfolgreich gegen Predatoren bewehren.

Petitionsübergabe

Am Donnerstag, 22.Februar 2001, wird CANIS gemeinsam mit einem Vertreter des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) sowie der Österreichischen Hundepartei (PHÖ) der norwegischen Botschafterin in Wien, IE Helga Hernes, eine Protestpetition gegen den Wolfsabschuß mit gleichzeitigen Lösungsvorschlägen überreichen.

 

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