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DAS
RÄTSEL ROHRWOLF SCHAKAL ODER NICHT ?
Der in Aufzeichnungen altösterreichischer Naturforscher häufig vorkommende "Rohrwolf" (*) stellt einen der rätselhaftesten und umstrittensten Caniden dar. Im Jahre 1756 von Kramer erstmals als kleine Varietät des Wolfes (**) beschrieben, sollte das Tier ab dann für Diskussionen sorgen. Fitzinger (1832), Jeitteles (1876), Tschudi (1878),und Mojsisovics (1897) rätselten weiter über seinen taxonomischen Status. Die Annahme, der "Rohrwolf" habe in den Sümpfen des Neusiedler Sees (***) gelebt, findet sich in der zoologischen Literatur bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts (Rebel 1933, Sauerzopf 1954, Wettstein 1955). *
andere Bezeichnungen: nady farkas (ungar.) oder reed wolf
(engl.) **
Canis lupus minor ***
Der Neusiedler See bildet die heutige Grenzregion Burgenland
Ungarn Trotz Bemühungen seitens der erwähnten Forscher, schlugen alle Versuche einer Aufklärung fehl; zu vage und widersprüchlich waren Hinweise und Indizien. Exakte Belege für Vorkommen in Österreich fehlten. Die Debatte um die artliche Identität des "Rohrwolfes" ging weiter: Ehik (1937/38, 1939), Kretzoi (1947), Smuk (1954), Aumüller (1955), Nagy (1956) Wolf, Hund oder Schakal, was war er nun ? Bauer (1960) beendete die Diskussion um den geheimnisvollen Schilfbewohner vorübergehend, indem er ihn aus der österreichischen Faunenliste strich. Begründung: unzureichend dokumentiert. Dennoch schloß er aber nicht aus, daß einzelne Schakalexemplare - vor allem Rüden - gelegentlich den Weg nach Österreich finden würden. Relikte des "Rohrwolfs": In der Säugetiersammlung des Naturhistorischen Museums in Wien finden
sich drei Belege für
den "Rohrwolf", die dem Pionier der archäologischen
Zoologie, L.H. Jeitteles zu verdanken
sind.
1. Aquarellskizze eines im Tiergarten Schönbrunn lebenden, 1866 bei St.Gotthardt (Szentgotthard) gefangenen "Rohrwolfs". 1871 vom Tiermaler und Illustrator T.F. Zimmermann für Jeitteles angefertigt. 2. Schädel und Skelett (*) eines auf Jeitteles´ Bemühung hin lebend gefangenen "echten Rohrwolf" (Jeitteles, 1876) aus der Gegend der südungarischen Stadt Kalocsa. 3. Meßlisten und Notizen über einen 1875 bei Wolfsthal (östlich von Wien, an der Donau) erlegten "Rohrwolf". 2. ad 1: Stellt aller Wahrscheinlichkeit nach einen grazil gebauten Wolf dar. ad 2: Der Schädel stammt von einem etwa sechs Monate alten noch nicht voll entwickelten Caniden. Das Gebiß entspricht dem eines Karpatenwolfes und schließt den Goldschakal damit aus. ad 3: Dabei handelte es sich zweifellos um einen Haushund. Auch beim sogenannten "Rohrwolf von Enghagen" (**) dürfte es sich um die Überreste eines wildernden Hundes handeln.
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Inventarnummer: NMW LJ C.4678 **
Enghagen liegt bei Enns in Oberösterreich
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