Königlich Norwegische Botschaft

IE Helga HERNES

Reisnerstraße 55-57

A-1030 Wien  

PETITION

gegen den Abschuß von Wölfen

in der Region Østerdalen, Provinz Hedmark

22.Februar 2001  

Eingereicht durch den Tierschutzverein CANIS

Unterstützt durch den Verein gegen Tierfabriken (VgT)

sowie die

Partei der Hundefreunde Österreichs (PHÖ)

 

Exzellenz,

sehr geehrte

Frau Botschafterin!

Seit alters her nimmt der Wolf in der nordischen Kultur einen hohen Stellenwert ein. Schon in den Sagas der „Edda“ kommt ihm in Form von Geri und Freki eine Rolle als Begleiter des Göttervaters Wotan zu. Der Wolf ist ein Sinnbild ganz Skandinaviens, eine Bereicherung von Kultur und Natur gleichsam. Er ist aus der Literatur ebenso wenig wegzudenken wie aus der Ökologie.

Umso mehr überrascht uns die Haltung der norwegischen Regierung, was den Schutz wildlebender Wölfe betrifft. Wie wir über die Medien erfahren mußten, genehmigten die Behörden am 5.2.2001 den Abschuß von neun Wölfen in der Region Østerdalen.

Als Grund dafür wurde der wachsende Protest norwegischer Schafzüchter angegeben, die auf immer höhere Kompensationszahlungen bestanden.

Wie wir weiter erfahren mußten, sollten ursprünglich sogar zwanzig Wölfe getötet werden, was nur durch Intervention des schwedischen Umweltministers abgeändert worden war. Selbst innerhalb Norwegens ist die Entscheidung für den Abschuß nicht unumstritten. So äußerte sich auch das angesehene Osloer Blatt „Aftenposten“ besorgt über den internationalen Ruf Ihres Landes.

Dennoch wurde die Jagd per Gerichtsbescheid am 16.2.2001 erneut als legitim befunden und fortgesetzt. Mittlerweile ist bereits eine Wölfin tot. Weitere Abschüsse sind jederzeit zu erwarten.

Erlauben Sie uns dazu unsere Einwände wie Lösungsvorschläge vorzulegen.

  EINWÄNDE:

 

1)   Durch den Abschuß der Wölfe verletzt Norwegen die Berner Konvention, die den   Wolf (Canis lupus) klar als „streng geschützte Tierart“ deklariert.

 

2)   Da das zum Abschuß freigegebene Wolfsrudel nicht nur in Norwegen lebt, sondern ebenso in Schweden, wird auch die EU-Naturschutzrichtlinie 92/43/EWG, Anhang IV, verletzt, nach der die Spezies Wolf eine „streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse“ sei.

 

3)   Von den etwa 2,4 Millionen Schafen fallen jährlich nur an die 800 dem Wolf zum Opfer; eine minimale Größe, die durch Kompensationen seitens von Naturschutzgruppen leicht wettzumachen wäre. Der Großteil der anderen Verluste ist durch Fressen giftiger Pflanzen, Stürze in Sümpfe, Flüsse etc. zu erklären. (siehe Bericht in „Der Spiegel“, 7/01)

 

4)   Die Populationsdichte in Südost-Norwegen und West-Schweden ist sehr gering und wird mit höchstens 100 Tieren bemessen. Sinkt die Anzahl der Wölfe – etwa durch Jagd – weiter ab, wird ein bestimmter Schwellenwert unterschritten (wissenschaftlich durch Warder C. Allee bereits 1931 bewiesen), was auf lange Sicht das Aussterben der Population bedeutet (Allee-Effekt).

 

5)   Da die Größe der Wolfspopulation sehr niedrig ist, erhöht sich mit jedem Abschuß – und damit Verringerung des genetischen Reservoirs – die Gefahr von Inzucht, was wiederum Degenerationserscheinungen mit sich bringt. Ein ständiges Einwandern von russischen, finnischen oder schwedischen Wölfen muß daher durch ein internationales Wildlife Management gewährleistet werden.

 

  LÖSUNGSVORSCHLAG:

Die Lösung des Problems rund um Viehriß durch Wolf (aber auch Bär oder Luchs) kann durch die Anschaffung und den Einsatz spezieller Hunderassen, sogenannter HERDENSCHUTZHUNDE, fast zur Gänze präsentiert werden.

Diese Rassen (z.B. Owtscharka, Maremmano, Sarplaninac, etc.) werden in Ost- bzw. Südeuropa oder Zentralasien seit Jahrhunderten zum Schutz von Herden gegen Raubtiere mit Erfolg eingesetzt. Ein Projekt von Dr. Ray Coppinger im US-Staat Utah brachte ebenfalls einen Erfolg von 90%.

Wir würden gerne den Kontakt für Sie herstellen bzw. Ihnen beratend zur Seite stehen. Damit wäre allen geholfen: den Bauern, den Schafen und letztendlich den Wölfen.

 

BITTE LEITEN SIE UNSEREN PROTEST, VOR ALLEM ABER AUCH UNSEREN LÖSUNGSVORSCHLAG AN IHRE REGIERUNG WEITER. DANKE VIELMALS!

 

Gezeichnet:

Mag. Alexander WILLER, Tierschutzverein CANIS

Marion LÖCKER, Verein gegen Tierfabriken,

Christian POLSTER, Partei der Hundefreunde Österreichs

 

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