31. Juli – Ignatius von Loyola und der Tag des Wolfes

Geschichte steckt oft voller Widersprüche. So zum Beispiel was den Schutzheiligen der Wölfe betrifft. Dieser, Ignatius von Loyola, stammt ausgerechnet aus Spanien, einem Land, in dem Wölfe – basierend auf religiösem Aberglauben – Jahrhunderte lang als Verbündete des Teufels schlechthin verfolgt wurden und bis heute einen zweifelhaften Ruf genießen. Spanien war seit der Rechristianisierung und Vertreibung der muslimen Mauren im (11.-15.Jh.) ein Bollwerk des Katholizismus. In keinem Land war die Nähe zwischen Thron und Kreuz enger, der Gedanke vom katholischen Gottesstaat verwurzelter und die Inquisition erfolgreicher.

Dabei hält es die römisch-katholische Kirche im Allgemeinen nicht gerade gut mit der Spezies Canis lupus. Im Neuen Testament der Bibel gibt es mehrere Gleichnisse, in denen der Wolf metaphorisch für das Bedrohliche und Böse steht. Seine allerchristlichste Majestät Karl der Große (9.Jh.) wollte den Wolf förmlich ausrotten und bestellte einen eigenen Beamtenstand zu diesem blutigen Geschäft. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Menschen wie Wölfen als „Werwölfen“ der Prozess gemacht, dessen Ausgang meist der Flammentod am Scheiterhaufen war. Einzige positive Ausnahme war der Italiener Franziskus von Assisi (13.Jh.), der den Wolf von Gubbio als „Bruder“ ansprach.

Dennoch wurde nicht Franziskus der Schutzpatron des Wolfes, sondern Ignatius von Loyola. Wer war dieser Mann? Seine Vita will es, daß er genau am 24. Dezember 1491 geboren wurde – und zwar auf Schloss Loyola im baskischen Norden Spaniens. Der junge Adlige verbrachte seine frühen Jahre als Lebemann und Soldat, ehe 1521 im Kampf gegen die Franzosen eine steinerne Kanonenkugel sein Knie traf und Loyolas militärischer Laufbahn damit ein jähes Ende setzte. Auf dem Krankenbett las er religiöse Schriften. Nach seiner Genesung 1522 ging er ein Jahr ins Kloster von Montserrat. Dort weihte er seine Waffen der Jungfrau Maria und beschloss, ab nun „Glaubensritter“ zu werden. 1523 pilgerte Ignatius als Bettler nach Jerusalem. Bis 1528 studierte er an verschiedenen Universitäten, darunter Barcelona und Paris. 1534 gründete er eine fromme Bruderschaft, was ihm eine kurze Kerkerhaft der Inquisition einbrachte, die ihm misstraute. 1537 erhielt er allen Widernissen zum Trotz die Priesterweihe und 1540 bestätigte Papst Paul III. Loyolas „Gesellschaft Jesu“ – besser bekannt als Jesuiten – als katholischen Orden. Von nun an widmete sich der strenge Asket Ignatius mit Feuereifer der Gegenreformation. Am 31. Juli 1556 starb er in Rom. 1609 wurde er selig –und 1622 heilig gesprochen.

Zu Wölfen hatte Ignatius von Loyola Zeitlebens keine besondere Beziehung. Der wahre Hintergrund für seine ungewollte Patronanz über Canis lupus dürfte im Hauswappen der Familie Loyola zu finden sein. Dieses zeigt zwei Wölfe über einem Kessel, was auch zur Interpretation „lobo y olla“, „Wolf und Kochtopf“ führte. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, daß die Loyolas derart generös waren, daß sie sogar hungrige wilde Tiere – wie Wölfe – mit Nahrung versorgten.

 Eine andere Interpretation leitet sich vom Baskischen „loy ol a“ ab, was soviel wie „Reichtum an Schlamm und Lehm“ bedeutet und ein Lob an den Fluss Urola ist, der neben der Stammburg der Familie fließt (siehe: http://loyola.jesuit.org.au/ifsc/glossary.html )

Da offensichtlich kein anderer Heiliger der römisch-katholischen Kirche einen „engeren“ Bezug zum Wolf hatte, wurde Ignatius von Loyola zu dessen Schutzheiligen. Sein Todestag, der 31. Juli, gilt alljährlich als „Tag des Wolfes“.

 

© Mag. Alexander Willer, www.canis.info, 01.08.03

 

 

 

 

 

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