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WERWOLF: EINEM MYTHOS AUF DER SPUR Die wechselvolle Beziehung von Mensch und Wolf reicht weit zurück in die Nebel der Vorzeit. Keine Tierart war auf der nördlichen Halbkugel so verbreitet wie der Wolf und demnach auch als Nahrungskonkurrent so gefürchtet. Gleichzeitig genoß er hohe Verehrung als Bindeglied zur spirituellen Welt. Die Angst wie der Wunsch wie ein Wolf zu sein, ist tief verankert im Bewußtsein des Menschen. Der Mythos des Werwolfs - des "Mann - Wolfs" fand so Eingang in fast allen Kulturen. Antike Lykanthropen Der
erste literarische Beleg für ein Mischwesen aus Mensch und Wolf findet
sich um 2000 vor Christus im sumerischen Gilgamesch-Epos.
Im Ägypten der Pharaonenzeit wurde der schakalsköpfige Anubis als Gottheit verehrt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot
erzählt um 500 v.Chr. vom Volk der Neuri,
das sich an bestimmten Tagen im Jahr zu Wölfen verwandelt. Und sein römisches
Gegenstück, Vergil, liefert die
erste Beschreibung einer frei-willigen Körperwandlung. Demnach legte sich
ein Zauberer einen breiten Gürtel aus Wolfs-fell um und rieb sich mit
geheimnisvollen Salben ein, ehe er zum Versipellis,
sprich "Haut-wender", mutierte. 400 v.Chr. soll ein Lykanthrop ("Wolf-Mann"), der Arkader Damarchus,
sogar Olympiasieger im Boxkampf geworden sein (!) Die Cynocephali des Mittelalters
Ein Jahrhundert danach erscheint ein Bericht
von Walter von Speyer, nach dem
der Heilige Christopherus, der
Schutzpatron der Reisenden, vor seiner Taufe ein hundsköpfiger
Menschenfresser, namens Reprobus
war. Werwolfwahn der Neuzeit Im
Englischen tauchte der Begriff "werewulf"
erstmals im Jahre 1020 auf. Um 1300 wurde die altnordische Volsungasaga niedergeschrieben. Der Werwolfaberglaube nahm seinen
Lauf. Doch voll zum Ausbruch kam er im Frankreich des 15. Und 16.
Jahrhunderts. 1521 starben "Werwölfe" in Poligny
den Flammentod. 1603 wurde Jean
Grenier als Werwolf zu lebens-langer Haft verurteilt. Die katholische
Inquisition leistete ganze Arbeit. Grundlage der Wer-wolfprozesse bildeten
der "Hexenhammer"
(1495) sowie "De praestigus
daemonum" (1563), gewissermaßen Handbücher zur Folter. 1589 kam
es in Köln zu einem grausigen Schau-prozeß, bei dem der vermeintliche
Werwolf Peter Stupe mit glühenden Zangen zerfleischt, danach verstümmelt
und geköpft wurde. Die Hysterie kostete auch Tausenden Wölfen das Leben.
Im Preußen des 18.Jahrhundets fanden die Tiere nach Gerichtsprozessen den
Tod am Scheiterhaufen. Zuvor waren die Wölfe oft mit der "Wolfsangel" gefangen worden, einem dreibeinigen Eisen mit
Widerhaken, das in Fleischködern steckte.
Dem Rätsel auf der Spur Die
Verwandlung zum Werwolf geschieht, je nach Erzählung, unterschiedlich;
entweder unwillkürlich bei Vollmond oder Biß durch einen anderen
Werwolf. Oder aber freiwillig, durch Verwendung bestimmter Salben und Kräuter.
Bei diesen dürfte auch eine mögliche Erklärung des Rätsels zu finden
sein. So ist es bekannt, daß Nachtschattengewächse wie Dornapfel
oder Eisenhut, die zu Salben
verarbeitet worden waren, halluzinogene Wirkung haben. Dabei kann es sein,
daß die betreffende Person in einer Art Rausch glaubt, ein Wer-wolf zu
sein. In einem südenglischen Dorf des Jahres 1700 verfielen alle Bewohner
einer kurzzeitigen Wahnvorstellung, die sie glauben machte, Wölfe zu
sein. Als Ursache galt eine Pilzvergiftung durch von Mehltau
befallenes Getreide. Von altgermanischen Kriegerorden wie den Ulfhednar
ist es bekannt, daß sie sich in Wolfsfellen kleideten, rohes Fleisch aßen,
Blut tranken und mitunter auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckten.
Als weitere Erklärung dient die Lykanthropie,
eine Form der Geisteskrankheit, bei der der Betroffene glaubt, ein Wolf zu
sein. Dazu verfaßte die Universität
Wittenberg bereits im 16.Jahrhundert
Doktorarbeiten. Aufklärungsarbeit für den Wolf Wo
immer der Werwolfglauben auch herrühren mag, er erwies sich als äußerst
gefährlicher Aberglaube, der bis heute anhält. Vor allem der schlechte
Ruf des Wolfes basiert auf Jahr-hunderte alter Greuelpropaganda dieser
Art. Daher ist es für den Tierschutz höchste Zeit, dem gegenzusteuern.
Denn die Wölfe werden in Zukunft aus Nachbarstaaten wie Slowenien oder
Slowakei nach Österreich zurückkehren. Dann muß dem Wolf ein Boden der
Vernunft geboten sein, auf dem sein Überleben langfristig gesichert ist. Für besondere Wolfsfreunde bietet sich die Gelegenheit, für einen Jahresbeitrag von 75,- Euro eine Wolfspatenschaft in Kanada zu übernehmen. Details ebenfalls über unser Büro oder unter : info@canis.at
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