Das Fest Lupercalia

Lupercalia war ein altrömisches Fest zu Ehren des Vegetations- und Hirtengottes Faunus, der den Beinamen Lupercus trug („Der, der den Wolf abwehrt“). Die Feiern wurden auf dem Palatinus, einem der sieben Hügel des antiken Roms, abgehalten – und zwar an dessen Fuße, in der Grotte Lupercal, in der einst die mythologische Wölfin* Roms Stadtväter Romulus und Remus gesäugt haben soll.

Die Zeremonien begannen zum Zeitpunkt des heutigen 15. Februars. Alljährlich wurden ein Hund geopfert sowie mehrere Ziegen. Die Priester (luperci) beschmierten den Leib von zwei jungen Männern mit dem Ziegenblut. Aus der Haut der geschlachteten Ziegen wurden zwei Striemen gefertigt, die sogenannten februae, von denen sich der Name Februar ableitet. Danach liefen die beiden Auserwählten rund um den Palatin und schlugen mit ihren Ziegengerten auf beistehende Frauen ein. Der Legende nach sollen die Damen dadurch fruchtbar werden bzw. bleiben. Der Dichter Ovid schrieb, daß weder Kräuter, noch Zaubersprüche oder Gebete so wirksam wären wie der Schlag einer februa. Romulus selbst soll ihre Wirksamkeit einst erfahren haben, als er die unfruchtbaren, geraubten Sabinerinnen damit schlug und diese alsbald Kinder empfangen konnten. Berichten zufolge soll der spätere Geliebte der Kleopatra, Marcus Antonius, auch einer der Lupercalia-Läufer gewesen sein.

Februar leitet sich vom lateinischen Wort für „reinigen“ (februare) ab. Er versinnbildlicht den Frühlingsbeginn; das Ende des Winters; die Zeit, in der man die Götter um Verzeihung für unabsichtliche Frevel bittet. Ähnliche Traditionen finden sich im Alpenraum auch heutzutage noch, etwa der Perchtenlauf.  Von der Wortwurzel her ist der Monat Februar mit dem „Fieber“ verwandt, das den Körper gewissermaßen ja auch durch Hitze reinigt.

Lupercalia hielt sich im römischen Reich in unterschiedlichen Ausführungsformen bis zum Jahre 484, als Papst Gelasius I. das Fest verchristlichte. Er gab dem Symbol der Reinigung durch die Fastenzeit einen neuen Sinn. Der Tag vor Beginn der Fastenzeit, hielt sich bis in die Gegenwart als Zeit der Ausgelassenheit, der Freude über den Frühling (Faschingsdienstag, Mardi Gras etc.) Eine weitere Lupercaliasitte hat den Wandel der Zeiten überlebt. In der Nacht zum 15.Februar verband der Priester ein Paar, das bis zum Festtag im nächsten Jahr zusammenbleiben mußte. Das Fest der Liebenden, 14.2., existiert als St. Valentin noch immer...

* Die Wölfin gilt auf der Apenninenhalbinsel bis in unsere Tage als Symbol der Fruchtbarkeit und der damit verbundenen sexuellen Aktivität. "Il lupanare" ist im Italienischen ein Synonym für Freudenhaus. Und auch im Märchen stellt der Wolf "Rotkäppchen" nach.

© Mag. Alexander Willer, CANIS, 14.02.2002

 

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