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DER MARDERHUND (Nyctereutes procyonides) Ein scheuer Geselle mit vielen verwirrenden Synonymen wie Waschbärhund (Raccoon Dog), Viverrenhund (Chien viverrin), Russischer/Ussurischer/Chinesischer/Japanischer Waschbär, Mangut, Enok, bzw. Jenot (russisch) oder Tanuki (japanisch). Verbreitung:
Freßverhalten: Jüngste Untersuchungen in Brandenburg ergaben, daß der Marderhund ein wahrer Generalist, sprich Allesfresser, ist. Pflanzen, Insekten, kleine Säugetiere, Aas und Abfall machen seinen Speisezettel aus. Da Marderhunde nicht in Rudeln, sondern fast immer einzeln jagen, werden sie vom Großteil der Bevölkerung kaum wahrgenommen, was ihre nächtlichen Beutezüge begünstigt. Verhalten: In Gebieten mit strengen Wintern frißt sich der Marderhund im Spätsommer einen Speck an, um bei Einbruch der Kälte in eine Winterruhe zu gehen. Er ist damit der einzige Canide, der über diese Möglichkeit des Energiesparens verfügt. Während unserer vergleichsweise milden Winter bleibt er allerdings meist aktiv; bringt doch die Winterruhe auch eine große Gefahr mit sich: viele Jungtiere sterben währenddessen, da sie es nicht geschafft hatten, einen genügend großen Speckpolster anzufressen. Im Februar/März beginnt die Ranz des Marderhundes. Die Tragezeit dauert neun Wochen, ehe im Schnitt acht bis zehn Welpen geboren werden. Diese hohe Wurfzahl ist eine Überlebensstrategie des Nyctereutes gegen seine ehemaligen natürlichen Feinde. Durch deren weitgehendes Fehlen in Mitteleuropa wird seine Ausbreitung weiter begünstigt. Die Welpen bleiben zwei Wochen blinde Nesthocker, werden zwei Monate lang gesäugt und nach der vierten Woche vom Vater bereits mit fester Nahrung versorgt. Schon im darauffolgenden Jahr sind die Jungen selbst geschlechtsreif. Die Lebenserwartung freilebender Marderhunde kann bis zu einem Jahrzehnt betragen. Eine Verpaarung mit Hund, Wolf oder Fuchs erweist sich aufgrund der unterschiedlichen Chromosomenzahl als unmöglich. Der Nyctereutes verfügt über einen ausgezeichneten Geruchssinn, während Augen und Ohren eine eher untergeordnete Rolle spielen. Außerdem ist der Marderhund der einzige Canide, der über keinerlei bellähnliche Vokalisation verfügt. Aussehen: Marderhunde ähneln mit ihrer weiß umrandeten schwarzen Gesichtsmaske und ihrem gestromten Pelz Waschbären. Sie erreichen eine Körperlänge von etwa 50cm (ca. 70cm samt Rute). Die Schulterhöhe mißt etwa 20cm. Ihr Gewicht beträgt zwischen vier und zehn kg. Status: Während er in Rußland und Finnland in Pelzfarmen mißbraucht wird (sein Pelz läuft unter der Bezeichnung Finn Raccoon), halten ihn viele Japaner als Haustier. Eine Unsitte, die auch in den Niederlanden anzufinden ist. Die für Menschen völlig ungefährlichen Marderhunde sind sehr empfindlich auf Umweltreize und leiden in Haushaltung sehr oft an Hautkrankheiten oder sterben an Infektionen, die durch Hunde übertragen wurden. In freier Wildbahn steht der Marderhund weder in Österreich noch in Deutschland unter Naturschutz. Die Jägerschaft verweigert ihm sogar die Anerkennung im Jagdrecht. Für die Mehrheit der Grünröcke gilt er als unwillkommener Zuwanderer und wird als Faunenverfälscher, der heimische Arten gefährde, aufs Korn genommen. Unter diesem vorgeschobenen Naturschutzaspekt lebt er von Rechts wegen vogelfrei, praktisch als Ungeziefer. Das heißt, jeder Jagdausübungsberechtigte darf ihn jederzeit in seinem Revier töten. Der Tierrechtsverein CANIS sieht den Marderhund und auch andere Neubürger wie Waschbär oder Goldschakal nicht als Bedrohung der Natur, sondern als Bereicherung an. Ökologie ist dynamisch, ständig in Bewegung, sie hat keinen musealen Charakter. Unter diesem Aspekt ist die Einwanderung von den genannten Säugetierarten zu werten. Gerne herangezogene Vergleiche mit Invasionen exotischer Muschel-, Krabben- oder Mottenarten, die ganze Ökosysteme zum Kippen bringen, liefern im Falle Marderhund keine wissenschaftliche Analogie und sind daher wertlos. CANIS setzt sich für eine rechtliche Anerkennung des Marderhundes sowie seiner Mitzuwanderer Goldschakal und Waschbär ein.
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