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(Teil II): - TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER ?: DER TASMANISCHE BEUTELWOLF
Tasmanien: südöstlich des australischen Kontinents gelegen - ein Eiland am Ende der Welt. Über Jahrtausende streifte ein geheimnisvolles Wesen durch die Wildnis dieser Insel, ein Tier bedacht mit vielen Namen. Die Ureinwohner nannten es regional unterschiedlich
C(o)orinna, Lagunta oder Loarinnha. Die Europäer vermuteten in ihm eine Abart der Hyäne, des Tigers oder des Wolfes, was erneut zu verschiedenen Bezeichnungen führte, wovon Beutelwolf die heute gängigste ist. 1936 starb das nachweislich letzte Exemplar dieser Art in Gefangenschaft. Doch eine Frage blieb bestehen: gibt es noch Überlebende in freier Wildbahn ? Die Chancen sind gering, doch die Faszination der Suche ist groß.
Gazetten übernommen, was dem Beutelwolf in Tasmanien die
landläufige Bezeichnung Hyäne einbrachte. Am 18. Juni selben Jahres begegnet fünf entflohenen Sträflingen der erste lebende Beutelwolf. Das Tier wird als tigerähnlich beschrieben. Das führte wiederum zur Bezeichnung Tasmanischer Tiger. Sechzig Jahre später kreierte Alfred Brehm in seinem "Illustrirten Thierleben" drei weitere Namen: Beutelhund bzw. Zebra- und Beutelwolf. Die wissenschaftliche Bezeichnung des mysteriösen Geschöpfes heißt
Thylacinus cynocephalus. Trotz des wildhundähnlichen Aussehens und der Querstreifen über den Rücken, zählte der Beutelwolf weder zu den Caniden, noch zu den Feliden. Er bildete eine eigene Familie
(Dasyruridae) innerhalb der Beuteltiere, am ehesten verwandt mit dem heute noch lebenden Beutelteufel. Das einzige Merkmal, das neben der Zeichnung entfernt an Katzenartige erinnert, lag darin, daß seine Hinterbeine höher waren als die vorderen. Hingegen konnte er seine Krallen wie die meisten Feliden nicht einziehen. Der Unterschied zu Hund und Wolf wird schon im Gebiß sichtbar: 46 statt 42 Zähne. Obwohl die Kopfform der des Wolfes ähnelte, war das durchschnittliche Gehirnvolumen deutlich geringer: 53,5 ml zu 134,4 ml. Auch konnte der Thylacinus seine Rute nur vertikal auf und ab bewegen, jedoch nicht seitlich wedeln. Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, bezeichnen die Anfänge ihrer Kultur als die "Traumzeit", in der der Mensch mit Göttern und Tieren gleichwohl kommunizierte. In diese dreamtime und sogar darüber hinaus reichen die ersten Belege für den Beutelwolf. Das älteste Fundstück ist ein zwölf Millionen Jahre alter Zahn. Etwa auf 8000 Jahre bringen es die Felszeichnungen aus dem Kakadu-Nationalpark (Nordaustralien), die einen Thylacinus mit Welpen zeigen. Ein natürlich mumifizierter Beutelwolffund ist 4650 Jahre alt. Bis vor 2500 Jahren bewohnte der Thylacinus - abgesehen von der ariden Zone im Landesinneren - ganz Australien. Sein rasches Verschwinden dürfte mit der Einwanderung des Dingos in Zusammenhang stehen, der dem Beutelwolf in Jagdtechnik und Reproduktion überlegen war. Als die Europäer die terra australis in Besitz nahmen, war er schon lange nur mehr auf Tasmanien vorzufinden. 1642 ging der Holländer Abel Tasman, nach dem die Insel ihren Namen erhalten hat, in Tasmanien vor Anker. 1803 waren die Briten Herren des Eilandes. Sträflinge, Robben- und Walfänger machten das Gros der Bevölkerung aus. Bis 1876 war den Ureinwohnern der Insel der Garaus bereitet worden. Wie sollte es dem Beutelwolf, einmal entdeckt, da anders ergehen ? Die Europäer brachten zur Selbstversorgung Schafe mit. Für den Thylacinus eine willkommene und leichte Beute. 1830 begann die Van Diemens Land Company Todesprämien auf den Viehdieb auszusetzen. Unter permanenten Druck der Schafzüchterlobby zahlt ab 1880 auch die Regierung Abschußprämien. Das, obwohl die meisten Schafe wildernden Hunden zum Opfer gefallen waren. Doch der Beutelwolf mußte als Sündenbock und Kugelfang herhalten.
Juli und November 1864 und zwischen 1871 - 1873 als erste Stadt den Thylacinus aus. Es folgten Paris bzw. nach der Jahrhundertwende Köln und Antwerpen. Sydney, New York oder Washington beherbergten ebenfalls Beutelwölfe. Doch meistens starben die Tiere in Gefangenschaft sehr bald. Lediglich in Hobart brachte es der Rüde "Benjamin" auf über zwölf Jahre. Doch am 7.September starb auch dieses Tier. Es war der letzte Vertreter seiner Art. Die Vernichtungspolitik des Menschen hatte voll gegriffen. Als Ironie des Schicksals steht heute aber in Australien auf den Fang oder die Tötung eines Beutelwolfes eine Höchststrafe von 5.000 Dollars oder sechs Monate Haft.
Dezember galt als Paarungssaison des Beutelwolfes. Für diesen Monat des Jahres 1929 wurde er daher unter Schutz gestellt. Ein lächerlich kleiner Zeitrahmen. Als die Art am 14.Juli 1936 endlich als vollständig geschützt eingestuft wurde, kam die Hilfe zu spät. Nur mehr ein Exemplar war am Leben - im Zoo. Nach dessen Tod führte die Regierung zwischen 1937 und 1980 entweder direkt oder durch Subventionierung Privater Suchexpeditionen nach möglichen wildlebenden Beutelwölfen durch. 1978 stiftete auch der gerade neu gegründete WWF Australien 55.000 Dollars für die Suche. Bisher blieben die Bemühungen allerdings alle ohne Erfolg. Als der US-Medien-Tycoon Ted Turner 1983 die Segelregatta von Sydney nach Hobart gewann, versprach er den Australiern eine Belohnung von 100.000 amerikanischen Dollars für den sicheren Beleg eines noch lebenden Beutelwolfes. Bisher konnte aber auch Turners Versprechen den Thylacinus nicht ins Leben zurückrufen. Klonierung ist kein Mittel der Kryptozoologie. Hier begibt man sich lieber auf Spurensuche. Eine erste Fährte findet sich 1961 in Sandy Cap
(Nordwest-Tasmanien), wo zwei Fischer einen vermeintlichen Beutelwolf erschlugen, was durch Analyse von Haarresten in den Bereich der Möglichkeit rückte.
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