KOJOTEN: FÜR UND WIDER IM KAMPF UMS ÜBERLEBEN

Seit den 1930ern wird der Kojote (Canis latrans) in den Vereinigten Staaten systematisch verfolgt. Für alles mögliche wurde er schon verantwortlich gemacht: Dürre, Viehdiebstahl, Ausrottung des Wildes, Kindesraub usw. Meist handelte es sich hierbei um dumpfe Vorurteile und Haßprojektionen. Bis in unsere Tag steht der Kojote auf der Abschußliste von Ranchern, Jägern und Sporttiermördern ganz weit oben. Doch allmählich etabliert sich auch eine Gegenströmung, die mittels Schutzmaßnahmen und öffentlicher Aufklärung den Versuch unternimmt, die Spezies bar der ihr zugedichteten Klischees darzustellen – und sie vor allem unbehelligt leben zu lassen.

Doch zuerst zu Beispielen der sinnlosen Kojotenverfolgung:

Die Colorado Division of Wildlife designierte im Dezember 2000 die Colorado Canyons National Recreation Area sowie die Gunnison National Conservation area als zehn Jahre andauerndes “Forschungsprojekt”, bei dem festgestellt werden soll, wie sich das Töten von Kojoten auf die Population von Hirschwild auswirkt. Mit 2,6 Millionen US Dollars ist das pseudowissenschaftliche Projekt bemessen.

Ermutigt durch diese Maßnahme im Nachbarstaat, startete im Januar 2001 in Vernal, Utah, die sogenannte „First Annual Predator Control“, bei der über Monate hin Kojoten geschossen werden. Der Staat Utah subventioniert dieses Gemetzel mit 100.000 Dollars aus der Tasche des Steuerzahlers. Auch hier werden ganz ähnliche „Forschungsabsichten“ vorgeschoben. Selbst die Warnung der Behörde USDA Wildlife Services wurde in den Wind geschlagen, nach der ein wahlloser Abschuß der Kojoten ein Reproduktionsregulativ auslöse, was höhere Wurfzahlen und damit mehr Welpen bedeutet. So würde die Kojotenanzahl nicht vermindert, sondern noch gesteigert.

Die Vernunft scheint beim Kojotengemetzel als erste in die ewigen Jagdgründe geschickt worden zu sein. Was zählt, ist der „body count“, die Strecke toter Kojoten. „Coyote killing contests“ erfreuen sich bei den Ranchern wie Hobbytiermördern hoher Beliebtheit. Aber es gibt auch gegenläufige Strömungen.

Naturschützern war es vor fünf Jahren gelungen, im Hart Mountain National Antelope Refuge (Ost-Oregon) den „coyote cull“ durch Bundesbehörden gerichtlich zu verhindern. Seit dem ist die Anzahl der Pronghorn –Antilopenherde kontinuierlich gestiegen und erreichte im Jahr 2000 eine Rekordmarke. Dadurch wurde einerseits wiederlegt, dasdaß das Nichtbejagen von Kojoten deren Beutetiere ausrotten würde, andererseits bewiesen, daß es am Vernünftigsten ist, die Kojoten in Ruhe zu lassen.

In der kanadischen Großstadt Vancouver (British Columbia) kam es im Mai bzw. September 2000 zu zwei Vorfällen mit Kojoten. Zuerst wurde ein vierjähriges Mädchen gebissen, das versucht hatte, den Wildcaniden zu streicheln, späterhin beschnupperte ein Kojote ein 18 Monate altes Baby, das im Gras eines Parks unbeaufsichtigt lag, während seine Mutter einem Fußballtraining zusah. Doch anstatt mit einer Verfolgungskampagne zu antworten, entschloß sich das Vancouver Park Board am 19.November 2000 ein Programm der „öffentlichen Erziehung“ im Umgang mit Kojoten zu finanzieren. Ein Meilenstein im Kampf für eine Koexistenz Mensch-Kojote.

Und selbst in Süd-Texas besteht Grund zur Hoffnung. Der massive Luftabwurf der Impfpellets Raboral brachte die gefährliche Tollwut zum Stillstand. Damit fällt der Hauptgrund der gnadenlosen Kojotenverfolgung weg.

Quelle: „Animal People“ (USA, March 2001)

 

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