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DER
GOLDSCHAKAL IN ÖSTERREICH ?
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Unter
Zoologen wie Jägerschaft herrscht Uneinigkeit, ob der
Goldschakal in Österreich als Rück- oder Zusiedler zu
betrachten ist. In anderen Worten: stellt die Spezies Canis
aureus eine Tierart dar, die vor langer Zeit - durch
bisher unbekannte Gründe - aus Österreichs Wildnis
verschwand und nun wieder einwandert oder handelt es sich um
eine Migration eines nicht endemischen Raubtieres vom Balkan
?
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Untrennbar
verbunden mit dieser Frage ist das Verhalten der Menschen gegenüber
dem Goldschakal. Ein Großteil der Jägerschaft spricht ihm nur dann
eine Existenzberechtigung zu, wenn bewiesen werden kann, daß der Canis
aureus einst heimisch war. Gelingt dies nicht eindeutig, fällt
er nicht unter den Begriff "Wild", sondern in die anrüchige
Kategorie "Faunenverfälscher". Damit genießt er keine
Schonzeiten und ist de facto vogelfrei. Die Argumentation einiger
Naturschützer - der ich mich persönlich anschließe - lautet
hingegen, daß der Canis aureus eine willkommene Bereicherung
der heimischen Tierwelt darstellt. Der Goldschakal füllt nur eine Lücke
aus, die durch die Ausrottung oder zumindest grobe Dezimierung
anderer Beutegreifer wie Bär, Luchs oder Wolf entstanden war. Auf
beide Standpunkte soll später näher eingegangen werden. Nun ein
Kapitel, das sich der historischen Fährtensuche nach dem Canis
aureus in Österreich widmet.
Jüngere
Spuren:
Seit
etwas mehr als einem Jahrzehnt gilt es als gesichert, daß der
Goldschakal österreichischen Boden erreicht hat. Hier eine
Auflistung dokumentierter Fälle:
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5.
Dezember 1987: bei Tobisegg (Gemeinde St. Josef), Steiermark,
wird während einer Treibjagd ein Goldschakal geschossen. Es
handelte sich dabei um einen Rüden mit folgenden Maßen: KRL:
98 cm, SL: 24 cm, G: 13,6 kg, Hinterlauflänge (HLL): 16,2 cm,
Ohrlänge (OL): 6,4 cm.
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15.
Januar 1988: östlich von Ziernreith (Gemeinde Unterpertholz),
Niederösterreich, wird ein Rüde des Canis aureus in
einer Falle gefangen. Seine Maße: KRL: 90 cm, SL: 27 cm, G:
15,5 kg, HLL: 16 cm, OL: 7,3 cm.
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12.
Dezember 1988: südlich des Packsattels (Gemeinde Preitenegg),
Steiermark, wird erneut ein Rüde erlegt. KRL:
95 cm, SL: 25 cm, G: 16,8 kg, HLL: 16,5 cm, OL: 7 cm
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22.
Dezember 1988: nördlich des Zillingdorfer Waldes (Gem. Lichtenwörth),
Niederösterreich, fällt ein Goldschakalrüde einem
Verkehrsunfall zum Opfer. KRL:
94 cm, SL: 28 cm, G: 16,5 kg, HLL: 17,5 cm, OL: 7 cm
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9.
Januar 1989: südwestlich von Seebenstein (Gemeinde
Neunkirchen), Niederösterreich, beobachtet Familie Inquart aus
Wien einen Caniden, dessen schriftlich übermittelte
Beschreibung gut zu einem Canis aureus paßt.
Fast
regelmäßig sorgte der für heimische Weidmänner seltsam anmutende
Goldschakal für Verwirrung. In Tobisegg wurde der Kadaver vorerst
als der eines Marderhundes (Nyctereutes procyonoides)
gehalten. (sic !) Bei Ziernreith galt - wie die Eigentümer des Präparates
erzählen - das tote Tier nach Besichtigung durch "mindestens
100 Jäger" als Wolf. Die starke und unregelmäßige Gebißabkauung
wurde als Milchgebiß gedeutet. Damit ergab sich auch eine Erklärung
ob des für einen Wolf untypischen niedrigen Gewichtes: es konnte
nur ein Jungwolf sein. In Lichtenwörth gelang mit Hilfe einer alten
Ausgabe von Brehms Tierleben eine richtige Bestimmung des
Goldschakals.
Am 16. September 1991 wurde in der Gemeindejagd Seebach (Ranten,
Bezirk Murau, Steiermark) "ein Stück Raubwild" - wie es
in der Jägersprache heißt - erlegt. Ganz in der Nähe fiel ein
weiterer Wildcanide der Jagd zum Opfer. Tier Nummer eins sandten die
Weidmänner an das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
(Wien) ein, Tier Nummer zwei kam in die Bundesanstalt für
Tierseuchenbekämpfung (Mödling). Während beim zweiten Kadaver
lediglich ein negativer Tollwutbefund erstellt worden war, gab es
beim ersten eine genaue Untersuchung.
Das
hundeartige Raubtier verfügte über eine KRL von 54 cm, eine SL von
36 cm, eine rechte und linke HLL von jeweils 14,2 cm sowie über
eine OL von 8,4 cm. Das Gewicht betrug 4,1 kg. Der Balg zeigte eine
einheitlich gelbbraune Färbung und war durch kurze (2-3 cm)
"mehr oder weniger gekräuselte Haare" gekennzeichnet. Dr.
Suchentrunk kam zum Schluß, daß es sich bei diesem erlegten
Caniden um einen jungen Goldschakal handeln müsse, zumal auch drei
weitere Merkmale gegen einen Fuchs sprachen.
Erstens
war die Rute nicht so buschig ausgeprägt wie eine Fuchslunte.
Zweitens
reichten die beiden oberen Fangzähne nicht wie beim Fuchs zum
Unterrand des Unterkiefers oder sogar darüber hinaus. Drittens
waren an den Vorderläufen die Ballen der beiden mittleren Zehen
durch eine Haufalte eng verbunden.
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Hartl,
Suchentrunk und Steineck kamen zum Schluß, daß es sich beim
vorliegenden Caniden um einen Fall von Atavismus gehandelt haben muß.
Darunter versteht man das äußerst seltene Auftreten eines
stammesgeschichtlich alten, aber in den Genen immer noch verankerten
Merkmals. Parasitologische und mykologische Untersuchungen hatten
zuvor Krankheiten als Ursache der besonderen Balgstruktur
ausgeschlossen. Im Laufe des nächsten Jahres kam es zu zwei
weiteren Abschüssen, die eindeutig als Goldschakale klassifiziert
worden waren.
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20.
August 1992: um sechs Uhr früh wird im niederösterreichischen
Großweißenbach (bei Rohrenreith) ein 12,5 kg schwerer Rüde
erlegt.
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Am
18. Dezember 1992 schießt der Jäger Alois Brandtner an seinem
78. Geburtstag um halb drei Uhr früh im Graukogelgebiet bei
Badgastein, Salzburg, an einem Luderplatz ebenfalls einen 12,5
kg schweren Goldschakalrüden.
Es
war der achte oder neunte in Österreich nachgewiesene Canis
aureus und gleichzeitig der am weitesten westliche. Spätere
Datenzusammenstellungen von Suchentrunk führten zu mindestens drei
weiteren Spuren des Canis aureus in Österreich:
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18.
Januar 1990 Puchenau, Oberösterreich: Verkehrsopfer
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Oktober
1991 Unterweißenbach bei Feldbach, Steiermark: Beobachtung
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Anfang
Februar 1992: Winklern bei Oberwölz, Steiermark: Fallenfang
Im
April des Jahres 1999 wurden Goldschakalsichtungen auch für das
Burgenland erwähnt. Hervorgehoben muß werden, daß bisher alle in
Österreich eindeutig identifizierten Goldschakale Rüden waren. So
liegt der Schluß nahe, daß es sich bei ihnen um einzelne Zuzügler
aus dem Balkan gehandelt hat. Es kann aber trotz allem nicht
ausgeschlossen werden, daß auch Aureus-Fähen in Österreich leben.
Damit wäre natürlich die Reproduktion und damit verbunden ein
permanentes Vorhandensein der Art in unserem Lande garantiert.
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