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Der Goldschakal Im
angelsächsischen Sprachraum auch common bzw. golden jackal bezeichnet. Klassifikation
und Abstammung:
Der
Goldschakal unterliegt folgender zoologischer Klassifikation:
Vor
38 bis 26 Jahrmillionen lebte auf der Landmasse des heutigen Nordamerikas
ein Beutegreifer namens Hesperocyon. Diese Gattung war der Ausgangspunkt
aller nachfolgenden hundeartigen Raubtiere. Als Grund dafür gilt eine für
Caniden typische Innenohranatomie. Die
Evolution löste Hesperocyon im Miozän, vor 26 bis 7 Millionen Jahren,
durch Tomarctus ab, der ebenso in Nordamerika lebte.. Er verfügte über
die Vorform des modernen Hundegebisses. (*) Vor etwa 12 bis 10 Millionen
Jahren wanderte eine Art der Gattung Tomarctus, der Canis davisi, über
die damals als Landbrücke bestehende Beringstraße von Alaska nach
Sibirien rüber. In den darauffolgenden Zeitaltern breitete sich diese
Urwildcanidenform über Asien, Europa und Afrika aus. Von ihr stammt die
heutige weitverzweigte Familie der Canidae ab. Der
Goldschakal zählt zum lupinen Tribus der Caniden, das heißt, zu den
Wolfsstämmigen. Damit ist er ein naher Verwandter von Hund, Wolf
und Kojote. Tatsächlich weist er genetisch gesehen im Karyotyp
- der Form und Anzahl (**) der Chromosome - eine Übereinstimmung
mit Hund und Wolf auf. Die
engsten Verwandten des Canis aureus (***) sind aber die in Afrika
beheimateten Arten Streifenschakal (Canis adustus) und Schabrackenschakal
(Canis mesomelas). Hingegen
brachten jüngste genetische Untersuchungen klar hervor, daß der lange
Zeit als Abessinischer Schakal bezeichnete Canis simensis nicht zu den
Schakalen zählt, sondern eine eigene Art bildet, die dem Wolf weit näher
steht.
Heutige Verbreitung: Die
Spezies Goldschakal verfügt über ein Verbreitungsgebiet von enormen
Ausmaßen, das sich über Tausende von Kilometern erstreckt. Es reicht in
Afrika von Marokko über den ganzen Raum nördlich der Sahara bis ins
ostafrikanische Tanzania. In Asien von Israel, der Türkei, Arabien, Iran
(Canis aureus Linnaeus), Indien hin bis nach Thailand. Am europäischen
Kontinent hat der Goldschakal sein Hauptvorkommen im Kaukasus und am
Balkan, mit Ausläufern bis Mitteleuropa. Während
in Asien und Europa neben dem Goldschakal keine anderen Schakalarten
anzutreffen sind, weist Afrika mit dem Schabracken- bzw. Streifenschakal
zwei enge Verwandte des Canis aureus auf. Ist
der Goldschakal Stammvater des Hundes ?
An
dieser Stelle erscheint es wichtig, kurz aber eindringlich darauf
hinzuweisen, daß der Hund nicht vom Goldschakal abstammt, sondern in all
seiner Rassenvielfalt eine domestizierte Form des Wolfes darstellt. Leider
wird der Schakal in manchen Theorien immer wieder als Ahnherr gehandelt.
Dieser Irrtum geht auf deutsche Verhaltensforscher des 18. Jahrhunderts
zurück (*) und wurde selbst noch von Nobelpreisträger Konrad Lorenz
vertreten. Lorenz meinte, einige Hunderassen seien Nachfahren des Wolfes,
während andere aus dem Goldschakal hervorgegangen wären. (**) Vor
allem zwei Faktoren sprechen gegen die Abstammungstheorie des Hundes vom
Schakal. Zum einen konnte in der Wildnis noch keine freiwillige Paarung
von Schakal und Hund nachgewiesen werden, obwohl der daraus resultierende
Nachwuchs durchaus lebens- und fortpflanzungsfähig wäre. Hingegen sind
Wolf-Hund-Hybriden keine Seltenheit. Zum anderen sprechen die
Forschungsergebnisse von Klatt und Herre dagegen. Klatt
kam bereits 1913 zum Schluß, daß die relative Schädelkapazität im Verhältnis
zur Körpergröße bei allen Haustieren niedriger liegt als bei ihren
Stammarten. Das gilt für das Schwein ebenso wie für Beutegreifer.
Domestikation führt demnach zu einer Gewichtsabnahme des Hirns. So ist
das Hirn des "Haustieres" Hund um 30% kleiner als das des
Wildtieres Wolf. Da der
Schakal ein noch kleineres Hirn als der Hund hat, fällt er als Stammvater
aller Logik nach aus. Denn das wäre sonst nach dem Wolfsexperten Erik
Zimen "der einzige Fall, bei dem in menschlicher Obhut das
Hirngewicht eines Tieres zugenommen hätte." Daß dies absurd
ist, belegte Wolf Herre (Universität Kiel) mit dem Nachweis, nach dem
Wildtiere, die schon in Gefangenschaft geboren wurden, kleinere Gehirne
ausbilden; was auch für Caniden Geltung hat.
Verhaltensweisen:Fortpflanzung
und Aufzucht:
beendet, dauert die Tragzeit des
Weibchens etwa neun Wochen, annähernd gleich jener der Wölfin. Die Zahl
der Jungen liegt im Mittel zwischen drei und sechs, hängt aber wiederum
von Komponenten wie Ökologie oder Nahrungsangebot ab. Das Geburtsgewicht
der Welpen reicht von 200 bis 250 Gramm. Je weiter nördlich man blickt,
desto mehr verschiebt sich die Paarungssaison auf einen Zeitraum von
Januar bis März. In letzterem Monat findet sie in Südost- und
Mitteleuropa statt; nach dem Ende des Winters eben. Kurz
vor der Geburt sucht sich das Weibchen für ihren Nachwuchs einen
geeigneten Wurfplatz. Dies kann eine Höhle, ein Loch oder ein
verbreiteter Erdspalt sein. Die Schakalbabies sind bereits bei Geburt völlig
behaart, aber ebenso blind wie taub und daher völlig auf ihre Eltern
angewiesen. Während der ersten drei Wochen werden sie ausschließlich mit
Muttermilch ernährt. Danach beginnt die Phase der Entwöhnung. Die
erwachsenen Tiere gehen auf Jagd und füttern die Welpen mit vorverdautem
Fleisch, das sie heraufwürgen (= Regurgitation). So wird den Kleinen der
Übergang von der reinen Milch- zur Fleischkost erleichtert. Wenn die
Welpen gefüttert werden wollen, zeigen sie gegenüber ihren Eltern ein
spezielles Bettelverhalten. Sie wimmern, überrollen sich schwanzwedelnd
bzw. lecken und stoßen mit ihren Schnäuzchen gegen die Mundwinkel der
Adulten. Für die Futterversorgung sorgt entweder der Vater alleine oder
mit der Mutter gemeinsam. Dies stellt die Phase dar, in der für den Wurf
die Bedrohung durch andere Beutegreifer am größten ist. In der Serengeti
wurde beobachtet, daß Jährlinge, also Jungtiere vom Wurf des letzten
Jahres, ihre jüngeren Geschwister während der Abwesenheit der Eltern
betreuen. Meist sehr erfolgreich. Selbst körperlich überlegene
Predatoren wie etwa einzelne Hyänen konnten in die Flucht geschlagen
werden. Nach etwa drei Wochen verlassen die Welpen den Bau zum ersten Mal,
um ihre Umgebung spielerisch zu ergründen. Im Alter von zwei Monaten
begleiten sie ihre Eltern erstmals auf Jagd. Der Bau wird aber nicht vor
dem dritten Monat aufgegeben. Mit etwa einem halben Jahr geht der
Nachwuchs eigene Wege. (**)
Jagd
und Nahrung Obwohl
Schakale regelmäßig fleischlicher Nahrung bedürfen, sind sie
Allesfresser. Herrscht vorübergehend Mangel an "Frischfleisch",
finden die anpassungsfähigen Caniden ihr Auslangen mit Früchten,
Insekten oder auch Aas. Besonders genügsam erweist sich - wie aus Israel
bekannt - der Goldschakal. Ähnlich dem Kojoten in Nordamerika wandert er
als "Kulturfolger" dem Menschen in die Abfallhaufen der Vorstädte
nach, um darin nach Nahrung zu stöbern. Das Nahrungsspektrum des
Goldschakals umfaßt Vögel, Eidechsen und vor allem Nager wie Mäuse oder
Hasen. Eine
weitere Parallele zum Kojoten stellt die Jagdtechnik des "mousing"
dar. Nachdem der Goldschakal die Bewegungen seines verborgenen Beutetieres
mittels Ohren und Vibrationsempfindungen (= Pallästhesie) in den Pfoten
geortet hat, stürzt er mit Katzenbuckel und pfeilgeraden Vorderläufen
auf sein Opfer. Goldschakale
jagen meist einzeln oder zu zweit. Ein Paar bleibt oft ein Leben lang
zusammen. Ist das Beuteangebot reich oder stehen größere Beutetiere wie
Schafe, Ziegen oder Antilopen zur Auswahl, kann es auch zu kurzfristigen
Zusammenschlüssen kleinerer Schakalgruppen kommen. Da
Goldschakale in der Regel nicht in Gruppen jagen und ihre Beine auch nicht
für weite Laufstrecken konzipiert sind, eignen sie sich nicht als Hetzjäger.
Bei tiefem Schnee oder schwierigem Gelände haben sie - wie bulgarische
Beobachtungen zeigen - gegenüber Fluchttieren klare Vorteile und können
so auch Rehe oder Damwild erjagen. Üblicherweise streifen oder stöbern
sie herum, um ihren Opfern aufzulauern und sie nach wenigen Sprüngen zur
Strecke zu bringen. Es wird angenommen, daß ihr Geruchs- und Gehörsinn
wie bei allen Wildcaniden exzellent ausgeprägt ist. Da es diesbezüglich
für den Goldschakal noch keine genauen Untersuchungen gibt, muß man in
der Wolfsforschung nach Richtwerten suchen. Dave Mech schreibt Wölfen
einen etwa hundertmal feineren Geruchssinn gegenüber dem Menschen zu.
Barry Lopez gibt beim Gehör der Wölfe eine Obergrenze von 25 kHz an. Der
Mensch liegt im Vergleich dazu bei 20 kHz. In
heißen geographischen Zonen entfalten Goldschakale aus Gründen des
Haushaltens mit der eigenen Körperenergie vor allem zu zwei Tageszeiten
ihre Aktivitäten: im Morgengrauen und kurz vor Dämmerung. In Europa ist
der Schakal wegen der intensiven Verfolgungen durch den Menschen
vermutlich stärker nachtaktiv als anderswo. Nach Taryannikov ist das
Sehvermögen des Goldschakals bei Tag und Nacht gleich gut. Als gesichert
gilt, daß die Nachtsicht von Caniden die des Menschen bei weitem übertrifft,
da der Anteil der Stäbchen in ihrer Netzhaut 95 % ausmacht. Der weiße
bogenförmige Streifen oder Fleck hinter den Schultern hat möglicherweise
eine kommunikative Funktion während der Jagdaktivität in Dämmerung und
Dunkelheit. Kommunikation
und Interaktion: Das
Lautinventar der Schakale ist sehr differenziert: heulen, weinen, zischen,
grunzen, knurren, bellen. Besonders charakteristisch ist dabei das Heulen.
Gewöhnlich beginnt ein Tier, und die anderen Schakale in Hörweite fallen
im Chor ein. langandauernd, ununterbrochen, monoton abwechselnd an- und abschwellend kurze Stakkatoserien | |||||||||||||||||||
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Während Adulte das ganze Heulinventar produzieren, beherrschen Goldschakale unter zwei Jahren nur Stakkatoserien. Nach Golani und Mendelssohn leitet das Heulen allgemeine soziale Interaktionen ein. Das heißt, es kann einer Vielzahl von Handlungen vorausgehen. Von der Paarungsbereitschaft bis zum Kampf, bei dem Heulen und Bellen sich oft vermischen. Interessant erscheint die Beobachtung, daß dominante Schakale
im Stehen heulen, während dies submissive oder junge im Sitzen tun.
Nikolskij und Pojakov sehen im Heulen vor allem eine Form der
Kommunikation, die dem Zusammenhalt des Rudels und der Begrenzung des
Territoriums dient. Eine weitere wichtige Rolle in der Verständigung
spielen Duftstoffe. Männchen markieren ihre Territorien mit Kothaufen. In
der Paarungszeit verläuft die Miktion (= Markieren) durch verstärktes
Harnlassen. Wandrey untersuchte 1975 Mimik und Gestik der Schakale und
stellte dabei fest, daß von 59 klar abgrenzbaren Verhaltensmustern
(Kopf-, Ohr-, Schnauzen-, Körper-, Bein-, Schwanzstellung, Bewegungen,
Lautäußerungen) 35 aggressiver Natur waren. Kommt
es zu einem Konflikt, droht das dominante Tier dem rangniederen, indem es
ihm die Flanke zukehrt, den Rücken krümmt, die Muskeln anspannt und die
Rückenhaare sträubt. Zeigt der Opponent Demutsverhalten oder ergreift
die Flucht, klingen diese Drohgebärden ab. Droht der Gegner zurück,
kommt es unausweichlich zum Kampfritual, wobei das rangniedere Tier in
Verteidigungsstellung geht, indem es den Vorderkörper duckt und den geöffneten
Fang zur Seite dreht. Es folgt ein gegenseitiges Fixieren und im Kreis
bewegen, wobei das rangniedere Tier immer zuerst zuzubeißen versucht. Der
dominante Schakal wehrt ab, fährt zur Kehle des Widersachers und schüttelt
sie. Danach läßt er ab. Der Unterlegene kann nun Demut zeigen oder das
Weite suchen und der Kampf ist beendet. Männliche Schakale demonstrieren Demut meist durch ein Niedersinken auf gestreckten Vorderbeinen. Dabei wird auch der Kopf gesenkt und der Mundwinkel zurückgezogen; das ganze von einem Winseln begleitet. Weibchen rollen sich gewöhnlich auf dem Rücken, wobei die Rute zwischen den Hinterläufen eingeklemmt wird. Ein weiteres submissives Signal stellt das demonstrative Wegsehen vom Opponenten dar. Scharren oder harnen kann im Gegensatz dazu von Aggression zeugen.
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