Schottland: Fuchsjagd gebannt

Der 13.Februar 2002 war für Schottlands Füchse ein Glückstag, für die Liebhaber der berittenen Jagd allerdings ein rabenschwarzer Moment. Mit 83 zu 36 Stimmen, bei 5 Enthaltungen, verabschiedete das schottische Parlament die Protection of Wild Mammals (Scotland) Bill. Damit sind die berittene Fuchsjagd, fox-baiting sowie das Hetzen von Hasen als kriminelles Vergehen anzusehen, das mit bis zu £ 5.000 oder sechs Monaten Zuchthaus geahndet wird.

Ende 1999 hatte der Labour-Abgeordnete Mike Watson, MSP, als erster dieses Gesetz im schottischen Parlament beantragt. Nun, endlich zur Abstimmung gebracht, ging die Motion durch. Obwohl die Bill einige Schlupflöcher aufweist (z.B. bei „Seuchengefahr“), ist sie als historischer Erfolg gegen die als Sport getarnte Grausamkeit Fuchsjagd nicht hoch genug zu werten. Susan Hart von der Anti-Hunting-Campaign bringt es 

auf den Punkt: “Wir machen einen riesigen symbolischen Schritt, durch den Schottland der Welt sagt, daß es diese überholte und barbarische Sitte nicht länger duldet.

Die Jägerschaft machte hingegen bereits groß mobil. Bereits in den Morgenstunden traf sich vor einer Zustimmung johlenden Menge von über 1.000 Personen eine große Schar berittener Jäger samt Hundemeuten. Sam Butler, Campaign for Hunting, skandierte dabei: „Nicht aufgeben! Wir werden nicht besiegt werden.

Andere Jagdbefürworter stimmen in den Choral ein:

Noel Collins von den Rural Rebels („Ländliche Rebellen“): „Das [Gesetz] ist als Anschlag städtischer Politiker auf den ländlichen Lebensstil zu werten.

David Barnett, Jagdmeister der Fife Fox Hounds: „Das ist noch nicht das Ende der Fuchsjagd.“  Zur Bekräftigung seiner Worte plant er in ganz Schottland – trotz Verbots – Fuchsjagden abzuhalten.

Simon Hart, Direktor der Countryside Alliance: „Das ist ein legislativer Albtraum, der nicht umzusetzen sein wird. Die Polizei wird bessere Dinge zu tun haben.

Neben der Aufgabe ihres geliebten Lebensstils sehen die Pro-Jagd-Gruppen vor allem Arbeitsplätze gefährdet. Die zehn im Grenzgebiet zu England abgehaltenen Jagden sollen bis zu 3.000 Jobs gebracht haben. Quer durch das Vereinigte Königreich macht die Lobby der Fuchsjäger auf Stimmung. So auch David Thomas, Sprecher Welsh Packs. Sollte das Londoner Parlament in Westminster vorhaben, die schottische Gesetzesregelung auch auf Wales zu übertragen, wird es massiven Widerstand geben: „Wir sind bereit, unseren Lebensstil zu verteidigen und notfalls dafür auch zu sterben.“ Und weiter: „There will be rivers of blood in the countryside.

Diese Zusammenfassung von Stellungnahmen zeigt, wie gewaltbereit die Befürworter der Jagd sind. Ein Faktum, das in Verdrehung der Tatsachen stets Tierrechtlern vorgeworfen wird. In Ignoranz der schottischen Regelung wird großbritannienweit zu Gesetzesbruch aufgerufen.

Unbeeindruckt vom Muskelspiel der Jägerlobby fordert der ehemalige britische Sportminister Tony Adams, die Anti-Fuchsjagd Bill im ganzen U.K. umzusetzen. Schließlich ergab eine Abstimmung im House of Commons zu Westminster im Dezember 2000 das klare Votum von 375-158. Seither wurde die Beschlussfassung aber im adeligen House of Lords verschleppt. Adams zur Einführung des Fuchsjagdverbots: „Die Glaubwürdigkeit der Regierung hängt davon ab.

Quelle: Frei nach Kirsty Scott in „The Guardian“, 14.2.2002

 

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