Die berittene Fuchsjagd ist ein grausames, dekadentes Überbleibsel der Feudalzeit, das früher dem Adel vorbehalten war, jetzt aber allen Snobs, Neureichen und Sadisten offen steht. Nichts weniger als ihre totale Abschaffung ist zu befürworten! Im folgenden – frei nach der Tageszeitung „The Guardian“, vom 22.3.2002  zusammengestellten Artikel – wird einmal mehr klar, wie weit die Schere zwischen Wahlkampfversprechen und Realpolitik klafft. Mehr und mehr versucht die Regierung Blair eine Annäherung an die jagdfreundlichen Lords Britanniens. Das demokratisch gewählte Unterhaus tobt; ein Konflikt mit Blaublütern und Rotmänteln ist vorprogrammiert. Meister Reineke bläst zum Halali gegen die Dekadenz!

  England: Frage der Fuchsjagd wird immer mehr zum Klassenkampf

Am Montag, 18.März 2002, hatte sich das englische Unterhaus (House of Commons) mit 386 zu 175 für ein totales Verbot der berittenen Fuchsjagd ausgesprochen. Das Oberhaus (House of Lords) votierte aber mit überwältigender Mehrheit für die Beibehaltung dieser Jagdform. Alun Michael, Minister für Ländliche Angelegenheiten, reagierte daraufhin mit der Ankündigung, notfalls werde der Bann auch gegen den Willen der Lords durchgesetzt werden; ein Statement, das tobenden Applaus vieler Unterhausabgeordneter hervorrief, aber rein rhetorisch zu werten scheint. Denn gleichzeitig verärgerte Minister Michael Labour-Parteifreunde wie Tierrechtler gleichermaßen, indem er sagte, ein solches „Anti-Jagdgesetz“ würde ohnehin erst nach „weiteren sechs Monaten Konsultationen“ eingeführt werden. Es gehe darum, einen „common ground“ zwischen Ober- und Unterhaus zu finden, eine gemeinsame Basis. Laut Alun Michael trachte die Regierung Blair danach, das Gesetz um die Kernprinzipien „Grausamkeit bzw. Nützlichkeit“ zu konstruieren. So könnte vielleicht noch eine Konfrontation zwischen Lords und Commons vermieden werden. Weiters gab er den Mitgliedern des Parlaments (MPs) zu verstehen, daß er einen „rechtlichen Rahmen“ (legal framework) vorschlage, nachdem die berittene Fuchsjagd verboten werden kann, wenn die Gerichte eine Jagd als „grausam“ oder als „ineffektive Form der Schädlingsbekämpfung“ (pest control) erachten.

Dazu der Labour-Abgeordnete Gerald Kaufman an Minister Michael: „Können Sie mir eindeutig zusichern, daß, wenn die Regierung – nach Ende der Konsultationsperiode – ein Gesetz vorschlägt, welches eine Reihe von Ausnahmen beinhaltet, und das hier versammelte Unterhaus in freier Abstimmung all diese Ausnahmen zugunsten eines totalen Jagdverbots mit Hunden wieder entfernt, das dann der Parliament Act sein wird?

Alun Michael darauf: „Absolutely clear“, das wäre dann der Fall. Mit Hilfe des Parliament Act kann der zu erwartende Widerstand der Lords wettgemacht werden (override). Kaufman gilt als maßgeblichster Befürworter eines totalen Verbots der berittenen Fuchsjagd.

Das neue Jagdgesetz wird wahrscheinlich im November 2002 vorgeschlagen werden. Da mit einer blanken Ablehnung des Oberhauses zu rechnen ist, könnte es frühestens Weihnachten 2003 ins Gesetzbuch einfließen; 12 Monate nach seiner zweiten Lesung im Unterhaus.

Minister Michael weigerte sich, Interpretationen anzustellen, wie die Richter die Prinzipien von „Grausamkeit“ bzw. „Nützlichkeit“ auslegen könnten. Er strich aber hervor, daß es ein tief verankertes Prinzip des englischen Rechtes ist, „Grausamkeit“ als „Zufügung unnötiger Qualen“ zu definieren. Eine entscheidende Rolle in der Rechtssprechung könnte dem Burns Report zukommen; Dieser war von der Regierung hinsichtlich Fuchsjagd vor zwei Jahren in Auftrag gegeben worden. Er kam zu dem Schluß, daß das Abschießen der beste Weg zur „Schädlingsbekämpfung“ wäre, es aber in einigen hochgelegenen Gebieten (uplands) einfacher wäre, die Fuchspopulation durch berittene Jagd (horseback hunting) zu kontrollieren. Demzufolge könnte es darauf hinauslaufen, daß in den uplands die berittene Fuchsjagd samt Hunden weiterhin erlaubt bleibt, in den lowlands, wo der Großteil aller Jagden stattfindet, aber verboten wird. Aus dem Burns Report geht aber nicht eindeutig hervor, ob die Jagd an sich als „grausam“ zu bewerten wäre, obwohl er zu Papier gibt, daß Jagen das „Wohl des Fuchses ernsthaft beeinträchtigt“ („seriously compromised the welfare of the fox“).

Der Regierung Blair wird ihr Trachten nach einem Kompromiß (middle way) mit den Lords in den eigenen Reihen als double dealing (Geschäft mit beiden Seiten) schwer angelastet. MP Gordon Prentice wirft ihr „endlose Ausflüchte, Zögern und Unschlüssigkeit“ („endless prevarication, hesitation and vacillation“) vor. Der ehemalige Sportminister Tony Banks geht mit Minister Michael noch klarer ins Gericht: „Es gibt keine `gemeinsame Basis`. Ich weiß wirklich nicht, warum er weitere sechs Monate damit verbringen will, Schatten nachzujagen. Faktum ist, daß die Kollision zwischen Unter- und Oberhaus kommen wird. Und dem sollte er ins Auge sehen.“

Vorsichtiges Lob für den Standpunkt der Regierung gab es hingegen von der Jägerlobby Countryside Alliance, die sich wieder „ermutigt fühlt“, aber immer noch die Drohung eines Marsches auf London ausspricht, sollte das Verbot der berittenen Fuchsjagd tatsächlich kommen.

Quelle: Patrick Wintour in „The Guardian“, 22.3.02

http://www.guardian.co.uk/hunt/Story/0,2763,672075,00.html

 

 

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