England: Jäger züchten Füchse auf Vorrat

Jagdveranstalter in ganz England züchten in künstlich angelegten Bauen, sogenannten artificial earths, Füchse, damit der „Vorrat“ dieser Tiere für Treibjagden nicht ausgeht. Dadurch unterminieren die Waidmänner ihre eigene Argumentation, Fuchsjagden primär aus Gründen der Seuchenbekämpfung (pest control) abzuhalten. Ein Sprecher der RSPCA brachte es auf den Punkt: „It shows that hunting ist not pest control; it is just a blood sport.“Üblicherweise werden zur Anlage dieser Baue Betonkammern in den Boden versenkt, die durch ein Netzwerk von Tunnels miteinander verbunden sind; manche earths bestehen aber auch aus Ziegelsteinen. Die Füchse werden darin mit Nahrung und Wasser versorgt. Meistens legt man diese künstlichen Wurfhöhlen nahe der Treffpunkte von Großjagden an. Die Anti-Jagd-Organisation League against Cruel Sports dokumentierte die earths, deren Zahl landesweit auf über 200 geschätzt

wird.  Ein Sprecher der League erklärte: „Sie sind schwer zu finden. Wir wissen, daß wir weit davon entfernt sind, sie alle zu entdecken.

Alleine auf dem Gebiet der Thurlow Foxhounds (Cambridgeshire) fanden Jagdgegner 31 der künstlichen Baue. Auf dem Land der Heythrop Foxhounds (Oxfordshire) – einer der prestigeträchtigsten Jagden Englands – eruierten Mitglieder der League, daß die Füchse durch Tierkadaver gefüttert werden. Dem Gesetz nach ist das Auslegen tierischer Leichen aber verboten. Ein Dossier über diese illegale Praktik wird von der League against Cruel Sports an das Department of Rural Affairs weitergeleitet werden.

Manche Jäger behaupten, Tierschützer selbst hätten die Baue angelegt, andere bestreiten ihre Existenz ganz. Einige wenige wiederum geben sie zu, verurteilen sie aber, da Füchse ohnehin „zu jeder Zeit überall“ Nachwuchs aufziehen könnten. Im Januar 2002 wurde dokumentiert wie auf dem Anwesen des Duke of Beaufort, einem guten Freund von Prince Charles, Hirschkadaver in der Nähe von earths ausgelegt worden waren. Simon Hart, Direktor der jagdfreundlichen Countryside Alliance: „Künstliche Wurfhöhlen sind nichts Neues, sondern Jahrzehnte alt. Damals wurden sie dazu verwendet, um Füchse von Straßen und Putenfarmen fernzuhalten.

Nach dem kürzlich erlassenen Verbot der berittenen Fuchsjagd in Schottland und dem Vorhaben vieler Labour-Abgeordneter, dies im ganzen United Kingdom umzusetzen, scheinen die Jäger immer mehr in den Untergrund zu gehen, um ihrer Jahrhunderte alten Barbarei weiter frönen zu können.

Mehr zum Thema: „The Observer“, 17.2.2002, http://observer.co.uk/uk_news/story/0,6903,651695,00.html

Mittlerweile bekam auch die Moderatorin der TV-Show „Weakest Link“ (=schwächstes Glied), Anne Robinson,  den Zorn der Tierrechtler zu spüren. Mrs. Robinson gilt als glühende Anhängerin der Jagd und moderierte in Cirencester, Gloucestershire, ein Fund-Raising-Event zu Gunsten der Hubertusjünger.

Außerhalb des Versammlungshauses skandierten über 100 Aktivisten der League against Cruel Sports: „Anne, you are the weakest link, good bye.“ Außerdem wurde der Promi-Jagdbefürworterin ein Video übergeben, das zeigt, wie ein Nerz von Hunden zerrissen wird bzw. wie nicht zur Jagd taugliche Hunde auf Eisenbahnschienen mittels Stromstößen getötet werden. Mrs. Robinson, selbst passionierte Jägerin, ließ öffentlich verkünden, daß sie das Video nicht anzusehen gedenke.

Mehr zu Thema: „The Guardian“, 17.2.2002, http://www.guardian.co.uk/uklatest/story/0,1271,-1525606,00.html

 

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