DER KOJOTE (Canis latrans)

 

Obwohl fälschlicherweise oft auch als „Präriewolf“  bezeichnet, gehört der Kojote nicht zur Spezies Wolf. Er ist vielmehr das nordamerikanische Pendant zum Schakal der Alten Welt. Als schlauer „Trickser“ spielt er in vielen Schöpfungsmythen indianischer Völker eine wichtige Rolle.

Vorkommen:

Kojoten kommen in freier Wildbahn nur auf dem nordamerikanischen Subkontinent vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht mittlerweile von der kanadischen Tundrengrenze bis weit in den Süden von Mittelamerika. Bezüglich Habitat sind sie extrem anpassungsfähig. Sie überleben an der Peripherie von Großstädten genauso wie in der Weite der Prärie und im kargen Berg- oder subtropischen Grasland. Als Kulturfolger des Menschen gehören sie trotz massiver Verfolgung mittlerweile zum Alltagsbild vieler nordamerikanischer Vorstädte.

Nahrung:  

Der Kojote ist ein genialer Generalist. Außerhalb menschlicher Ballungsräume lebt er von Kaninchen, kleinen Nagern, Vögeln, Echsen, Krabben, Insekten, Früchten oder Aas. Am Rande der Stadt stöbert er in Abfällen, tötet Ratten oder reißt streunende Katzen. Im Jagdverhalten zeigt er weder die Rudelstrategie des Wolfes, noch das Einzelgängertum des Fuchses. Oft gehen Kojoten im Paar auf Beutesuche. Nur wenn das Nahrungsangebot – wie etwa im Yellowstone Park – im Übermaß vorhanden ist, schließen sich Kojoten zu Verbänden zusammen, um auch Jagd auf größere Tiere wie Rehe oder Hirsche zu machen. Berühmt ist der Kojote für seine „Mousing“, eine ganz besondere Sprungtechnik bei der Jagd auf Beute, die unter der Schnee- oder Erdedecke Versteck sucht. Sein Intimfeind ist der Wolf, der den unliebsamen Nahrungskonkurrenten, wenn möglich, tötet. Es gilt die Faustregel, daß der Kojotenbestand schnell abnimmt, wenn Wölfe ein Gebiet erobern – und vice versa rasch ansteigt, wenn der Wolf stark bejagt wird.

Verhalten:

Wie schon erwähnt, leben Kojoten eher selten in größeren Gruppen zusammen. Meist besteht der Verband nur aus Rüde, Fähe und Nachwuchs. Die Paarungszeit setzt etwa im Februar ein. Nach neun Wochen wirft das Weibchen zwischen fünf und zehn vorerst blinde Welpen mit gänzlich braunem Fell. Die weiße, rötliche oder graue Zeichnung bildet sich er später. Während die Fähe die Kleinen säugt, versorgt sie der Vater mit Nahrung. Nach zwei Monaten begleitet der Nachwuchs die Eltern beim Beutefang und nach einem Jahr heißt es Abschiednehmen auf der Suche nach einem eigenen Territorium. Junge Kojotenrüden wandern dabei bis zu 200km von ihrem Geburtsort weg, eine geschickte Strategie, um bei späterer Paarung Inzucht zu vermeiden.

Status:

Canis latrans genießt von Gesetzes wegen keinerlei Schutz. In vielen Gegenden der USA und Kanadas wird er rücksichtslos abgeknallt oder mit Gift und Fallen eliminiert, was oft auch den Tod ganz anderer Tierarten mit sich zieht. Vielfach gibt es sogar Wettschießen auf Kojoten (Wyoming, Utah). Einen hohen Tribut fordert auch der Straßenverkehr. Dennoch hat der Überlebenskünstler bisher all seinen Verfolgern getrotzt. Durch eine Reproduktionsstrategie, die bei überhöhter Bejagung mit dem Anstieg der Wurfgröße reagiert, konnte der Kojote weiterbestehen. Für die menschlichen Jäger erweist sich ihr planloses Abschlachten oft sogar als kontraproduktiv, denn vielerorts steigt die Gesamtzahl der Kojoten dadurch noch an oder die Tiere wandern in bisher nicht erschlossene Gebiete ab. Meist werden Kojoten zu Unrecht als Viehdiebe verunglimpft, da Rinder als Beutetiere ohnehin viel zu groß sind. Und gegen Schafriß schützt am besten der Einsatz von Herdenschutzhunden. Der Kojote sollte mit weit größerem Respekt behandelt werden, was auch beim renommierten Zoologen Cornelis Naaktgeboren zum Ausdruck kommt: „Sein Nutzen wird vom Menschen vielfach unterschätzt..“ Tatsächlich erfüllen Kojoten im ökologischen Kreislauf eine sehr wichtige Funktion, indem sie die Nagerbestände eindämmen und Kadaver natürlich recyceln.

Mischlinge:

Gegenüber früheren Lehrmeinungen kommt es in der Wildnis in einigen Fällen auch zu Verpaarungen zwischen Wolf und Kojote; zwar selten, aber doch. Der Rotwolf (Canis rufus) soll ein Produkt dieser natürlichen Kreuzung sein.

Häufiger paaren sich Kojoten mit wildernden Hunden. Die im Phänotyp kojotenähnlichen Hybriden oder Coydogs erwiesen sich oft als weit frecher als ihre rein wilden Verwandten und zeigen keine Hemmungen, in Gärten Jagd auf Haustiere zu machen oder auch Menschen zu attackieren. Dies erklärt sich dadurch, daß durch ihr Hundeerbe die natürliche Scheu oft verloren geht. Meist stellen sie eine tierschutzrelevante Aufgabe dar, da sie zum einen unberechenbar sind, zum anderen den Haß der Menschen auf Kojoten im Allgemeinen noch steigern. Aber Vorsicht! Auch hier dürfen nicht alle Individuen über einen Kamm geschoren werden.

In Zoologischen Gärten gelang sogar ein Zusammenleben bzw. eine Kreuzung zwischen Kojoten und Schakalen, zwei Arten, die in der Natur durch weite Ozeane getrennt sind und niemals aufeinandertreffen.

 

Home

Zurück