ÄTHIOPISCHER WOLF (Canis simensis)

Aufgrund seiner rötlichen Färbung und des grazilen Äußeren hielten Zoologen den Äthiopischen Wolf lange Zeit für einen Fuchs (Simien Fox). Jüngste Untersuchungen der mitchondrialen DNS machten allerdings klar, daß es sich hier um einen engen Verwandten von Hund und Wolf handelt.

Vorkommen:

Canis simensis kommt weltweit nur in den Bale Bergen von Äthiopien vor. Dort, auf dem Sanetti Plateau, einer vulkanischen Tafel, die als „Dach von Afrika“ bekannt ist, lebt die einzige afrikanische Wolfsart. Das Habitat besteht aus steilen Hängen und weiten Grasflächen; das Klima ist alpin. Bis zu einer Seehöhe von 3.700 Metern ist der Äthiopische Wolf anzutreffen. Unterhalb der 3000m-Grenze findet man ihn nicht. Wahrscheinlich lebt Canis simensis in dieser Gegend schon seit dem Pleistozän, als asiatische Wölfe über Landbrücken von Arabien her einwanderten.

Nahrung:

Der Äthiopische Wolf ist ein ausgesprochener Spezialist, dessen Nahrung fast nur aus den in der Hochebene zahlreich vorhandenen Nagetieren besteht. Bei Tagesbeginn sieht man die Wölfe meist einzelnen im Zickzack nach den kleinen Nagern stöbern.

Verhaltensweisen:  

Das soziale Gefüge des Canis simensis unterteilt sich in zwei Hierarchien, eine männliche und eine weibliche, die von Alphatieren angeführt werden. Es ist eine Eigenheit dieser Wölfe, daß ihr Rudel großteils aus Rüden mit nur wenigen Fähen besteht, was dadurch zu erklären ist, daß Männchen ihr Geburtsrevier nie verlassen. Es sind die Weibchen, die im Erwachsenenalter von zwei Jahren abwandern. Innerhalb des Rudels kommt es kaum zu Streitigkeiten, gegenüber fremden Artgenossen verhält sich der Äthiopische Wolf aber sehr territorial. Eindringlinge werden konsequent vertrieben. Die Größe der einzelnen Territorien macht sechs bis zehn Quadratkilometer aus. Anfang August ist Paarungszeit, Ende September werden die Jungen geboren; im Schnitt an die sechs Welpen.

Aussehen:  

Der Äthiopische Wolf ist ein schlanker, kleiner Canide, mit relativ hohen Beinen, deren Innenseite weiß gezeichnet ist, ebenso wie der Brust- und Halsfleck. Auch die Vorderseite der spitzen Ohren ist weiß, während der Rest des Körpers von einem kräftigen Rotbraun bedeckt ist. Die Rute ist buschig und ebenfalls rotbraun-weiß.

Status:

Heute ist der Äthiopische Wolf mit nur mehr 400 Individuen der bedrohteste Canide der Welt. Dabei lebte er über Jahrhunderte unbehelligt in Nachbarschaft des Hirtenvolkes der Oromo. Als diese vor wenigen Jahrzehnten begannen, ihre Herden zu vergrößern, drangen sie immer dichter ins Stammland des Wolfes vor – und samt ihnen ihre sogenannten Village Dogs, Hunde zum Schutz der Rinder, die ein fast wildes Leben führen. Damit nahm das Unglück seinen Lauf. Durch Hunde übertragene Krankheiten wie Tollwut oder Staupe rafften viele Äthiopische Wölfe dahin.                 

-) Durch Vermischung von Hunden mit Wolfsfähen stirbt der Canis simensis genetisch sukzessive aus.

-) Das immer weitere Vordringen der Hirten zerstört seine ursprünglichen Habitate.

-) Hinzu kamen Dürreperioden bzw. 1991/92 ein politischer Umsturz, bei dem bewaffnete Einheiten im Bale Nationalpark wilderten.

Schutzmaßnahmen:  

Vor allem einem Mann ist es zu verdanken, daß der Äthiopische Wolf noch nicht ganz ausgerottet ist: Dr. Claudio Sillero-Zubiri, ein argentinischer Zoologe, der an der Universität Oxford über den Canis simensis promovierte und für seine jahrelangen Arterhaltungsbemühungen den angesehenen Whitley Award for Conservation erhielt. In Zusammenarbeit mit der Oxford Wildlife Conservation Unit

und der britischen Tierschutzorganisation Born Free Foundation (BFF) wurde ein Rettungsplan erstellt, der folgendes beinhaltet:

-) Impfung des Canis simensis gegen Caniden-typische Infektionskrankheiten

-) Kastration von Wolf-Hund-Hybriden, um den Genpool zu schützen.

-) Gehegezuchtprogramm für reinrassige Wölfe

-) Aufklärungskampagne für die Oromo

Gemeinsam mit Alison Hood, Projektleiterin der BFF, schrieb er ein Kinderbuch mit dem Titel „The Wolf Watchers“ (*), das sogar ins Oromo übersetzt wurde. Eine weitere Übersetzung ins Amhara, der Hauptsprache des Landes, steht auf dem Programm.

(*) ISBN: 1-898784-71-X, Templar Publishing

Wie kann man selbst helfen?:

Adoptieren Sie symbolisch einen Äthiopischen Wolf! Mit ihrem Geldbetrag unterstützen Sie die Rettungsmaßnahmen für einen einzigartigen Caniden.

Informationen unter:

http://www.bornfree.org.uk/wolf10.htm

P.S.: "Geographical", das Magazin der renommierten britischen Royal Geographic Society, widmete dem Äthiopischen Wolf im Mai 1998 sogar die Titelgeschichte.

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