|
Guten
Morgen an alle, die uns hier in Banff unterstützen!
Wir wollen Euch erst einmal uptodate über die Wolfslage informieren, da
nun einige Mails von kanadischen Trappern kommen, die jede Menge
Falschinformationen enthalten. Lasst Euch davon nicht irritieren und
versucht bitte, auch Infos an andere Länder wie Östereich, Schweiz etc.
zu senden, damit nicht nur das "böse" Deutschland
"Schuld" hat
Im Banff Nationalpark leben derzeit ca. 35-40 Wölfe in maximal 7
Wolfsfamilien (nicht mehr!), die fast alle auch aus dem Park in
Randgebiete laufen und sowohl in B.C. als auch Alberta ohne Limit
erschossen, in Fallen oder Schlingen umgebracht werden können. In manchen
Gebieten gibt es zwar jahreszeitliche Beschränkungen für das Töten von
Wölfen, das ist aber eher unwesentlich. Seit Jahren ist dieser Umstand
bekannt, nichts ist passiert und nun wandern selbst die Bowtal-Wölfe in
Gebiete außerhalb der Parkgrenzen, weil sie hier ständig durch
Autoverkehr gestört werden und die Beutetierpopulationen (neben der
Kojotenpopulation, Bärenpopulation, Pumapopulation und Luchspopulation) rückläufig
ist. Es
gibt im Vergleich zu den letzten zehn Jahren weniger Elche, Hirsche,
Dickhornschafe und nur die Rehpopulation scheint etwas höher zu sein als
früher.
Die letzten Mohikaner der ehemaligen Wolfsfamilie des Bowtals, Hope und
Nanuk sind derzeit zusammen, sehen beide den Umständen entsprechend
relativ gut aus. Sie sind jetzt in einem Seitental verschwunden, und wir
hoffen, dass es Hope gelingt, Rehe zu erbeuten. Ein fremder Rüde ist
derzeit weit und breit nicht in Sicht. Auch die Fairholme Wolfsfamilie hat
sich seit einigen Wochen aus dem Bowtal verabschiedet und derzeit findet
man noch nicht einmal Spuren von ihnen.
Neueste Info: Nisha ist wieder aufgetaucht, allerdings ca. 10 km westlich
der ehemaligen Territoriumsgrenze. Sie hat keinen Kontakt zu Hope und
Nanuk, ist allerdings derzeit wohlauf. Da die Paarungszeit beginnt sind
biologisch gesehen Nisha und Hope eher Reproduktionskonkurrentinnen.
Deshalb erwarten wir realistisch betrachtet auch keine Rückkehr von Nisha.
Wir verfolgen ihr weiteres Schicksal mit großem Interesse. Wann immer
eine Info über Nisha reinkommt, hängen wir uns selbstverständlich
sofort dran.
Hoffen wir, dass es bald wieder Neuigkeiten von ihr gibt, abgeschrieben
haben wir sie nämlich noch lange nicht. Da sich Nisha schon außergewöhnlich
früh (im Alter von 9 Monaten haben wir sie schon selbständig
Schneeschuhhasen jagen sehen) zu einer exzellenten Überlebenskünstlerin
entwickelt hatte, ist sie sicherlich in der Lage, zu überleben oder einen
Rüden zu treffen, mit dem sie sich dann verpaaren könnte.
Generell gibt es in Kanada kein "endangered species act", also
keine (wie in USA und auch Deutschland) generell geschützte
Tierart. In Nationalparks sind alle Tierarten geschützt, hier darf nicht
geschossen und es dürfen auch keine Fallen aufgestellt werden. Wir bitten
das ggf. in Euren Rundbriefen zu ändern, falls dort (leider zum Teil)
falsche Infos drinstehen. Es ist wichtig, dass alle Infos so präzise wie
möglich dargestellt werden, da es sonst kontraproduktiv wäre.
Es gibt natürlich noch Wölfe (s.o.) in Banff, allerdings eben wenige. Im
Vergleich zur Bestandszahl vor zehn Jahren ist die Wolfspopulation in
Banff klar rückläufig. Da Trapper, die an den Nationalparkgrenzen tätig
sind, keine (!) Infos weiterleiten müssen, werden sehr wahrscheinlich
noch mehr Wölfe umgebracht als wir tatsächlich wissen. Wissen tun wir,
dass in den letzten Jahren mehrere Dutzend Wölfe an den
Nationalparkgrenzen von Banff und Kootenay getötet wurden, sei es dass
sie gemeldet wurden, man Radiohalsbänder gefunden hat oder zufällig
Infos die Runde machten.
Man versucht nun, Deutschland als wildleeres Land darzustellen, wo es
keine Tiere mehr gibt. Dieses Argument ist schlichtweg falsch, deshalb
einige konkrete Infos: Im Gegensatz zu Kanada sind Kahlschläge im Wald
verboten, die Anpflanzung von Monokulturen ebenso (Tannenbaumschonungen
ausgenommen). Mischwald dominiert immer mehr, und Zersiedelung ist im
Rahmen der Flurbereinigung geändert worden. Also ein großer Fortschritt.
Was die Tierwelt angeht, haben wir in Deutschland einige hunderttausend
(!) Rehe (insgesamt drei verschiedene Arten), einige Tausend Hirsche,
weiterhin Wildschafe (Mufflon), Gemsen, große Stückzahlen Wildschweine.
Wir haben Luchse (geschützt), Wölfe (geschützt), Wildkatzen (Status ?),
Otter (geschützt), allein in Brandenburg ca.1000 Bieber, darüber hinaus
Bisamratten, Marder, Füchse, Waschbären, Marderhunde etc. Keiner kann
also behaupten (und wir möchten Euch diese Argumente an die Hand geben),
dass Deutschland nur aus Industrie besteht und keine Tiere dort leben.
Dies ist blanker Unsinn. Sicherlich ist bei uns einiges im Argen, aber
zwischen "Schwarz und Weiß" gibt es doch so einige
"Zwischentöne".
Nochmals zurück nach Kanada: Die Tradition, Tiere in Fallen und Schlingen
umzubringen, mag man als Argument bringen, ist jedoch nicht akzeptabel,
weil (inkl. Indiander oder Natives) keiner hungern muss, ergo zum Überleben
keiner gezwungen ist zu "trappen". Traditionen sind schwer zu ändern,
das wissen wir vom Stierkampf in Spanien bis hin zum Vogelmord im
südlichen Europa. Aber, so what? Soll es deshalb unkommentiert
hingenommen werden? Wir meinen Nein. Es geht also um Geld. Leider hat die
Fellindustrie wieder an Boden gewonnen (Felle sind sogar deutlich teurer
geworden), Angebot und Nachfrage haben sich leider wieder negativ für
dieTierwelt entwickelt und daher wird natürlich mehr Anreiz geschaffen,
Fallen aufzustellen. Die Tourismusindustrie hat allerdings eine weit größere
Lobby. Deshalb lasst euch nicht ins "Bockshorn jagen", wenn
damit gedroht wird auch Deutschland zu boykottieren. Das steht in keinem
Verhältnis: Jährlich fliegen Millionen Mitteleuropäer nach Kanada, aber
nur sehr wenige Menschen kommen von Kanada nach Deutschland.
Fazit: Keine Panik! Der Protest zeigt schon erste Wirkungen. Der
Touristenboykott steht seit gestern im "Calgary Herold", einer
großen Zeitung. Andere werden folgen, zumal wir in einer Woche vor
mehreren hundert Menschen in Calgary sprechen werden. Auch der Park hat
reagiert, und wir haben einen Termin für Montag oder Dienstag nächster
Woche, wo es um "unsere" Themen geht.
Danke an alle, die uns unterstützten. Ihr habt schon etwas errreicht.
Bitte lasst aber nicht locker, bitte ändert ggf. Eure Websites etc. falls
Falschinfos dort drinstehen, und bitte versucht auch, Kontakte zum Ausland
zu knüpfen.
Wir fühlen uns sehr gerührt, dass uns so viele Menschen unterstützen
und wir wissen nicht, wie wir es Euch je zurückzahlen können. Eine Idee
von uns ist, nach unserer Rückkehr nach Deutschland im April einige Vorträge
zu geben (kostenlos!). Seit langer Zeit sind wir einmal wieder stolz aus
Deutschland zu kommen, das wollten wir Euch wissen lassen. Storms, Yukons
und Kalis Tod waren offensichtlich nicht umsonst, auch wenn wir noch eine
"größere Wegstrecke" vor uns haben. Nochmals Danke und macht
bitte, bitte weiter so.
Mit freundlichen und tief bewegten Grüßen an alle (sollten wir jemanden
vergessen haben zu mailen bitten wir tausendmal um Vergebung!) Bitte
verbreitet diese Mail, danke.
Günther und Karin Bloch
***********************************
Und schließlich nochmal in diesem Zusammenhang eine Mail von Monika
Happich, deren Sohn sie gebeten hatte, Mails wegen der Wölfe in Kanada zu
verschicken. Dabei ist ihr aufgefallen, dass unter unseren vorformulierten
Mails keine von/für Kinder waren. Frau Happich hat daher einen
Protestbrief von/für Kinder entworfen, den ich nach meiner Rückkehr aus
Yellowstone ins Netz stellen werde. Bis dahin erhalten Sie hier diesen
Musterbrief, den Sie gerne verwenden können. Ich finde es eine wunderbare
Idee, dass auch Kinder (oder Eltern für Ihre Kinder) schreiben!
Dear Mr. Fisher!
My son Robin( 12 years) asked me to write this mail to you. I will try to
tell you why my son is so sad these days. He loves animals and especially
wolves. Every day he surfs the internet to learn more about them. Some
days ago he came to me crying and told me that wolves were being killed in
Canada! I couldn't believe t, but he showed me the website wehre I could
read the story about Storm and Yukon. Robin asked me why adult humans are
acting like this and if you don´t have kids in Canada.
He told me that kids need wild animals to learn, and that in the future
kids will no longer know wild animals anymore if we as adulta don't stop
the killing immediately! I had to agree with my son, because there was a
yesterday, there is a today and there will be a tomorrow. And the kids of
tomorrow have the same rights to see wild animals as the kids of yesterday!
So my son Robin is telling you: PLEASE save the wild animals and the
wolves for our KIDS in future!
Please help them to stay alive, so our kids from the present can be proud
of us adults.
Yours sincerely
Monika Happich with son Robin
________________________________
Elli Radinger
Chefredaktion Wolf Magazin
www.wolfmagazin.de
|